EIN-Spruch: Fest(e) der Befreiung
Vom 01.-09. April wird die jüdische Pessach Woche begangen, die nahezu zeitgleich zusammenfällt mit der von den Christen begangene Kar- und Osterwoche. Durch Jesus bedingt hängen beide Festtraditionen, auch inhaltlich, miteinander zusammen.
Bei allen Unterschieden teilen sie die Überzeugung, das Gott sich der Menschen annimmt, indem er der von Menschen gemachten Unterdrückung nicht gleichgültig gegenübersteht, sondern befreiend wirkt.
Glaubende Juden und Jüdinnen erinnern an Pessach des Auszugs Israels aus dem Sklavenhaus Ägyptens. Gottes Machttat der Befreiung wird derart erinnert, dass es sich nicht in einem geschichtlichen Zurückblicken erschöpft, sondern in der rituellen Feier zu einem vergegenwärtigenden Erinnern wird, das auch die jetzt Lebenden miteinschließt. So erfährt die von Gott gewirkte Befreiung auch heute Bedeutung für den persönlichen Glauben und die eigene Lebenspraxis.
Weil Menschen, gleich welchen Bekenntnisses, unterschiedliche Zwänge erleben wie Ausbeutung und Fremdbestimmung in Arbeitszusammenhängen oder sich gesellschaftlichen Entwicklungen ausgesetzt sehen, die durch zunehmende Digitalisierung und Automatisierung, Menschen zur Nummer herabwürdigen, erhält die erfahrene Unterdrückung reale Züge. Auch politische Entscheidungen, die immer wieder Kriege und Krisen provozieren und nicht selten den einzelnen mit der ganzen Wucht persönlicher Ohnmacht konfrontieren, gehören dazu; von den persönlichen Zwängen, die ein jeder hat, ganz zu schweigen. Der Mensch erlebt sich nicht selten als in Strukturen und Mechanismen gefangen, die ihn von sich selbst und dem Nächsten entfremden. So gesehen tut es not, Feste der Befreiungstat Gottes zu feiern, die den Blick weiten über die erfahrenen Zwänge hinaus. Befreit auf jene neue Gestalt des Menschen, die ihn zu einer Echtheit in Mitmenschlichkeit, Güte und Verantwortung für den Nächsten und die Schöpfung befähigt, wird alle Be- und Entfremdung überwunden. Dies gilt es lebenslang einzuüben, in Festen regelmäßig zu begehen, damit es nicht vergessen wird.
Pessach wie Ostern sind Feste, die Gott zutrauen, dass er dies wirklich wirkt. Wo Menschen sich ihm anvertrauen und dies durch die religiösen Feste, die sie begehen ,wirkmächtig zum Ausdruck bringen, da gewinnt Freiheit Kontur!
Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel, Kooperator im Pastoralen Raum Bad Neuenahr-Ahrweiler.
Seit April 2019 in der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler als Seelsorger tätig.
Dies ist ein Beitrag der katholischen Kirche in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
