Tradition und Innovation beim Karnevalsgottesdienst in der Christuskirche Koblenz
„Gute Laune einfach überall!“: Kindertanz und Karneval – in Kirche?
Koblenz. Bunt, laut, herzlich – und zugleich erstaunlich tiefgründig:
Der diesjährige Karnevalsgottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Mitte hat gezeigt, dass Freude und Glaube keine Gegensätze sind. Im Gegenteil.
Schon beim Betreten der Kirche wurde klar: Das wird kein gewöhnlicher Sonntag.
Girlanden, Luftschlangen und Luftballons schmückten die Kirche, Kinder wurden geschminkt, und die Gottesdienstbesucher kamen kostümiert – vom Hütchen auf dem Kopf, über Clowns und Meerjungfrauen bis hin zu fantasievollen Eigenkreationen oder Familienkostümen verwandelte sich der Kirchenraum in ein farbenfrohes Meer aus Glitzer, Stoff und guter Laune. Rund 250 Menschen feierten gemeinsam – Kinder, Eltern, Großeltern, Karnevalsjecken und solche, die es spätestens an diesem Vormittag wurden.
Unterstützt von Kantor Christian Tegel sang Hans Hickmann das erste Mal in seinem Leben Karnevalslieder am Mikrofon und schon nach wenigen Minuten wurde geschunkelt. Alte und neue Lieder des rheinischen Karnevals wechselten sich mit Kirchenbewegungsliedern und umgedichteten Liedern ab, die biblische Themen mit einem Augenzwinkern transportierten. Es war „gute Laune einfach überall!“
Für ein außergewöhnliches Highlight sorgte die Kids- und Jugendtanzgruppe der Großen Koblenzer Karnevalsgesellschaft im Alter von 4 bis 15 Jahren. Extra für diesen Auftritt war im Altarraum eine Bühne aufgebaut wurden – ein ungewohntes Bild, das sofort Spannung erzeugte. Tanzen in der Kirche? In Koblenz bislang undenkbar. An diesem Sonntag wurde es Realität: Den Auftakt machte das Solomariechen Hanna Zenzen (12 Jahre) mit einem technisch anspruchsvollen und zugleich ausdrucksstarken Tanz, mit großem Applaus im Anschluss. Es folgte ein phantastischer Kinderpaartanz von Emily Wieczorek (12 Jahre) und Fabian Alsbach (13 Jahre), der mit akrobatischen Elementen und bemerkenswerter Leichtigkeit überzeugte. Die Synchronität und das Vertrauen zwischen den beiden sorgten für sichtliche Begeisterung im Kirchenschiff. Den krönenden Abschluss bildete schließlich der mitreißende und beeindruckende Gardetanz der gesamten Kids- und Jugendgruppe.
Neben diesem historischen Tanzmoment stand inhaltlich die Gemeinschaft im Mittelpunkt. Sichtbar wurde das durch eine große Leinwand, auf der alle ihren Fingerabdruck hinterließen. Es entstand ein großer bunter Luftballonstrauß – Symbol dafür, dass jede und jeder mit seiner Eigenart Teil eines größeren Ganzen ist und alle dabei von Gott gehalten werden. Die Büttenpredigt von Pfarrerin Marina Brilmayer „Da simmer dabei!“ griff diesen Gedanken auf und verband karnevalistische Lebensfreude mit einer klaren Botschaft: Gott hält und begleitet – und er traut den Menschen zu, fröhlich und verantwortungsvoll zugleich zu sein.
Im Anschluss gab es Berliner – allerdings hatte das Organisationsteam mit rund 150 Stück kalkuliert. Bei 250 hungrigen Gottesdienstbesuchern reichte das nicht ganz aus. Doch auch das nahm man mit Humor. Es wurde geteilt, gelacht, improvisiert – ganz im Sinne des Tages.
Dieser Karnevalsgottesdienst war mehr als ein buntes Event. Er war ein lebendiges Zeichen dafür, dass Kirche Raum für Freude, Kreativität und Begegnung sein kann und dass Tradition und Innovation sich nicht ausschließen. Wer dabei war, wird diesen Vormittag so schnell nicht vergessen. Und eines ist sicher: Die Vorfreude auf das nächste Jahr hat bereits begonnen.
