Allgemeine Berichte | 04.10.2021

Andy Neumanns Buch „Es war doch nur Regen!?“ ist jetzt im Buchhandel erhältlich

Erstes Buch zur Ahrtal-Flut ist erschienen

Autor und Verlag spenden alle Erlöse an Flutbetroffene

Andy Neumann. Foto: Axel Hausberg

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Flut im Ahrtal ist noch keine drei Monate her und schon steht das erste Hochwasser-Buch in den Regalen. Ein Thriller oder Roman ist das Werk des Ahrtaler Autors Andy Neumann aber nicht. Vielmehr verarbeitet er seine eigenen Eindrücke. Das Beste daran: Die Erlöse von Neumanns Werk „Es war doch nur Regen?!“ kommen den Flutbetroffenen des Ahrtals zu Gute. BLICK aktuell traf sich nun mit Andy Neumann zum Interview.

BLICK aktuell: Das Buch „Es war doch nur Regen?!“ erscheint Anfang Oktober – um was geht es?

Andy Neumann: „Es war doch nur Regen!?“ ist ein extrem persönliches Buch. Es beinhaltet nichts weiter als meine Erfahrungen und Eindrücke vom Abend des 14. Juli an bis zum Zeitpunkt einen Monat später, an dem ich für mich und das Buchprojekt einen cut gemacht habe. Ich schildere im Buch, was mir und meiner Familie passiert ist, wie es uns damit ging, welche Schwierigkeiten wir zu überwinden hatten, wie nah Enttäuschung und Motivation oft beieinander lagen, wie ein einziger Tag von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt enthalten konnte. Also all das, was tausende hier im Tal vielleicht ähnlich erlebt haben, alle jedoch in anderen Facetten und anderer Intensität. Mir ist sehr wichtig zu betonen, dass meine Geschichte, bei allem, was uns zu schaffen gemacht hat, ganz sicher nicht mit denen verglichen werden kann, die vielleicht niemand je aufschreiben wird. Was es hier im Tal an Leid gab, ist und bleibt für mich unermesslich, da zerreißt es mir jedes Mal das Herz, sobald ich auch nur an manches Einzelschicksal denke.

BLICK aktuell: Die Flut ist keine drei Monate her. Wie schafft man es, so schnell ein Buch zu verfassen?

Neumann: Ganz ehrlich? Keine Ahnung! Mein erstes Buch hat drei Jahre gebraucht, das zweite sieben Wochen, bis ich fertig war. Dabei hat natürlich geholfen, dass vieles an Text bereits durch mein Fluttagebuch auf Facebook existierte. Und alles weitere schreib sich, im Gegensatz zu einer fiktiven Geschichte, dieses Mal quasi „einfach so runter“. Wären mein Verlag und insbesondere Claudia Senghaas als Lektorin nicht so schnell gewesen, hätte es aber trotzdem deutlich länger gedauert. Frau Senghaas schickte mir ihre Korrekturen manchmal sonntagmorgens um 02:00 Uhr, sie hatte also ganz sicher auch keine leichte Zeit!

BLICK aktuell: Wie und wann kam Ihnen die Idee zu dem Buch?

Neumann: Das war zunächst gar nicht meine Idee. Mir schrieben einige Menschen, die meine Berichte auf Facebook verfolgten, nach und nach, dass es toll wäre, diese in einem Buch zu verarbeiten. Irgendwann dachte ich „Wieso eigentlich nicht?“, obwohl ich zu dieser Zeit den Kopf (und die Hände!) randvoll hatte mit anderen, wichtigeren Dingen. Ich rief den Marketingchef meines Verlages Gmeiner an und fragte ihn, was er davon halten würde. Meine Bedingung war, dass nicht nur ich, sondern auch der Verlag auf den Gewinn verzichtet und wir das Geld klugen Zwecken hier an der Ahr zukommen lassen. Er war sofort begeistert, nannte mir dann aber ein Zeitfenster, das sportlich war, nämlich Anfang September. Ich muss sagen, für mich selbst hätte ich mir diesen Druck damals nicht angetan. Jetzt freue ich mich einfach, dass es geschafft ist, und hoffe auf starke Umsätze, damit wir einiges an Geld zusammenbekommen.

BLICK aktuell: Richtet sich das Buch nur an Menschen aus dem Ahrtal?

Neumann: Ich würde sagen, es richtet sich noch stärker an alle anderen. Selbstverständlich freue ich mich, wenn die Menschen hier im Tal das Buch lesen und ich ihnen auch nur einen Funken Freude, Hoffnung oder auch nur Entspannung damit bescheren kann. Noch wichtiger ist aber, dass Menschen im ganzen Land das Buch lesen, um das Ahrtal und uns alle hier im Bewusstsein zu halten. Wir spüren doch, dass das mediale Interesse nachlässt, auch die Helfer langsam den Drive verlieren, und doch bleibt so vieles zu tun. Es ist daher mein erklärtes Ziel, die Schicksale der Menschen an der Ahr noch sehr lange im ganzen Land greifbar zu machen. Dann hätte ich gleich zwei Ziele erreicht, dieses und die Spenden aus dem Verkaufserlös. So blöd das klingt, aber das Beste, was passieren könnte, wäre, wenn das Buch komplett durch die Decke ginge. Dann hätte ich das Maximum an „Bühne“, und zwar wirklich über Monate hinweg.

BLICK aktuell: Die Erlöse aus den Verkäufen werden gespendet – wie kommen die Spenden im Ahrtal an?

Neumann: Das ist leicht: Über den Verlag auf mein Konto! Ich habe, wie sehr viele Menschen, mit denen ich gesprochen habe, eine ziemlich deutliche Meinung zu den Spendengeldern, die größeren Organisationen zukamen. Für mich war daher klar: Wenn, dann muss es um ganz gezielte Aktionen und Projekte hier im Tal gehen, die man direkt unterstützt. Da wir in Ahrweiler leben, habe ich zunächst mit Bürgermeister Guido Orthen telefoniert, der mir anbot, mich als Sponsor am generationenübergreifenden Kulturprogramm zu beteiligen, das in Begegnungsstätten geplant ist, die in der Stadt in den kommenden Wochen entstehen werden. Darüber hinaus habe ich über Dechant Jörg Meyrer Kontakt zu einer privaten Initiative aufgenommen, die eine solche Begegnungsstätte auf dem Marktplatz Ahrweiler schon seit kurz nach der Flut am Laufen hält und aktuell ebenfalls plant, eine dauerhafte Einrichtung zu schaffen. Das Konzept ist gerade in der Erstellung, aber auch dort kann ich mir sehr gut eine finanzielle Beteiligung vorstellen; vielleicht lassen sich über frühzeitige Abstimmung ja auch Synergien erzeugen. Schließlich würden mir Renaturierungsprojekte sehr am Herzen liegen. Meine Frau ist Biologin, da wird man schnell sensibel für die Spuren, die die Flut auch in der Natur hinterlassen hat. Leider ist es sehr schwer, etwa an Grundstücke zu kommen, die man für naturnahe Kinder- und Jugendspielplätze oder ähnlich sinnvolle Aktionen pachten könnte. Auch solche Möglichkeiten würden mich aber reizen, zumal mich absolut fertig macht, wie schnell wieder Versiegelungsprojekte im großen Stil um- oder fortgesetzt werden, als hätten wir rein gar nichts gelernt! Mein Problem ist, dass sich noch nicht absehen lässt, wie viel Geld am Ende zur Verfügung stehen wird. Der Verlag möchte sich bis zum 20.000 verkauften Exemplar beteiligen, was ich sehr großzügig finde. Sollten die allen Ernstes verkauft werden, wäre das ein Riesenerfolg, und wir würden einen satten fünfstelligen Betrag zur Verfügung stellen. Damit lässt sich schon was anfangen. Ich werde in jedem Fall intensiv dazu berichten, was mit dem Geld passiert, und freue mich natürlich, wenn Sie mich mit dem Blick auch dabei unterstützen. ROB

Quelle: Gmeiner Verlag

Quelle: Gmeiner Verlag

Andy Neumann. Foto: Axel Hausberg

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