Allgemeine Berichte | 06.10.2025

Bürgermeister Jung erinnert an Vermächtnis des Mauerfalls und appelliert an Zusammenhalt der Gesellschaft

Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit

Mit der Nationalhymne am Denkmal für die Deutsche Einheit endet die Feierstunde, im Vordergrund von links: der künftige Bürgermeister Sven Schnieber, die stellvertretende Landrätin Notburga Kunert, der Bundestagsabgeordnete Dr. Norbert Röttgen, die Ehrenbürgerin Erika Meyer zu Drewer und Bürgermeister Holger Jung. Foto: Stadt Meckenheim

Meckenheim. 35 Jahre nach der Wiedervereinigung hat die Stadt Meckenheim den Tag der Deutschen Einheit mit einer Feierstunde begangen. Zahlreiche Gäste hatten sich im Ratssaal eingefunden, darunter Bundestagsmitglied Dr. Norbert Röttgen, die Ehrenbürgerin Erika Meyer zu Drewer, die stellvertretende Landrätin Notburger Kunert, Altbürgermeister Bert Spilles und der zukünftige Meckenheimer Bürgermeister Sven Schnieber. Bürgermeister Holger Jung würdigte in seiner Ansprache die Leistung der damaligen DDR-Bürgerinnen und -Bürger, die durch ihren friedlichen Protest die Mauer zu Fall gebracht hatten. Als „gelebte Einheit“ und „Vereinigung“ auf kommunaler Ebene hobt Jung die Städtepartnerschaft mit Bernau bei Berlin hervor, während sein Amtskollege André Stahl per Videobotschaft herzliche Grüße aus Bernau übermittelte. In Zeiten des inner- und weltpolitischen Wandels appellierte der Bürgermeister, den Geist der Einheit lebendig zu halten und sich aktiv für eine offene, friedliche und demokratische Gesellschaft einzusetzen. Schülerinnen des Konrad-Adenauer-Gymnasiums bereicherten mit ihrem Beitrag die Festveranstaltung ebenso wie das Bonner Saxophon-Ensemble. Mit der Nationalhymne am Denkmal für die Deutsche Einheit und einem Umtrunk endete die Feierstunde anlässlich des Tages der Deutschen Einheit.

„Der heutige Tag ist ein Feiertag, ein Tag des Erinnerns, des Dankes und des Nachdenkens über unsere gemeinsame Geschichte und unsere Zukunft, über das Gestern und Morgen und über das Hier und Jetzt, die Gegenwart“, begrüßte Bürgermeister Holger Jung die Gäste im vollbesetzten Ratssaal und ging näher auf die damaligen Geschehnisse ein: auf Montagsdemos, erste Berichterstattung im West-Fernsehen und schließlich auf den Mauerfall am 9. November 1989. Ein Verdienst jahrzehntelanger Anstrengungen unzähliger furchtloser DDR-Bürgerinnen und DDR-Bürger, die für ihre Überzeugung entschlossen eingestanden sind – beharrlich und gewaltfrei. Die Montagdemos, dieser friedliche Widerstand habe nicht nur historische Wirkung, sondern auch das Bewusstsein für demokratische Werte geschärft und den Weg für Veränderungen geebnet. „Er erinnert uns daran, dass der Wille des Volkes stark ist und Veränderungen möglich macht, wenn Menschen zusammenstehen und für ihre Überzeugungen eintreten“, so Jung.

Die Montagsdemos bezeichnete der Bürgermeister als Initialzündung der Einheit, die Meckenheim ein ganz besonderes Geschenk beschert habe: die Städtepartnerschaft mit Bernau. „Solche Partnerschaften sind von immensem Wert: Sie führen zusammen, fördern die Verständigung, verbinden Menschen miteinander und lassen Freundschaften entstehen“, sagte Holger Jung. „Der Wert von Städtepartnerschaften gilt auch im europäischen Kontext und damit für unsere Partnerschaft mit Le Mée-sur-Seine – eine feste Freundschaft, die über Ländergrenzen hinweg stetig gewachsen ist und die vom europäischen Gedanken und damit von den Menschen beider Nationen beeindruckend getragen wird“, ergänzte der Bürgermeister erfreut.

Alles andere als erfreulich sei die derzeitige Situation hierzulande. „Dunkle Wolken sind am Horizont aufgezogen. Rechte und populistische Kräfte versuchen, unsere freiheitliche Gesellschaft zu spalten, Ängste zu schüren und demokratische Werte in Frage zu stellen, diese gar zu unterwandern“, bezeichnete Jung die Entwicklung als alarmierend. „Sie bedroht das Fundament unserer Demokratie in erheblichem Maße. Freiheit, Gleichheit und Solidarität sind keine Selbstverständlichkeiten. Vielmehr müssen sie täglich gelebt und verteidigt werden. Wenn wir zulassen, dass sich Hass, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz ausbreiten, gefährden wir das Zusammenleben in unserem Land – und haben die Botschaft der deutschen Wiedervereinigung nicht verstanden.“ Als Beispiel für den sich verschärfenden Ton verwies der Bürgermeister auf die zunehmende Verbreitung von Hassbotschaften in sozialen Medien, bei denen Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion, sexuellen Orientierung oder politischen Überzeugung angegriffen würden. „Sie sind längst keine Einzelfälle mehr und vergiften das gesellschaftliche Klima“, so Jung, der auch im politischen Diskurs eine erschreckende Tendenz erkennt. Es werde sich zunehmend populistischer Parolen bedient, ganz bewusst würden Ängste in der Gesellschaft geschürt und bestimmte Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt. Er verwies auf die vergangene Bundestagswahl und stufte deren Ergebnis als besorgniserregend ein, da die AfD mit knapp 21 Prozent ihren Zweitstimmenanteil im Vergleich zum vorherigen Urnengang 2021 nicht nur zu verdoppeln vermochte, sondern auch als zweitstärkste Partei und Oppositionsführerin im Deutschen Parlament säße.“

„Wer dachte, dass die braunen Gewitterwolken zumindest an uns hier im äußeren Westen vorüberziehen, wurde am 14. September in NRW eines Schlechteren belehrt. Denn bei den Kommunalwahlen gelang es der AfD, ihren Stimmenanteil erheblich auszubauen, während die etablierten demokratischen Parteien Verluste hinnehmen mussten“, rief Holger Jung die jüngste Wahl in Erinnerung. Dass Meckenheim gegen den Trend laufe, erfüllt ihn mit Dankbarkeit. „Neben den Gemeinden Wachtberg und Alfter sind wir die einzige Stadt von 19 Kommunen im Rhein-Sieg-Kreis, in der sich die AfD nicht organisiert hat. Für den Stadtrat und das Bürgermeisteramt in Meckenheim hat es also bei uns keine AfD-Kandidatin und -Kandidaten gegeben. Ich bilde mir ein, dass das zumindest auch an einer guten, akzeptierten und verantwortlichen Kommunalpolitik der letzten Jahre liegt, die Worten Taten für die Stadtgesellschaft folgen ließ.“ Für seine Einschätzung erhielt der Bürgermeister zustimmenden Applaus.

Um den nationalen Trend, der über das Politische hinausgeht und den gesellschaftlichen Zusammenhalt bedroht, zu stoppen, bedürfe es politische Lösungen und greifbare Ergebnisse. Denn es gebe einen nicht geringen Teil der Wählerschaft, der nur aufgrund von Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation sein Kreuzchen am rechten Rand setze. „Diese Menschen holen wir zurück, wenn Erfolge erzielt werden, die auch wirtschaftlich spürbar sind“, bekräftigte Jung und sieht jede und jeden in der Pflicht, sich für die Werte der Demokratie einzusetzen. „Die DDR-Bürgerinnen und DDR-Bürger haben damals gemeinsam und erfolgreich für diese Ideale gestritten. Es ist unser aller Verpflichtung, diesen ‚Kampf‘ fortzusetzen, damit wir auch künftig in Einheit, Freiheit und Gerechtigkeit leben können.“ Auch angesichts der weltpolitischen Schräglage, der dramatischen Entwicklungen im Nahen Osten, dem anhaltenden Krieg in der Ukraine und der russischen Aggressionen gelte es, den Geist der Einheit lebendig zu halten. „Seien Sie wachsam gegenüber Versuchen, unsere demokratischen Prinzipien zu untergraben, und setzen Sie sich für eine offene Gesellschaft ein, im Alltag, in Gesprächen und im Engagement für die freiheitlich-demokratische Grundordnung“, appellierte Holger Jung. „Gemeinsam sind wir stark! Das ist die Botschaft, die uns die Wiedervereinigung vor 35 Jahren gelehrt hat.“

Pressemitteilung Stadt Meckenheim.

Mit der Nationalhymne am Denkmal für die Deutsche Einheit endet die Feierstunde, im Vordergrund von links: der künftige Bürgermeister Sven Schnieber, die stellvertretende Landrätin Notburga Kunert, der Bundestagsabgeordnete Dr. Norbert Röttgen, die Ehrenbürgerin Erika Meyer zu Drewer und Bürgermeister Holger Jung. Foto: Stadt Meckenheim

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