Allgemeine Berichte | 26.02.2018

Ahr-Rotweintag lockte mit aktuellen Fachthemen

Erste Erfahrungen mit Sprühdrohnen zum Pflanzenschutz sind erfolgversprechend

Im Dagernova Culinarium in Dernau informierten sich die Winzer über Entwicklungen beim Pflanzenschutz

Beim Rotweintag der Ahr im Culinarium der Dagernova ging es unter anderem um den Einsatz von Sprühdrohnen beim Pflanzenschutz in den Weinbergen der Ahr. Jost

Dernau. Einmal mehr gut besucht war der Rotweintag der Ahr im Dagernova Culinarium in Dernau, der vom Weinbauverband Ahr, dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Mosel (DLR), dem Ahrtal-Tourismus, dem Ahrwein e.V. sowie dem Weinbauversuchsring Ahr gemeinsam veranstaltet wird. Dabei standen wieder einige interessante fachliche Themen auf der Tagesordnung.

Doch zunächst begrüßte der Präsident des Weinbauverbandes Ahr, Hubert Pauly, die Gäste, darunter Ahrweinkönigin Irena Schmitz und der Landtagsabgeordnete Horst Gies in seiner Eigenschaft als Kreisbeigeordneter. „Die Winzer der Ahr sind sehr gut anerkannt in Deutschland, das beweisen auch die zahlreichen Prämierungen und Auszeichnungen der vergangenen Jahre“, freute sich der Präsident. Mittlerweile seien die Rotweine von der Ahr sogar in die Weltspitze aufgerückt und müssten sich vor niemandem verstecken. Das solle auch in Zukunft zu bleiben, weshalb man gemeinsam noch mehr für die Umwelt und die Nachhaltigkeit tun wolle.

Winzer sollen vermehrt Blühstreifen anlegen

So werden im April wieder die Pheromonfallen an der gesamten Ahr ausgehängt, eine sehr schonende Methode der Schädlingsbekämpfung. Außerdem rege er die Kollegen an, in ihren Weinbergen oder an den Rändern vermehrt Blühstreifen anzulegen. Wettermäßig werde man sich auch in Zukunft wohl verstärkt mit Extremen auseinandersetzen müssen, wie es im vergangenen Jahr mit dem Spätfrost im April geschehen sei.

In Zusammenhang mit den Weinfesten an der Ahr hatte er aber auch kritische Anmerkungen. So stelle er immer wieder fest, dass insbesondere junge Besucher erst sehr spät die Veranstaltung besuchten, dann aber schon mit harten Spirituosen ordentlich „vorgeglüht“ hätten und dann ein schlechtes Bild abgäben, was wiederum auf den Wein zurückfalle. „Wir müssen den jungen Leuten beibringen, Wein vernünftig und verantwortlich zu genießen, denn nur dann macht es richtig Freude.“

Positive Entwicklung in den vergangenen Jahren

Horst Gies dankte besonders den Weinmajestäten, die den Ahrwein weltweit repräsentieren und bekannt machen. Auch er bestätigte dem Ahrwein eine positive Entwicklung in den vergangenen Jahren, „es lohnt sich, hier weiter zu arbeiten“, spornte er die Winzer an. Tage wie der Rotweintag würden dabei helfen, die Probleme der Gegenwart und Zukunft zu bewältigen.

Eric Lentes, Pflanzenschutzexperte beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR), beschäftigte sich mit dem Thema „Pflanzenschutz“ und gab einen Rückblick auf das vergangene Jahr sowie einen Ausblick auf die Strategie für 2018. Das Jahr 2017 habe den Berufsstand wieder vor allerhand Herausforderungen gestellt, die Phase der Spätfröste Ende April habe die ganze Vegetationsperiode bestimmt. Aufgrund eines sehr warmen März hätten die Reben sehr früh am 9. April ausgetrieben, und während der 2. Aprilhälfte kam es zu diversen Spätfrösten mit Temperaturen bis zu minus 5 Grad und mehreren schlaflosen Nächten für die Winzer. „Typische Frostlagen wie Senken oder Staubereiche waren deutlich stärker betroffen als besser exponierte Steillagen“, wusste Lentes. Einzig wirklich zielführende Gegenmaßnahme sei eine fest installierte Überkopfbedeckungsanlage. Immerhin habe man durch weinbauliche Maßnahmen die aus dem Frost resultierende Fäulnisgefahr reduzieren können.

Oidium-Bekämpfung nicht zu früh einstellen

2017 habe sich auch Oidium gezeigt, dessen Bekämpfung dürfe nicht zu früh eingestellt werden, mahnte er. Wenn während des Triebschnitts Oidiumfiguren am Holz festgestellt würden, müsse frühzeitig eine Bekämpfung mit Netzschwefel stattfinden. Dafür stünden mehrere neue Präparate zur Verfügung. Darüber hinaus solle bei jeder Spritzung ein Mittel mit Wirkung gegen die Schwarzfäule eingesetzt werden.

Für jeden Betrieb, der die Steillagenförderung in Anspruch nehme, sei eine neue Liste der genehmigten Pflanzenschutzmittel versendet worden, diese sei für die betroffenen Betriebe verbindlich, machte der Experte deutlich. Abgesehen davon gelte die neue Düngerverordnung auch für den Weinbau, sie bedeute vereinfacht gesagt, dass nur nach Bedarf gedüngt werden dürfe. Die Nährstoffflüsse müssten von Betriebsleiter bilanziert und dokumentiert werden.

Sprühung mit Drohnen bietet zahlreiche Vorteile

Freimut Stephan vom DLR berichtete über den ersten praktischen Erfahrungen beim Sprühdrohneneinsatz 2017. Er erinnerte daran, dass die Geschichte der unbemannten Hubschrauber im Pflanzenschutz schon 25 Jahre zurückgehe. Damals hatte die japanische Landwirtschaft Probleme mit der Überalterung der Erwerbsbevölkerung sowie einem Mangel an Betriebsnachfolgern. Eine Lösung, den Arbeitseinsatz auf den Reisfeldern zu reduzieren, habe man damals im Einsatz von unbemannten Hubschraubern im Pflanzenschutz gesehen. Da der deutsche Steillagenweinbau heute mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen habe, arbeite das DLR Mosel seit 2010 an dieser Problematik.

Diese Technik biete zahlreiche Vorteile. Es gebe keine Bodenerosion, die Applikation könne zielgenau erfolgen, es gebe nur eine geringe Abdrift der eingesetzten Mittel und eine niedrige Lärmbelastung der Umwelt. Außerdem sah Stephan ein geringeres Gefährdungspotenzial für Anwender und Umwelt sowie die schnelle und flexible Einsetzbarkeit bei niedrigen Betriebskosten und einer geringen Investitionssumme. In den kommenden drei Jahren werde das DLR Mosel im Rahmen des Projektes „BoiuKH“ die anwendungstechnische Eignung, die biologische Wirksamkeit, die sowie die arbeitswissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Aspekte des Verfahrens untersuchen. Ziel sei die Anpassung der Rechtslage an die Notwendigkeiten beim Einsatz von Drohnen als Pflanzenschutzgeräte. Erfreulicherweise finanziere das Bundeslandwirtschaftsministerium das Projekt.

Drei Flurbereinigungs- maßnahmen laufen

Zum Stand der Dinge beim Steillagenkonzept Ahr gab Sebastian Turck vom DLR Westerwald-Osteifel Auskunft. Dabei bemerkte er, dass die Weinbergflurbereinigung an der Ahr bereits eine Geschichte von rund 70 Jahren aufweise. Rund 90 Prozent der Weinbaufläche im Anbaugebiet habe eine Flurbereinigung durchgemacht oder sei im Moment dabei. Neun Projekte seien mittlerweile abgeschlossen, drei laufen aktuell in Mayschoß und Walporzheim. Mit dem 2005 erarbeiteten Steillagenkonzept Ahr sei ein ganzheitliches Entwicklungskonzept für den Weinbau an der Ahr erstellt worden. Es bilde den programmatischen Rahmen für das DLR, gerade auch im Hinblick auf weitere Flurbereinigungsprojekte. Noch nicht flurbereinigte Flächen lägen vor allem in Teilen von Dernau, Rech und Mayschoß sowie in Reimerzhofen. Diese würden vom DLR mittelfristig in den Fokus der Planungen aufgenommen. Sogenannte Zweitbereinigungen, also solche in bereits bereinigten Gebieten, seien aufgrund der aktuell guten Rahmenbedingungen an der Art derzeit nicht vordringlich.

JOST

Beim Rotweintag der Ahr im Culinarium der Dagernova ging es unter anderem um den Einsatz von Sprühdrohnen beim Pflanzenschutz in den Weinbergen der Ahr. Foto: Jost Foto: Photographer: Volker Jost Auf de

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