Allgemeine Berichte | 24.04.2019

Forstamt Adenau ist besorgt über Klimawandelschäden

Gestresste Bäume können nicht weglaufen

Martin Kaduck, Mitarbeiter des Forstunternehmers Dominik Dunaj, pflanzt Küstentannen im Stadtwald Adenau.Foto: Dietmar Ebi

Adenau. Am vergangenen Donnerstag war der von der UN ausgerufene jährliche Baumfeiertag. Er soll an die Bedeutung von Bäumen und Wäldern für Leben und Wohlbefinden der Menschen erinnern. Doch weder Bäumen noch Forstleuten ist derzeit nach Feiern zumute. Nach dem Hitze- und Dürresommer 2018 ist der Wald gestresst, vom Borkenkäfer angefressen und von Winterstürmen durchgeschüttelt. Allein im Forstamt Adenau starben im vergangenen Jahr rund 55.000 Bäume ab. Forstleute und Waldbesitzende versuchen, durch Pflanzung klimastabilerer Mischbaumarten die Wälder im Klimawandel bestmöglich zu stabilisieren.

Der Frühling begann im Februar: „Früher war der April der klassische Frühlingsmonat, um Bäume zu pflanzen“, erklärt Förster Dietmar Ebi vom Forstamt Adenau. „In den vergangenen Jahren und auch in diesem Jahr mussten wir aber erleben, dass das Frühjahr mit Temperaturen über 20 Grad schon im Februar begann. Die Nachricht, dass sich unser Klima verändert, ist nicht neu. Darum sind wir auch schon seit Jahren dabei, den Wald auf den Klimawandel vorzubereiten. Aber die Geschwindigkeit der Klimaveränderungen und die Heftigkeit ihrer Folgen für unseren Wald wie Trockenheit, Sturmschäden und Borkenkäferbefall erschüttert uns“, so der Forstmann.

Bäume können nicht weglaufen: Es hört sich wie eine Binsenweisheit an – aber es ist tatsächlich ein Teil des Problems. Bäume sind ortsfest und können bei Veränderungen der Umweltbedingungen nicht fliehen oder ausweichen. Sie müssen sich an neue Bedingungen anpassen, wenn sie nicht zugrunde gehen wollen. Für eine solche Anpassung benötigen komplexe Ökosysteme wie der Wald normalerweise viele Wald-Generationen. Im Wald dauern Generationswechsel jedoch 100 bis 200 Jahre oder länger, während sich beispielsweise die Insektenwelt teilweise mit mehreren Generationen pro Jahr relativ rasch an veränderte Bedingungen anpassen kann. Mit ihren langen Generationswechseln haben es Wälder schwer, mit den rasanten Klimaveränderungen Schritt zu halten. So geraten sie ganz besonders unter Druck. Anders als im Gartenbau oder in der Landwirtschaft kann der heutige Wald nicht im nächsten Frühjahr einfach durch eine klimafestere Baumartenmischung ausgetauscht werden.

Der Wald der Zukunft: Die Forstleute unterstützen den Wald bei der Anpassung an den Klimawandel. Sie setzen dabei verstärkt auf standortangepasste Laub- und Nadelbaumarten, die sich möglichst natürlich verbreiten sollen. Gepflanzt wird auf entstandenen Kahlflächen und dort, wo ein Baumartenwechsel zum Beispiel hin zur Buche ohne aktive Unterstützung der Forstleute von Natur aus viele Jahrzehnte oder Jahrhunderte dauern würde. Im Wald der Zukunft werden viele alte Bekannte wachsen: Buchen, Eichen, Weißtannen, Kiefern, Linden, Birken und viele andere standortangepasste Baumarten. Zusätzlich wird Saatgut aus wärmeren und trockenen Regionen eingesetzt. Zum Beispiel Eichensaatgut aus Kroatien, denn dort herrscht heute schon ein Klima, das wir in Zukunft für Deutschland erwarten. „Vielfalt ist Sicherheit. Je größer die Zahl der Baumarten in einem Wald ist, desto geringer ist das Risiko für den Wald, wenn eine einzelne Baumart die Veränderungen nicht bewältigt“, erklärt Ebi.

Auch neue Bäume braucht das Land: Um zukünftig eine größere Vielfalt an Baumarten für unterschiedliche Standort- und Klimabedingungen zu haben, werden auch fremdländische Baumarten wie der Tulpenbaum, die Baumhasel oder die Schwarznuss erforscht. Dies sind nur einige Baumarten, die für das Klima der Zukunft geeignet scheinen und die bereits seit vielen Jahren aus Parkanlagen, botanischen Gärten und Versuchsanbauten bekannt sind. Die Edelkastanie, die Küstentanne und die Douglasie beweisen bereits seit über 100 Jahren ihre Eignung als Waldbaumarten hier bei uns in Deutschland.

Klimaschutz ist Waldschutz: Der Aufbau möglichst klimastabiler Wälder durch die Forstleute kann nach Ansicht von XY aber nur ein Teil der Problemlösung sein. In Rheinland-Pfalz ist die Temperatur gegenüber dem vorindustriellen Niveau bereits heute um 1,6 Grad gestiegen. Bei einem ungebremsten Temperaturanstieg komme das Ökosystem früher oder später an seine Grenzen. Daher müssen auch die Anstrengungen im Bereich Klimaschutz erhöht werden. „Neben den erforderlichen politischen Weichenstellungen kann jeder in seinem Alltag einen Beitrag zu mehr Klimaschutz leisten. Das entlastet den Wald. Dazu möchten wir die Menschen ausdrücklich ermuntern“, bittet der Förster abschließend um Unterstützung. Die junge Generation mache uns mit ihren „Fridays-for-Future-Protesten“ gerade deutlich, wie wichtig ihnen Klimaschutz für eine lebenswerte Zukunft ist. Zu dieser lebenswerten Zukunft gehören Bäume und der Wald in ganz besonderem Maß.

Martin Kaduck, Mitarbeiter des Forstunternehmers Dominik Dunaj, pflanzt Küstentannen im Stadtwald Adenau.Foto: Dietmar Ebi

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