Havariertes Schiff im Brohler Hafen geborgen

Die Bergung der „Carmen Sylva“ wird teuer

11.04.2023 - 09:07

Brohl-Lützing. Für ein paar Tage hatte Brohl ein neues „Wahrzeichen“. Schon von fern kündete ein riesiger gelber Kran, dass im Hafengebiet etwas Spektakuläres geschah. Am 28.03.2023 war die „Carmen Sylva“ aus bisher ungeklärten Gründen an ihrem Liegeplatz gesunken, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Das alte Ausflugsschiff gehörte zusammen mit dem benachbarten Schiff „Schloss Engers“ dem ehemaligen Neuwieder Eigner Jürgen Collee, der sich jahrelang geweigert hatte, den Schiffsanleger vor der frisch renovierten Promenade in Neuwied zu räumen. Nach gewonnenem Rechtsstreit ließ die Stadt Neuwied im Dezember 2021 beide Schiffe in den Hafen von Brohl schleppen, um die Schiffe am 21. April 2023 zwangsversteigern zu lassen. Dazu wird es nun vermutlich nicht kommen. Bereits direkt nach der Havarie des Schiffes hatte die Feuerwehr eine Ölsperre auf dem Wasser errichtet, um Öl, Schiffsdiesel und andere Betriebsstoffe zu binden und durch die Fachfirma Wambach absaugen zu lassen.

Das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Rhein mit Sitz in Bingen kümmerte sich nun um die Bergung des Havaristen. Wie Thomas Weckop, Fachgebietsleiter Wasserstraßen des WSA berichtete, wurde das renommierte niederländische Unternehmen HEBO mit Sitz in Rotterdam beauftragt, das Schiff zu heben. Der Hebekran, montiert auf einer großen schwimmenden Plattform, traf am 5. April in Brohl ein. Gleichzeitig mussten Spezialwerkzeuge und weitere Gerätschaften aus den Niederlanden beschafft werden. Ein kleines Ölbekämpfungsboot der Bergungsfirma sorgte ständig dafür, dass Öl von Wasser getrennt wurde und nicht in den Rhein fließen konnte.

Herr Weckop vom WSA erklärte weiterhin, dass die „Carmen Sylva“ im Leerzustand ca. 170 t wiege, nun aber ein beträchtlich höheres Gewicht durch das eingedrungene Wasser habe. Deshalb müsse erst dieses Wasser aus dem Havaristen gepumpt werden, um das Schiff sicher heben zu können. Außerdem musste ein Spezialhaken am Hebekran montiert werden, der bis zu 300 t heben kann. Anschließend wurden Hebebänder aus Stahl unter dem Schiff durchgezogen und an Krantraversen befestigt. Allein diese Arbeiten - unter den wachsamen Augen der Wasserschutzpolizei - dauerten den ganzen Karfreitag.

Viele Schaulustige, darunter einige aus dem Ruhrgebiet angereist, beobachteten die Szenerie aus sicherer Entfernung und machten eifrig Fotos. Aus Sicherheitsgründen war die direkte Umgebung des havarierten Schiffs gesperrt. An der rheinwärts gelegen Mole war ein riesiger Schubleichter - ein antriebsloser schwimmender Ladebehälter - vertäut, um das havarierte Schiff aufzunehmen.

Am Vormittag des Ostersamstags konnte die „Carmen Sylva“ leicht angehoben und inspiziert werden. Gleichzeitig wurde das eingedrungene Wasser abgepumpt und von Schadstoffen getrennt. Nachdem am frühen Nachmittag sämtliche Flüssigkeit aus dem Wrack entfernt war, hob der Kran das Schiff so weit an, dass der Schubleichter von einem Schubboot unter den Havaristen geschoben werden konnte - eine logistische Meisterleistung! Nun musste das Schiff noch ins Innere des Schubleichters abgelassen werden - und war geborgen.

Die ganze Bergung wird eine sechsstellige Summe kosten und wird den Verkehrswert des Schiffes um ein Vielfaches übersteigen. Es werden wohl die Gerichte klären müssen, wer für diese Kosten aufkommen muss. Und auf die „Carmen Sylva“ wartet ein trauriges Schicksal: die Verschrottung!

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