Dokumente aus dem Pfarrarchiv von St. Cyriakus erinnern an Kriegsende vor 80 Jahren
Damaliger Pfarrverwalter Pater Burkhard schilderte spannungsgeladene Tage im März 1945
Mendig. Im Pfarrarchiv von St. Cyriakus erinnern Dokumente an das Kriegsende vor 80 Jahren in Niedermendig. Dankenswerterweise wurden von Heinz Lempertz einige Kopien der Originale, wie zum Beispiel eine Niederschrift von Pater Burkhard, für die Veröffentlichung in Blick aktuell zur Verfügung gestellt. Pater Burkhard, der damals Pfarrverwalter war, hatte die Dokumente gesammelt und aufbewahrt. So erinnert ein verkleinert widergegebener Beschlagnahme-Schein für Zimmer des Pfarrhauses vom 19. März 1945 daran, dass zu diesem Zeitpunkt für Niedermendig der Krieg vorüber war, während andernorts noch die Bomben fielen und bis zum 08. Mai hart gekämpft wurde.
Über das Kriegsende/Einmarsch der Amerikaner schrieb Pater Burkhard wörtlich: „Die letzten geschlossenen deutschen Truppen haben uns am Mittwoch, dem 14. März 1945 verlassen. Am Donnerstag dem 15. 03. waren wir praktisch herrenlos; nur noch einige Nachzügler. Ein deutscher Soldat, der sich ins Pfarrhaus geflüchtet hatte, schlief dort den ganzen Tag – auf Vorrat…
Am Freitagnachmittag (16.03.), etwa gegen 17.00 0der 18.00 Uhr, sah ich von einem Hauseingang der Brunnenstraße aus die ersten zwei bis drei Panzerspähwagen der US-Army durch die Heidenstockstraße fahren. Am Samstag, dem 17.03.1945 wurden wir offiziell besetzt. Es wurde ausgeschellt, dass alle um 17.00 Uhr zu Haus zu sein hätten und zwar bis 10.00 Uhr morgens. Ich erkundigte mich noch bei einem amerikanischen Offizier, der mit seiner Truppe vor dem Amtshaus stand, über diese Situation und ging dann in die Kirche, um –wie an jedem Samstag-Beichte zu hören. Während ich im Beichtstuhl saß, kam ein Soldat mit Stahlhelm und Gewehr und fragte, ob wir / ich Waffen hätte. Ich habe ihm natürlich geantwortet und ging mit ihm in den Turm, um ihn davon zu überzeugen, weiß aber nicht mehr, ob er damit zufrieden war. Wieder im Beichtstuhl kam ein junger offiziersmäßig aussehender Amerikaner, der sich als ‚Episcopal Fieldchaplain‘ (Episkopaler Feldkaplan) vorstellte. Ich ging mit ihm in die Sakristei; er war sehr höflich, liebenswürdig: („Haben Sie viel leiden müssen?“, usw.). Er bat mich dann, am nächsten Morgen (Sonntag, 18. März) im Hochamt die beiden letzten Bänke in der Kirche für die katholischen Soldaten zu reservieren. Diese Begegnung hat einen sehr starken, guten Eindruck auf mich gemacht. So saßen am Passionssonntag in den beiden hinteren Bänken der überfüllten Kirche 10 bis 20 junge US-Soldaten mit dem Gewehr auf dem Rücken (so war die Vorschrift). Meine Predigt hatte als Thema: ‚Danksagung für die Errettung aus aller Gefahr des Krieges und der Glaubensgefährdung und Bitte um die glückliche Heimkehr unserer Soldaten aus Russland und von den anderen Fronten. Unsere Niedermendiger waren zu nervös, um zu kommunizieren, aber die amerikanischen „Boys“ schlichen auf ihren Gummisohlen lautlos durch die Reihen der Gläubigen zur Kommunion, was einen starken Eindruck machte. Allgemeine Stimmung: Erlöst, befreit, Gott-sei-Dank! Wir wären am liebsten jedem Amerikaner um den Hals gefallen. Jedoch wurde kurz nach dem Amt ausgeschellt: „Innerhalb zwei Stunden ist das gesamte Innendorf mit allen Möbeln und Geräten zu räumen.“ Das Pfarrhaus war von dieser Regelung nicht betroffen, doch halfen auch wir beim Möbeltransport und nahmen die Familie des Amtsbürgermeisters Dr. Schwärtzel (der selbst noch im Feld stand) im Pfarrhaus auf. Alle fanden innerhalb von zwei bis drei Stunden eine Unterkunft.
Eine Woche später, am Palmsonntag, bat mich der amerikanische Feldgeistliche, ihm Raum und Zeit für seine Messe zu geben. Ich tat das und ging dann fort. Er ließ mich jedoch zurückholen, damit ich den Soldaten die Beichte abnahm und vor der Kommunion die Generalabsolution erteilte. Die Kirche war gefüllt als die katholischen Amerikaner ihre Osterkommunion hielten; dabei hatten fast alle vor zwei bis drei Wochen zum letzten Mal gebeichtet. Tadellose Fronttruppe! Die Etappentruppen später waren nicht mehr so gut.
In den Wochen vor Ostern hielt ich die Messen und Kreuzwegandachten wie üblich. Unsere Messdiener ministrierten in fehlerlosem, besten Latein. Von den amerikanischen Soldaten, die sagten, sie hätten jedes Wort verstanden, wurden sie bewundert.“ Zum Abschluss seiner Ausführungen schrieb Pater Burkhard: „Im Großen und Ganzen blieb das Verhältnis gut. Die Kinder und auch die ‚Fräuleins‘ wurden gut behandelt!“ FRE
