Redaktionsgespräch mit dem IHK-Regionalbeirat Ahrweiler

„Für das Wir in Wirtschaft“

„Für das Wir in Wirtschaft“

Foto: CF

23.02.2018 - 14:33

Sinzig. Im Regionalbeirat Ahrweiler der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz sitzen fünf ehrenamtlich tätige Unternehmer, deren Hauptaufgabe darin besteht, die Interessen der Wirtschaft im Kreis gegenüber Politik und Verwaltung zu vertreten, zu fördern und zu unterstützen. Durch eine enge Vernetzung sollen mehr Schlagkraft und eine höhere Effizienz erreicht werden. IHK-Vizepräsident und Beiratsvorsitzender Alexander Kohnen, Jörg Schäfer, persönlich haftender Gesellschafter der REWE Jörg Schäfer OHG, Immobilienmaklerin Heike Ziss und IHK-Regionalgeschäftsführer Dr. Bernd Greulich waren zum Redaktionsgespräch im Krupp-Medienzentrum in Sinzig und erläuterten Hermann Krupp die Aufgaben des IHK-Beirates und dessen Ziele für die Region im Kreis Ahrweiler.

Hermann Krupp fragt Alexander Kohnen nach den Aufgaben des IHK Regionalbeirates. Der IHK-Vizepräsident und Beiratsvorsitzender erklärt, dass es sich beim Kreis Ahrweiler um einen großen Bezirk der IHK Koblenz mit 9500 Mitgliedern handelt. Im Beirat, der sich als Dienstleister versteht, sitzen gewählte Vertreter, ein „Parlament“ der Wirtschaft. Ziel sei es die Wirtschaft zu stützen, zu fördern und weiterzuentwickeln. Hierbei sollen die Unternehmen durch regionales Marketing unterstützt und Fachkräfte für die Region gefunden werden. Darüber hinaus soll insbesondere der Breitbandausbau vorangetrieben werden, um Wettbewerbsnachteile der Wirtschaft abzubauen. IHK-Regionalgeschäftsführer Dr. Bernd Greulich ergänzt: „Der Beirat ist Ansprechpartner für alle Branchen, hier sitzen ehrenamtlich tätige Unternehmer, die Impulse geben, was in Angriff genommen werden soll.“ Weiterhin führt er aus, dass es sich um einen sehr aktiven Bezirk mit einem sehr engagierten Beirat handele.


Region nicht nur touristisch, sondern wirtschaftlich fördern


Hermann Krupp interessiert die Frage: „Wie kann man die Region im Kreis Ahrweiler stärken?“ Alexander Kohnen führt hierzu aus, dass Regionalmarketing: nicht nur umgesetzt, sondern bereits bestehende Konzepte gebündelt werden sollen. Ziel sei eine Internetplattform, um die Region nicht nur touristisch, sondern wirtschaftlich zu fördern. Die Grafschaft sei im Bereich der Neuansiedlung von Unternehmen ein gutes Beispiel.

Die Runde wendet sich nun dem Thema Stärkung der Infrastruktur zu. „Der Ausbau der Straßen ist nicht optimal“, merkt Hermann Krupp an. Alexander Kohnen betont, dass der IHK bei diesem Thema die Hände gebunden seien, da die Politik die Gelder verwalte. Aufgabe des Beirates sei es hier, auf die Politik einzuwirken und Gespräche zu führen. Jörg Schäfer stellt klar, dass die IHK auch Gutachten erstellt, was viele IHK-Mitglieder nicht wissen. Wenn Einzelunternehmen sich direkt an die Verwaltung wenden, hätten diese nur wenig Gewicht, viele zusammen seien aber sehr stark. Nur würden die Angebote zu selten in Anspruch genommen. Der Verlagschef fragt: „Reichen Gespräche? Ist es nicht wichtig, die Missstände zu sammeln?“ Dr. Bernd Greulich berichtet von einer durch die IHK durchgeführten Pendlerstudie. Es pendeln enorm viele Menschen aus dem Kreis Ahrweiler in die Großräume Bonn und Koblenz. „Gerade unsere Region würde zum Beispiel von einem Lückenschluss der A1 profitieren.“ Ziel des Regionalbeirates sei es Argumente zu liefern. Die Verwaltung wisse oft nichts von den Problemen der einzelnen Unternehmen. Alexander Kohnen ergänzt allerdings: „Die Kommune arbeitet oft gut, zum Beispiel bei der Landesgartenschau 2022, mit einem rasanten Umbau in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der Verkehr läuft dann in Zukunft positiver.“


Breitbandinternet und Öffentlicher Personennahverkehr


Im Anschluss wird die digitale Infrastruktur zum Thema der Runde. Kohnen betont die Wichtigkeit einer schnellen Datenverbindung für die Unternehmen. In der Grafschaft sei der Ausbau gut, in anderen, insbesondere ländlichen Regionen, ist er nicht optimal. Breitbandinternet für alle sei ein langfristiges Ziel und dürfe auf keinen Fall ausgesessen werden.

Anderes Thema: Öffentlicher Personennahverkehr. Chefredakteur Hermann Krupp betont die Problematik des Themas: „Lehrlinge kommen nicht zu ihren Betrieben, gerade aus den Bereichen Brohltal und Adenau.“ IHK-Regionalgeschäftsführer Dr. Bernd Greulich führt an: „Das ist ein schwieriges Thema und im ländlichen Raum nur schwer umzusetzen. Ein flächendeckender Personennahverkehr im Kreis Ahrweiler ist nicht realisierbar.“ Es müssten andere Konzepte als leere Großbusse entwickelt werden, eine Antwort könnten Kleinbusse sein. Alexander Kohnen ist bereits froh, dass die Schüler durch den Öffentlichen Personennahverkehr in die Schulen gebracht werden können.


Fachkräftemangel entgegenwirken


Nach dem ÖPNV wird das Thema Fachkräftemangel durch die Runde heiß diskutiert. Hermann Krupp fragt: „Liegt es am Lohnniveau oder spielen andere Dinge eine Rolle, wie Infrastruktur, bezahlbarer Wohnraum oder Ähnliches?“ Jörg Schäfer führt hierzu aus, dass positiver über die Vorzüge der Region berichtet werden sollte. Bis Altenahr hoch gebe es nicht nur eine gute Anbindung, sondern auch gute Wohnpreise für Familien. Darüber hinaus hat der Kreis Ahrweiler eine gute Autobahnanbindung und als Attraktivitätsbonus zum Beispiel den Nürburgring. Alexander Kohnen lenkt das Gespräch auf die Vorzüge der Region für junge Familien, zum Beispiel ausreichend Kitaplätze. Hierzu ergänzte Heike Ziss, dass die Kitaplätze in Rheinland-Pfalz umsonst sind, was sehr attraktiv ist. Darüber hinaus sei die Rheinschiene sehr anziehend, was sich am Beispiel des Remagener Ortsteils Kripp mit seinem großen Neubaugebiet zeige.

Alexander Kohnen betont, dass sich der Arbeitsmarkt von einem Arbeitnehmer- zum Arbeitgebermarkt gewandelt habe. „Der Arbeitgeber von heute kann Arbeitnehmer nicht nur durch das Gehalt, sondern auch durch die Region locken.“ Hermann Krupp hakt nach: „Wie kann das Problem dauerhaft gelöst und Fachleute auf allen Ebenen gefunden oder weiterqualifiziert werden?“ Dr. Bernd Greulich führt aus: „Wir gehen auf die Unternehmen zu und diese müssen für ihr Angebot werben. Es gab eine Rekordbeteiligung der Unternehmen am Berufsinfomarkt und als neues Instrument wurde die Einstellungsmesse etabliert, um Fachkräfte zu finden.“ Es gelte „nicht nur jammern, auf den Markt zugehen.“ Für Kohnen sei die Region oft zu unbekannt, zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern oder in der Region Dresden. „Das Projekt Rhön ist zum Beispiel deutschlandweit aktiv, das müssen wir erreichen.“ Für Verlagschef Hermann Krupp ist dies eher eine Aufgabe für die Region Koblenz Mittelrhein, das Ahrtal sei hierfür zu klein. Alexander Kohnen erwidert: „Wir wollen mit kleinen Schritten viel erreichen.“ Die Landesgartenschau müsse jetzt schon beworben werden, um sie deutschlandweit zu promoten.“


Lehrermangel und zu kleine Klassenräume


Hermann Krupp hakt nach: „Es muss in der ganzen Region ein Bewusstsein erzeugt werden, die ganze Region hat von der Bundesgartenschau in Koblenz profitiert. Initiativen zur Stärkung der Region sind da, wie wird das gefüllt? Warten wir, dass die Metropolen zu uns kommen?“ Heike Ziss möchte die eigene Wirtschaftskraft bekannter machen und für Alexander Kohnen ist der Tagestourismus im Ahrtal entscheidend. Für Hermann Krupp müssen Unternehmen mehr Eigenmarketing betreiben, was leider zu wenig stattfindet: „dies könne in der Gemeinschaft besser funktionieren.“ Dr. Bernd Greulich führt aus: „viele Unternehmen klagen, bei uns bewirbt sich keiner. Eine Lösung wäre in einer Stellenanzeige nicht nur zu fordern, sondern auch zu bieten.“ So könnten Gesundheitsprogramme und eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Wettbewerbsvorteil für die Unternehmen sein. „Es gibt genug Bewerber, aber nur sehr wenig Gute“, ergänzte Alexander Kohnen.

Im Anschluss fragt Hermann Krupp, wie Weiterbildung gestaltet werden könne? Kohnen antwortet, dass es viele Missstände in der Berufsschule, zum Beispiel Lehrermangel oder zu kleine Klassenräume gebe. „Die IHK kann anregen, allerdings seien hier die Kommunen gefragt.“ „Im Mittelfeld der Pisa-Studie zu liegen, kann nicht unser Anspruch sein“, ergänzte Hermann Krupp. „Der Anteil der schlechten Azubis ist sehr hoch geworden. Das Niveau der Berufsschulklassen ist zu unterschiedlich. Die guten Schüler langweilen sich und die Schlechten sind immer noch überfordert“, so Jörg Schäfer, es herrsche eine Zweiklassengesellschaft. Für Alexander Kohnen ist das duale Studium, welches Theorie und Praxis auf hohem Niveau bietet, ein guter Ansatz: „Es sollte mit dem dualen Studium geworben werden. Der Einzelhandel und die Systemgastromie machen es vor.“ Heike Ziss betont: „Die Problematik liegt auch daran, dass 80 Prozent der Schüler nach der Grundschule zum Gymnasium gehen und im Anschluss auch studieren wollen. Nur die in der Grundschule schlechteren Schüler gehen zu den restlichen Schulen und nur ganz wenige Gute kommen heraus.“ Chefredakteur Hermann Krupp merkt an, dass die Runde lange über den Fachkräftemangel gesprochen hat und das Thema heiß diskutiert wird.“


Vision für den Kreis Ahrweiler


Die letzte Frage gilt der Vision des IHK-Regionalbeirates für den Kreis Ahrweiler. „Wie sieht die Region in 20 Jahren aus?“ Alexander Kohnen wünscht sich eine blühende Region, selbstbewusst, touristisch wie gastronomisch und mit einer guten Wirtschaft. Er betonte die Wichtigkeit der Landesgartenschau 2022 für die Region. „Die erste Informationsveranstaltung der IHK zur Landesgartenschau 2022 findet am Montag, 26. Februar im Dorint Parkhotel in Bad Neuenahr-Ahrweiler statt. Es gibt einen tollen Impulsvortrag von Hanspeter Faas, Geschäftsführer der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn. Bürgermeister Guido Orthen stellt das erste Konzept vor. Darauf folgt eine Podiumsdiskussion.“ Jörg Schäfer möchte das ganze Ahrtal mitnehmen. „Eine Idee wäre die Anschaffung von ausleihbaren E-Bikes für die Gäste. Die könne man auch nach der Landesgartenschau nutzen und sorge so auch für Nachhaltigkeit in der Region.“

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Kommentare
Harald Zobel:
Gute Ideen und Lösungsvorschläge, die in der Pandemie dienlich wären, interessieren viele Menschen nicht. Auch nicht wenn es um Kinder geht. Die physischen und psychischen Spätfolgen, die unsere Kinder durch das Tragen einer "Schutzmaske" erleiden, sind noch garnicht abschätzbar. Die Kritiker des Kommentars von Herrn Dr. Bollinger, glänzen vor allem durch Desinteresse und Halbwissen. Sie leisten hier keinen positiven Beitrag. Es geht wie immer nur um das diskreditieren der AfD, aufgebaut auf abgedroschenen Phrasen. Herr Dr. Bollinger und Herr Bleck sind hervorragende Politiker in Kommunal-, Landes-, und Bundespolitik. Sie interessieren sich noch für die Probleme der Bevölkerung. Was die Politiker der anderen Parteien in den letzten Jahren mit oder ohne "Abschluss" zustande gebracht haben, liest sich wie ein "Schwarzbuch der Politik" !
Patrick Baum:
@Antje Schulz, es ist völlig richtig, daß in der AfD Rheinland-Pfalz das Chaos herrscht. Nicht ohne Grund liegt die AfD in Rheinland-Pfalz in den aktuellen Umfragen zur Landtagswahl zum Glück deutlich unter ihrem Wahlergebnis von 2016. Der Grund dafür liegt in der katastrophalen Arbeit des AfD-Landesvorstands um die Führungspersonen Michael Frisch und Jan Bollinger. Inhaltlich hat die AfD Rheinland-Pfalz außer abstrusen Forderungen nichts zu bieten. Zum Leserkommentar von Natalie Bleck ist zu schreiben, daß diese auch eine AfD-Funktionärin ist. Sie ist auch die Ehefrau des AfD-Abgeordneten Andreas Bleck, der fast 20 Semester Semester erfolglos auf Lehramt studiert hat und jetzt ohne jeglichen Berufs- oder Studienabschluß im Bundestag sitzt.
Natalie Bleck:
Es nicht richtig, dass Herr Frisch die Maskenpflicht in Schulen befürwortet hat. Er sprach sich Ende April - als es noch deutlich weniger Daten zu Covid-19 gab - für eine Maskenpflicht im ÖPNV und beim Einkaufen aus. Und er hat kritisiert, dass die Landesregierung es versäumt hat, flächendeckend professionelle Schutzmasken für die Bevölkerung zu beschaffen. Und damit hat er Recht! Denn diese sind nun mal besser als selbstgenähte Baumwollmasken, wie erste Studien zeigen. Im Übrigen hatte die Regierung in den letzten Monaten ausreichend Zeit, Masken zu beschaffen und hat es wieder einmal versäumt.

Auf nach Bayern

juergen mueller:
Was heißt vor Kurzem? Eine mehrtägige Reise ausgerechnet nach Bayern, unter anderem nach Berchtesgaden. Interessant wäre zu erfahren, WER von den durchweg älteren Teilnehmern mittlerweile positiv getestet wurde bzw. entsprechende Symptome aufweist. Nicht immer auf den "Jungen" herumhacken - den "Alten" fehlt es ebenso an Vernunft, Einsicht und Rücksichtnahme. KEINER dieser Unvernünftigen trägt eine Maske, geschweige denn Abstand wird eingehalten. Wenn infiziert - dann bloß nicht jammern.
Baruch Zuckerfeld :
Faktisch haben selbst die Unprofessionelln Ermittlungen seitens der Polizei den Verdacht auf Kindesmissbrauch erhärtet männliche DNA wurde definitiv laut Kriminalbericht und des Arzt Berichts der mir auch vorliegt gefunden so wurden auch Rötungen und Hämatome gefunden fest gestellt zudem sind die Erlebnisse und Schilderungen der kleinen zu Detailgetreu als das man das erfinden würde
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