Jubiläum „40 Jahre Schwangerenberatung der Caritas Ahrweiler“
„Ein besonderes Jubiläum in einer schnelllebigen Zeit“
Bad Neuenahr. Der Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr e.V. in Ahrweiler hatte zu seinem Jubiläum ins „Evangelische Gemeindehaus“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler eingeladen und viele Gäste waren gekommen. Nach einem kurzen Stehempfang mit angeregten Gesprächen bat Mechthild Haase, die die Jubiläumsveranstaltung moderierte, der Gäste ihre Plätze einzunehmen, um den Stimmen von fünf Mädchen der Musical-Gruppe der Realschule Calvarienberg unter Leitung von Gerald Charlier zu lauschen. Gerald Charlier sagte nach dem Lied „Take my life“, er sei froh, dass die Schule mit den beiden Liedbeiträgen etwas an die Caritas, die die Schule bisher ganz hervorragend mit ihren Präventions-Informationsangeboten zum Thema Sexualpädagogik unterstützt hat, zurückgeben kann.
Grußwort von Richard Stahl
Es folgte das Grußwort des Geschäftsführers des Caritasverbandes Rhein-Mosel-Ahr, Richard Stahl. Er bedankte sich bei den anwesenden Wegbegleitern aus Kirche, Politik, Verwaltung und Gesellschaft für deren Kommen und die langjährige gute Zusammenarbeit. 40 Jahre, das ist in dieser schnelllebigen Zeit ständiger Veränderungen nicht selbstverständlich. „Ich habe das Gefühl, dass unsere Zeit nicht gerade von Kontinuität geprägt ist und sich viele Dinge um uns herum in ständiger Veränderung befinden. Alles geht wahnsinnig schnell bei uns. Selbst in der Sozialen Arbeit merken wir, dass in den letzten Jahren einige Stellen eher projekthaften, befristeten Charakter haben und auch hier eine kontinuierliche Arbeit nicht immer möglich ist. Da ist es schon etwas Besonderes, wenn eine Institution wie die Schwangerenberatung der Caritas Ahrweiler 40 Jahre besteht. Heute möchten wir mit Wegbegleitern und Fachleuten einmal zurück- und vorausschauen und etwas zusammen feiern.“ Mit dem Blick nach vorne ging Richard Stahl exemplarisch auf die beiden Themenbereiche „Digitalisierung“ und „Sozialraum-Orientierung“ ein. Zum Bereich der Digitalisierung konstatierte er, dass man in den von jungen Menschen genutzten Kanälen präsent sein muss und hinsichtlich der sozialen Räume gab er zu verstehen, dass man die Menschen begleiten muss, wenn sie sich in ihrer Welt alleine fühlen. Es liegt in diesen Feldern noch ein großer Weg vor den Mitarbeitern der Schwangerenberatung, er bewertet sie aber als gut gerüstet. Abschließend bedankte er sich ganz besonders bei seinen bisherigen und aktuellen Mitarbeiterinnen für deren geleistete Arbeit mit den Worten „Sie können sehr stolz auf das Geleistete sein“.
Der Kreisbeigeordnete Friedhelm Münch gratulierte im Namen des Landrats Dr. Pföhler und beschrieb die Arbeit der Mitarbeiterinnen in der Schwangerenberatung als bedeutsam für die Gesellschaft. Eine Schwangerschaft ist ein tiefgreifendes Ereignis und insbesondere in der heutigen Zeit ist eine kompetente Beratung sehr wichtig. Mit viel Verständnis und Einfühlungsvermögen zeigen die Mitarbeiterinnen den Betroffenen Perspektiven auf. Münch betonte, dass der Kreis sich der Verantwortung wohl bewusst sei und daher ihre Arbeit mit jährlich 55.000 Euro unterstütze und schloss mit den Worten: „Wie viele Kinder sind heute als wertvolle Mitglieder der Gesellschaft am Leben, die es sonst vielleicht nicht geschafft hätten, damit sind Sie auch Lebensretter“.
Einem bravourös gesungenen Solo „Wie schön du bist“ von Sarah Connor folgte stürmischer Applaus der begeisterten Zuhörer für die Schülerinnen der Realschule, die anschließend mit ihrem Schul- und Chorleiter wieder in Richtung Schule „abzogen“.
Eine kleine Zeitreise
Mechthild Haase forderte die Gäste nun zu einem „radikalen Richtungswechsel“ auf. Die Gäste sollten sich mit ihren Stühlen um 180 Grad drehen, um in den folgenden Minuten einer „kleinen Zeitreise“ zu folgen. Die Mitarbeiterinnen der Schwangerenberatung hatten an der Rückwand des Raums unter der Überschrift „Von der Historie bis zur Gegenwart - 40 Jahre Schwangerenberatung“ mit bunten Karten die vielen Veränderungen von 1869 bis heute in allen Lebensbereichen umfassend dargestellt. In einer kurzen Präsentation wurden die wesentlichen Aspekte im familiären und kirchlichen Bereich sowie in der Gesetzgebung plakativ erläutert.
Da die Organisatoren der Veranstaltung „wussten“, in welch guter Stimmung die Gäste sein würden, hatte man sich dazu entschlossen mit „alkoholfreiem“ Sekt auf das Jubiläum anzustoßen, was von allen mit einem Lächeln „belohnt“ wurde.
„Alleinerziehend - allein gelassen!?
Nach dieser kurzen „Pause“ fesselte Henriette Katzenstein, Dipl. Psychologin und Supervisorin aus Neckargmünd zum Abschluss der Jubiläumsfeier die Zuhörer mit ihrem Fachvortrag „Alleinerziehend - allein gelassen!?“ Wie sehr sie die bisherige Arbeit der Ahrweiler Beraterinnen wertschätzt, konnte man aus ihrer Äußerung heraushören, dass, wenn sie noch einmal schwanger würde und damit als Alleinerziehende klarkommen müsse, sollte es hier in Ahrweiler geschehen, da hier sehr kompetente und motivierte Beraterinnen für die Betroffenen arbeiten. Sie zeigte mit ihrem Vortrag auf, welche Faktoren in der heutigen Zeit auf die „Allein Erziehenden“ einwirken, mit welchen Rahmenbedingungen diese oft zu kämpfen haben. „Ein-Eltern-Familien, in denen es zu fast 90 Prozent immer noch Frauen sind, die ihre Kinder erziehen, beziehen in weit überdurchschnittlicher Anzahl SGB II-Leistungen oder sind von Armut betroffen. Die Zahlenangaben variieren je nach Armutsindikator und Berechnung. In einer Übersichtsgrafik weist der Armuts- und Reichtums-Bericht der Bundesregierung etwa die Hälfte der Ein-Eltern-Haushalte und damit über eine Million Kinder als armutsgefährdet. Die Armutsrisikofaktoren bei Frauen, die allein erziehen, addieren sich auf. Kinder allein zu erziehen, kann das Risiko verschärfen, das durch niedrige Bildung, mangelnde Erwerbserfahrung, Fehlen an Unterstützungsnetzwerken und gesundheitlichen / psychischen Belastungen auch bei Familien oder Personen, die alleine leben, gegeben sein kann. Zudem erschwert die Situation, allein zu erziehen, es erheblich, Bildungsnachteile aufzuholen oder für die eigene Gesundheit zu sorgen, sodass eine Art Teufelskreis der schlechten Ausgangslage und Überforderung entstehen kann. Andererseits ist bei der Gruppe der Frauen, die ihre Kinder allein erziehen, häufig eine hohe Motivation vorhanden, aus Armut und ALG II Bezug herauszukommen und ein ausreichendes oder sogar gutes Einkommen zu erwirtschaften.“ Die Beratung bei finanziellen Fragen ist daher eine sehr wichtige, aber eben nicht die einzige Säule, ganz wesentlich kommt es auch darauf an, den Betroffenen Wege aufzuzeigen, die Menschen dabei zu begleiten, ihr Leben selbstständig in die Hand zu nehmen, in einer guten Nachbarschaft mit anderen Menschen zu leben und ihnen von Seiten der vernetzten Profis da Hilfestellung anzubieten wo sie alleine nicht mehr weiterkommen, dabei auch die Motivationslage zu verbessern, das notwendige Selbstvertrauen zu erzielen und dadurch die Rahmenbedingungen für ihr Familienleben besser in den Griff zu bekommen.
Henriette Katzenstein leitete am Ende ihres Vortrags über zu von dem Organisationsteam vorbereiteten drei Stellwänden, an denen die Gäste nach kurzem Brainstorming ihre Impulse und Ideen zu den Bereichen „Was gibt es schon für Ein-Eltern-Familien“, „Wie könnte Unterstützung von Ein-Eltern-Familien im Kreis weiterentwickelt werden“ und „Themen, Ideen, Orte“ anheften sollten. Zum Ausklang folgte die weitere „Vernetzung“ der Fachleute und Unterstützer am Büffet.
Weitere Informationen zur Schwangerenberatung:
http://www.caritas-ahrweiler.de/schwangere.htm
Interessante Fachvorträge rundeten das Jubiläum ab.
Die Gäste konnten sich auf eine kleine Zeitreise begeben.
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