Allgemeine Berichte | 12.10.2018

Eine Leserin spricht über die Lebensphase, in der sie gegen den Brustkrebs kämpfte

Die ersten Gespräche waren schlimm

Chemotherapie und Operationen waren das Bearbeiten der Krankheit; Gespräche und Rehas das Verarbeiten

Ich bin mit 41 Jahren an einem triple negativen Tumor in der rechten Brust erkrankt. Die Diagnose kam damals genau zwei Wochen nach Bestätigung des BRCA1-Gens. Ich bin also Betroffene und gleichzeitig auch Angehörige. Dieses Gen ist familiär bedingt und beinhaltet Brust- und Eierstockkrebs. Ich bin leider nicht die einzige Erkrankte in meiner Familie. Für mich und für meinen Mann war es anfangs schwer zu akzeptieren, dass ich erst eine Chemotherapie mache und danach die Brustoperation stattfinden wird. Auch wir waren der Meinung, holt das Ding so schnell wie möglich raus. Nachdem uns allerdings erklärt wurde, warum dieser Ablauf gewählt wird, konnten wir es nachvollziehen.

Für mich war es immer wichtig, mir zwei Meinungen einzuholen und dann auf mein Bauchgefühl zu hören. Genauso wichtig war es, dass bei jedem Termin mein Mann mit dabei war. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mein Kopf sich nach zwei Sätzen ausgeschaltet hat und ich nichts mehr aufnehmen konnte. Der Rückhalt der Familie ist von großer Bedeutung. Den hatte ich voll und ganz. Es gab in meiner Krankheitsphase mehrere schlimme Situationen für mich. Nach der Diagnose hatte ich mich entschlossen, mit meinen Kindern zu sprechen. Diese waren zu dem Zeitpunkt 13 und 16 Jahre alt. Das Gespräch war der Horror schlechthin. Meine 13-jährige Tochter hat fürchterlich geweint und fragte nur, ob ich jetzt sterben muss. Meine 15-jährige Tochter ist weinend in ihr Zimmer gelaufen und hat sich eingeschlossen. Wir haben viele intensive Gespräche geführt. Das nächste schlimme Gespräch hatte ich dann mit meinen Eltern. Mein Vater war der Meinung, er sei schuld, da er mir das Gen vererbt hat.

Was die Chemotherapie betrifft, kann ich nur empfehlen, diese mit einer Heilpraktikerin begleitend zu behandeln. Ich habe alle Nebenwirkungen mit ihr in den Griff bekommen. Sehr geholfen hat mir auch, dass ich vor jedem Chemotermin mit dem Tumor gesprochen habe. Ich habe ihm vor jedem Termin gesagt, dass er eine weitere Packung bekommen wird und ich diesen Kampf gewinnen werde. Was ich auch geschafft habe. Ich bin so oft wie möglich draußen gewesen und war viel spazieren. Bewegung halte ich für sehr wichtig.

Während der Chemotherapie war ich mal sehr traurig und hatte viel Angst, weil der Tumor sich trotz Chemo vergrößert hatte. Bei der nächsten Kontrolle stellte sich allerdings heraus, dass er von innen nach außen kaputt geht. Es gibt viele Höhen und Tiefen in der Zeit. Die Brustoperation ist bei mir gut verlaufen. Ich habe beidseitig die Brust ausgeräumt bekommen und es wurden Implantate eingesetzt. Somit habe ich mein Wiedererkrankungsrisiko stark minimiert. Aufgrund meines Gens habe ich auch die Eierstöcke entfernt bekommen. Dies konnte allerdings erst ein halbes Jahr später gemacht werden. Es gibt aber auch sehr schöne Erinnerungen an diese Zeit. Was man kaum glauben kann. Man sollte nie aufhören zu lachen – auch, wenn es Galgenhumor ist. Ich habe in der Reha ganz tolle Frauen kennengelernt, die zu Freundinnen geworden sind. Wir wohnen in ganz Deutschland verteilt und treffen uns heute noch einmal im Jahr. Den Rest des Jahres halten wir über WhatsApp Kontakt. Der Austausch mit Gleichgesinnten hat eine große Bedeutung für mich, genauso wie die Einzeltherapie bei einer Psychoonkologin. Für mich waren die Chemotherapie und die Operationen das Bearbeiten der Krankheit und die Gespräche und Rehas das Verarbeiten. Ich wünsche allen Frauen, die diesen Weg gehen müssen, viel Kraft. Gebt nie auf, es lohnt sich! Bedanken möchte ich mich von ganzem Herzen bei meinem Mann, meinen Kindern, meinen Eltern und meinem Bruder. Sie waren immer und zu jeder Zeit für mich da. Auch alle meine Freunde haben immer hinter mir gestanden. Danke!

Michaela Talarek

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
14.10.201819:47 Uhr
Katharina Kleinau

Liebe Michi, deine Zeilen haben mich sehr bewegt, nicht aufgeben ! Es klingt alles so einfach , ist es aber nicht ! Den Rückhalt der Familie und deiner Reha Freundschaften wünsche ich dir für ganz lange Zeit . Für Immer !
Man kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben ! In diesem Sinne sei herzlichst umarmt von Kathi aus Berlin

Neueste Artikel-Kommentare
  • K. Schmidt: Die nächste Demo, gerade wenn sie sich an Familien richtet, sollte dann mal unter dem Motto stehen: "Fahrradhelme für alle!"

Kruft: Zwischen Dauerkritik und Tatendrang

  • Rolf Stern : Der Text wirkt weniger wie eine Einordnung, sondern eher wie der Versuch, berechtigte Kritik abzuwürgen. Gerade bei öffentlichen Geldern ist Nachfragen keine Dauerschleife, sondern demokratische Pflicht.
  • Andreas Lung: Liebe Frau Schumacher, Sie haben offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worum es geht.
  • Thomas Sebastian Napp: Ich kann der Gemeinde zu dieser Aktion nur gratulieren. Vor allem den Bauhofmitarbeitern muss ich hier ein Lob aussprecheb. Gleichzeitig kann ich es nicht verstehen, dass eine große Naturfläche auf dem...
Essen auf Rädern
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag 2025
Dauerauftrag Imageanzeige
Kleinanzeigen
Schulze Klima -Image
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Vortrag: Arthrose des Hüft- und Kniegelenk
Stellenanzeige
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
Empfohlene Artikel
Auf der Bühne herrschte bei den Spielen eine lockere Atmosphäre.  Foto:WAMFO.de
10

Nürburgring. Ally-Pally-Atmosphäre am Nürburgring: Tausende Fans der fliegenden Pfeile haben die Ringarena am vergangenen Samstag erneut in einen Darts-Tempel verwandelt. In den Trikots ihrer Lieblingsspieler oder kreativ verkleidet als Zwerg oder Zielscheibe, erlebten rund 4.000 Besucher bereits im fünften Jahr spannende Partien zwischen den bekannten Größen des (Dart)Sports. Auf der Bühne der „Darts-Arena“ lieferten sich die Darts-Stars spannende Duelle.

Weiterlesen

Die Erwachsenengruppe ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.  Foto: privat
13

Remagen. Die Magic Dancers Remagen sind ein traditionsreicher Verein mit Herz, Leidenschaft und einer besonderen Geschichte. Gegründet im Jahr 1993, gingen sie ursprünglich aus einer Aerobic-Gruppe hervor. Über die Jahre entwickelten sie sich stetig weiter und sind seit 2025 als eigenständiger Verein organisiert. Heute stehen die Magic Dancers für Gemeinschaft, Kreativität und tänzerische Vielfalt – und das generationenübergreifend.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel.  Foto:privat
5

Allgemeine Berichte

EIN-Spruch: Fest(e) der Befreiung

Vom 01.-09. April wird die jüdische Pessach Woche begangen, die nahezu zeitgleich zusammenfällt mit der von den Christen begangene Kar- und Osterwoche. Durch Jesus bedingt hängen beide Festtraditionen, auch inhaltlich, miteinander zusammen.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
178

Leserbrief zu „HeimatCheck: Bad Neuenahr: Zu viele unangeleinte Hunde im Stadtgebiet?“

Leserbrief: „Das ist keine Tierliebe, das ist Egoismus!“

Ich bin fast 75 Jahre alt. Seit meinem 17. Lebensjahr habe ich Hunde. Zwei dieser Hunde wurden von unangeleinten Hunden angefallen, und so schwer verletzt, dass sie nur durch hohe tierärztliche Kunst gerettet werden konnten. Beide hatten ihr Leben lang mit den Folgen zu kämpfen.

Weiterlesen

Andreas Bohn hat das Ehrenamt im Blut.  Foto: privat
23

Seit vielen Jahren engagiert sich Andreas mit Herzblut für seine Heimat.

HeimatHelden: Andreas Bohn ist die gute Seele von Reifferscheid

Reifferscheid. In jeder Gemeinde gibt es Menschen, die im Hintergrund wirken, anpacken, zuhören und einfach da sind, wenn man sie braucht. In der Gemeinde Reifferscheid ist so ein Mensch Andreas Bohn. Seit vielen Jahren engagiert sich Andreas mit Herzblut für seine Heimat. Als stellvertretender Ortsbürgermeister und langjähriges Mitglied im Gemeinderat hat er Verantwortung übernommen und die Entwicklung des Dorfes aktiv mitgestaltet.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Rund um´s Haus
Daueranzeige
Anzeige "Rund ums Haus"
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Koblenz blüht 2026
Doppelseite PR/Anzeigen
Rund ums Hause Mayen/Mendig
Tag der offenen Tür
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Stellenanzeige mehrere Stellen
Anzeige KW 14
Osteraktion
Imageanzeige - Ostern
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in