Der Mittelalterforscher und Bonner Privatdozent Dr. Peter Glasner sprach im Odendorfer Zehnthaus
Drachentöter Siegfried stand im Mittelpunkt
Swisttal-Odendorf. „Heros - Mythos - Antiheld“ unter diesen programmatischen Titel stellte der Mittelalterforscher und Bonner Privatdozent Dr. Peter Glasner den Vortrag, den er am 28. April im Odendorfer Zehnthaus über die Figur des Drachentöters Siegfried hielt.
Gleich eingangs machte Glasner deutlich, dass Siegfried - eine der zentralen Figuren der frühmittelalterlichen Nibelungensage - im Laufe der Jahrhunderte aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln gesehen und beurteilt wurde.
Von den altnordischen Darstellungen, über das stauferzeitliche Nibelungenlied bis zu den Neuerzählungen des 19. und 20. Jahrhunderts wurde er immer wieder mit Attributen versehen, die für die jeweilige Epoche kennzeichnend waren und somit dem Zeitgeist deutlichen Ausdruck verliehen.
Das Publikum nahm der Referent auf eine abwechslungsreiche Zeitreise vom Frühmittelalter bis in die Gegenwart mit.
Zeigte die altnordische Überlieferung Siegfried als archaisch heroischen Helden, so beschrieben die hoch- und spätmittelalterlichen Fassungen des Nibelungenliedes ihn zeitgemäß als höfischen Adeligen. Auch wenn das Nibelungenlied in nur vier Zeilen auf den Drachenkampf eingeht, so wird Siegfried doch bis heute als der unbesiegbare Drachentöter gesehen.
Besonders seit dem 19. Jahrhundert wurde Siegfried vor allem als deutscher Heroe verstanden. Eine Vielzahl von Denkmälern, die ab der Reichsgründung von1871, aber auch nach dem Ersten Weltkrieg errichtet wurden, legen hierüber Zeugnis ab. Der Nationalsozialismus vereinnahmte ihn ebenso für seine Ideologie.
Ausführlich thematisierte Glasner auch die literarische Rezeptions- und Wirkungsgeschichte des Nibelungenliedes. Beginnend mit Karl Simrock, dem ersten Germanistikprofessor an der Universität Bonn, der die „Wiedererweckung“ des Nibelungenlieds zu seinem Lebenswerk machte, schlug er den Bogen über Richard Wagners Verarbeitung des Stoffs zu Oscar Straus´ burlesker Operette Die lustigen Nibelungen (1904) - eine Parodie auf Militarismus und Germanentümelei.
Nicht unerwähnt blieben die Bayreuther Wagner- sowie die Wormser Nibelungen-Festspiele, die immer wieder neue Varianten und Interpretationen des mittelalterlichen Epos präsentieren.
So folgerte der Referent, dass man auch heute nur schwerlich an Siegfried und den Nibelungen vorbeikommt und machte augenzwinkernd noch darauf aufmerksam, dass man Siegfried seit einiger Zeit unter dem Namen Siegfried Rheinland Dry Gin auch trinken kann.
