„Im wahrsten Sinne des Mordes“ erzählte Krimi-Autor Ralf Kramp im Kulturbahnhof
„Friede, Freude Flaschenbierchen“
Bad Breisig. Das war ein wahrhaft vergnüglicher Abend, den die Kulturbühne Bad Breisig im alten Bahnhof zum Auftakt ihrer neuen Veranstaltungs-Serie bot: Ralf Kramp, der Autor einer Folge von umwerfend komischen „Eifel-Krimis“, unterhielt zweieinhalb Stunden lang das den Saal des „Kultur-Bahnhofs“ bis auf den allerletzten Platz füllende Publikum auf’s Allerbeste. Schon sein Auftaktgedicht: „Ich suche seit einem Jahr, genau... nach dem Mörder meiner Frau!“ verhieß humorvolle Krimi-Atmosphäre. Nicht nur der Inhalt der ebenso „schwarzen“ wie „fröhlichen“ Mord - Geschichten aus der Nordeifel, auch die prächtige Fabulierkunst und das gekonnte Spiel mit dem Publikum sorgten für eine spannende Begegnung mit dem Schriftsteller. In der Interpretation seiner (nicht immer ernst zu nehmenden) Krimis entwickelte der Autor formidable Darstellungskunst. Er weiß mit Mimik, Stimme und Gesten die Handlung seiner Storys so hinreißend zu unterstreichen, dass die Leute im Saal sich von der vorgelesenen (oder reaktionsschnell eingeflochtenen) Handlung völlig einfangen lassen. Ja: Ralf Kamp ist auch eine veritable „Plaudertasche“; im Dialog mit dem Publikum löste er manchen zusätzlichen Lacherfolg aus. Spannend, aber fröhlich sind seine Storys. So zum Beispiel die Geschichte, als die mordlüsternen Kerls, der grobschlächtige Hubert und der feingliedrige Horst - jeder für sich - einem Widerdacher aus dem Einwohnermeldeamt auflauern, ihnen aber der Bürgermeister Tünnes die Arbeit durch einen gezielten Schuss in die Stirn des Beamten die Arbeit abnimmt. Oder von Friedbert, dem Spaziergänger entlang der Steinbach-Talsperre, der vergeblich versucht, seine Mordwaffe loszuwerden; der doofe Hund an seiner Seite bringt ihm das Päckchen mit der Pistole immer zurück. Köstlich auch die „Mitmach-Nummer“, bei der das Publikum den Weg des (vergifteten) Pralinen-Kartons amüsiert verfolgt und dabei im Chor den Inhalt immer wieder bestätigen muss. Köstlich auch die eingeflochtenen Betrachtungen über die in allen Haushalten vorhandenen Spezial-Schubladen, in der die nicht verwendeten Geschenke (zum gelegentlichen Weiterschenken) aufbewahrt werden. „Zur Erinnerung: die TOSCA-Seife im Geschenkkarton war mit einer dicken geflochtenen Schnur verziert, anscheinend zum Aufhängen“, beobachtet Ralf Kramp. Großer Lacherfolg auch die von ihm gesammelte Kette von Wörtern, die mit „H“ beginnen - und die daraus gebildeten Sätze. Tiefschwarzer Humor, als der Kunde in der Apotheke „Strichnin“ verlangt, der Apotheker dem Wunsch erst entspricht, nachdem der Kunde das Bild seiner Angebeteten vorzeigt: „Ich wusste ja nicht, dass Sie ein Rezept dabei haben!“. Ein wahres Paradestück der Krimi-Sammlung ist die Begegnung mit den drei Seniorinnen, die irrtümlich in bei der VHS einen Kurs über „Selbstverteidigung“ absolvierten. So gerüstet, können Trude, Hildchen und Hubertine ein Verbrechen verhindern, schießen aber mit den angewandten Mitteln über das Ziel hinaus - Krimi, halt ! Das ist auch nicht anders bei der Pilz-Sammlerin, die im Kneipengespräch ihre Rezepte preisgibt. Ralf Kamp ist von der Begeisterung seines Publikumns so angetan, dass er nicht müde wird, Zugaben zu präsentieren - und damit einen überaus erfolgreichen, unterhaltsamen Abend zu krönen. Mit dieser Qualität darf es weitergehen im Programm der Bad Breisiger Kulturbühne! FA
Der Mann, dem das Publikum vertraut: Wenn Kramp sagt, „Die Eifel ist nicht gewalttätig“, will man es gerne glauben.Fotos: HG
