Allgemeine Berichte | 26.10.2023, 14:49 Uhr

Realisierungswettbewerb „Brückenschlag Bad Neuenahr-Ahrweiler“

Entwürfe für die Neubauten von Kurgarten- und Casinobrücke präsentiert

Modellentwurf von Schlaich Bergermann Partner aus Stuttgart mit Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, Berlin (Platz 1 beim Wettbewerb „Brückenschlag Bad Neuenahr-Ahrweiler).

Modellentwurf von Schlaich Bergermann Partner aus Stuttgart mit Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, Berlin (Platz 1 beim Wettbewerb „Brückenschlag Bad Neuenahr-Ahrweiler).

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Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die stadtbildprägenden Brückenbauwerke „Kurgartenbrücke“ und „Casinobrücke“ samt deren umgebende, öffentliche Straßen, Freiräume und Uferzonen sind besondere Wiederaufbauprojekte der Kreisstadt nach der Flutkatastrophe 2021. Organisiert durch die Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler, gab es hierzu einen offenen, zweiphasigen Realisierungswettbewerb „Brückenschlag Bad Neuenahr-Ahrweiler“ zur Planung der entsprechenden Ersatzneubauten. Von den Teilnehmern des Wettbewerbs wurden Lösungen erwartet, die sich gestalterisch mit dem spezifischen Thema des Bauens im historischen Kontext und der Einfügung in den Landschaftsraum des Ahrtals auseinandersetzen. Proportionen, Material, Form- und Farbgebung sollten dem bedeutsamen Ort und der Funktion als Brückenbauwerke angemessen sein. Von besonderer Relevanz ist dabei die Ausarbeitung der Konstruktion des Tragwerks und der Untersicht der Brückenbauwerke sowie der Ausstattung der Brücken in Gestaltdetails wie Geländern, Bodenbelägen und Farbgebung. Im Zuge des Projekts sollen auch die Einmündungen in die Telegrafenstraße und die Poststraße neugestaltet werden. Die Zielplanung sieht vor, die Kurgartenbrücke im Alltag für den Kfz-Verkehr zu öffnen und im Bedarfsfall mit Pollern zu schließen. Feuerwehr und Rettungsdienst würden mit entsprechenden Zugangsberechtigungen ausgestattet.

14 eingereichte Entwürfe aus Deutschland und Europa

Darüber hinaus gehört der ingenieurtechnische Vorentwurf für die Ufermauern- und Befestigungen im Teilbereich des Realisierungsteils zum Projekt. Insgesamt 14 Planungen von Ingenieur- und Architekturbüros, unter anderem aus München, Hamburg, Essen, Darmstadt, Osnabrück, Mainz, Köln, Kassel, Erfurt und sogar aus Amsterdam und Paris wurden eingereicht – in einem Wettbewerb, der durchaus als interdisziplinär bezeichnet werden kann. Denn neben Architekten waren auch Landschaftsarchitekten, Fachingenieure und Brückenau-Spezialisten gefragt, die jeweils im Team agieren mussten. Nach einer ersten Vorauswahl im Juni dieses Jahres, wurden aus den sechs verbliebenen Teilnehmern schließlich die Preisträger ermittelt und kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellt. Hierfür zuständig war eine 39-köpfige Preisrichter-Jury, bestehend aus Sachverständigen, Mitgliedern aus den Fraktionen des Stadtrates sowie Vertretern der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft.

Einstimmige Beschlussfassungen der Jury

„Es gab am Ende einstimmige Beschlussfassungen der Jury, die Grundlage unserer Arbeit sind. Besonders wichtig war uns auch die wissenschaftliche Begleitung, ebenso wie die Berücksichtigung der Strömungen in der Stadt. Es ist für uns ein gewisser Meilenstein, weil es ein Herzstück der zukünftigen Stadtentwicklung und auch für unsere Aufgabe selbst ist“, sagte Hermann-Josef Pelgrim, Geschäftsführer der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft, der der Stadt und den Zuwendungsgebern ausdrücklich dafür dankte, dass alles in Form eines Wettbewerbs umgesetzt werden konnte. Als Sieger eben jenes Wettbewerbs konnte sich der Entwurf von Schlaich Bergermann Partner aus Stuttgart mit Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, Berlin durchsetzen. Dieses Konzept sieht zwei Boulevards vor – den Ahrboulevard in der Lindenstraße und Georg-Kreuzberg-Straße sowie die Kurgartenpromenade, die jeweils zentral auf den Platz an der Martin-Luther-Kirche zu-fluchten. Dieser Platz war für die Planer besonders wichtig, weil von dort aus sternförmig die Stadt erkundet werden kann. Mit Gastronomie-Möglichkeit und verschiedenen Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten wurde auch der soziale Aspekt berücksichtigt.

Unterschiedliche Tragwerk- Konzepte bei den Brücken

Die Kurgartenbrücke ist in robuster Tiefgründung als Stahlvariante konzipiert. Zudem bietet die Gestaltung hier in Form einer langen Sitzbank eine überaus interessante Aufenthaltsmöglichkeit. Die Casinobrücke soll optisch anders mit tragendem Geländer und aus wetterfestem Stahl als anhebbare Hubbrücke erstellt werden. Zusätzlich wird die Tragwirkung durch einen schlanken Untergurt aus Quadratrohren sowie Ausfachung durch gelochte Cortenstahlplatten realsiert. Das alles überzeugte auch die Jury, die den „angemessenen Umgang mit der Uferzone, die zurückhaltende Formensprache und die direkten, klaren Brückenpositionierungen“ lobte. „Wir freuen uns wahnsinnig, den ersten Preis gemacht zu haben. Was uns bewegt hat war die Frage ‚wie bringt man Bad Neuenahr wieder an die Ahr?‘. Gleichzeitig wollten wir eine klassische Gestaltung schaffen, die gut altert. Mit Robustheit, Pragmatismus und hochwertiger Materialität“, so Martin Schmitz vom Atelier Loidl. „Es waren spannende Tage und Stunden mit sehr guten Entwürfen. Wir sind froh, dass wir gute Lösungen und namhafte Preisträger haben“, zeigte sich auch Bürgermeister- und Jurymitglied Guido Orthen sichtlich zufrieden mit dem Wettbewerbsverlauf. Der Siegerentwurf, aber auch die weiteren Entwürfe sind für die Bürgerinnen und Bürger noch bis zum 3. November in den Räumlichkeiten der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft (Hauptstraße 136a) zu besichtigen.

Modellentwurf von Schlaich Bergermann Partner aus Stuttgart mit Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, Berlin (Platz 1 beim Wettbewerb „Brückenschlag Bad Neuenahr-Ahrweiler).

Modellentwurf von Schlaich Bergermann Partner aus Stuttgart mit Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, Berlin (Platz 1 beim Wettbewerb „Brückenschlag Bad Neuenahr-Ahrweiler).

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