Hans-Peter Pracht verbreitet unnützes Wissen über die Eifel
Häppchenweise Unterhaltung
Bölingen. Der Mann ist nicht zu stoppen. Hans-Peter Pracht aus Grafschaft-Bölingen hat wieder ein Buch herausgebracht, sein 20. wohlgemerkt. Unter dem Titel „Unnützes Wissen Eifel“ präsentiert er „Skurrile und außergewöhnliche Fakten zum Angeben“.
Von A, wie Aachener Printen bis Z, wie Zülpich, wo an der Kreuzung zweier Römerstraßen die Badekultur zum Entspannen großgeschrieben wurde, gibt es wirklich für jeden, gleich welcher Interessenslage, etwas entdecken. Dabei sind die aufgetischten Portionen knapp bemessen. Das soll so sein, schließlich reicht Pracht auf 143 Seiten 300 Wissenshäppchen. Vom Umfang her also leicht verdauliches. Allerdings findet sich neben mancherlei Kuriosem durchaus ernsthaft Wissenswertes. Historie, regionale Lebensweise, Geschehnisse und Sagen, Kirchen, Burgen, Berge und Persönlichkeiten, kein Thema rund um Land und Leute, das ausgelassen würde.
Das Ahrtal ist vielfach vertreten etwa mit der Brohltalbahn, mit dem Ring-Taxi auf dem Nürburgring, Laacher See, der weltweit ältesten Winzergenossenschaft in Mayschoß, Mariensteinen, Pützfelder Hexendenkmal, Weißem Turm und Teufelsloch. Klar, dass damit die Bandbreite beileibe nicht erschöpft ist.
Doch welche Bereiche der Eifel hat der Autor generell bedacht? „Die ganze Eifel, von Aachen bis Trier, Trier bis Koblenz und von Koblenz nach Remagen bis Aachen“, sagt Pracht. Ausflüge nach Belgien und Luxemburg inklusive, wo sich das Mittelgebirge Eifel als Ardennen fortsetzt.
Schmuggel im Dreiländereck
So bindet Pracht die „Aachener Kaffeefront“ ein, Zentrum des Kaffeeschmuggels zwischen 1945 und 1953 im Dreiländereck Deutschland, Belgien, Niederlande. „Regelrecht berüchtigte Schmuggelnester“ waren Nideggen-Schmidt und Mützenich, wo sich sogar ein Schmugglerdenkmal findet. Dafür schmückt sich der Ortsteil Schmidt mit einer inoffiziell „Sankt Mocca“ benannten Kirche. Das Schmuggeln sei unchristlich, hielt Pfarrer Bayer damals seinen Schäfchen vor, zeigte aber Einsicht, wenn vom Ertrag gespendet wurde. So konnte er seine zerstörte Kirche St. Hubertus wieder aufbauen.
Natürlich waren im Aachener Raum Zollfahnder hinter den Schmugglern her. Die streuten Krähenfüße, um die Reifen der Verfolger zu zerfetzen. Der Zoll legte sich daher zwei „Besen-Porsche“ zu. Extras waren hydraulische Metallbesen, die die Straße freifegten. Auf unebenem Gelände aber entkamen die Schmuggler und die Porsche setzten mit den Bodenblechen auf – Ende einer Dienstfahrt.
Schon in der Berufszeit hat der Verwaltungswirt Hans-Peter Pracht Bücher zur Eifel veröffentlicht, erst recht aber seit seinem Ruhestand und noch einmal getoppt durch die Pandemie. „Corona hat mich fleißig gemacht“, sagt der gebürtige Oldenburger, Jahrgang 1949. In Köln wuchs er auf, in der Grafschaft lebt er seit vielen Jahren als freier Autor, Eifelmaler und Ghostwriter. Vor gut 40 Jahren verfasste er sein erstes Buch über „Burg Olbrück und das Zissener Ländchen“.
Kontakte und Archiv
Beim Schreiben helfen die vielen Kontakte in die Eifel und zweifellos sein riesiges Archiv mit eigenen Fotos. Denn gerade das Einholen der Rechte für die Fotos erweist sich als langwierig. „Es ist sehr schwer geworden mit den Urheberrechten, da steht man mit einem Fuß im Venn, im Moor“, lautet seine scherzhafte Beschreibung.
Nicht im Venn, sondern im Kreis Daun, im Eifeldorf Neroth, brachte im 19. Jahrhundert der von dort stammende Lehrer Theodor Kläs die Drahtbinderei mit Hauptprodukt Mausefallen von seinen Reisen mit. Der Gewerbeimport verhalf den Einwohnern zu einem Überleben in der Heimat, während rundum viele Menschen in ihrer Not auswanderten. Eine kuriose Opfergabe, nämlich Äpfel, bringt man zum heiligen Hermann-Joseph ins Kloster Steinfeld. Und wer hätte gewusst, dass genau 28 (!) Brauereien im 19. Jahrhundert in Mendig angesiedelt waren und dass sie in unterirdischen Basalthöhlen ihr Bier brauten und kühlten?
Mit dem Ahrweiler Weißen Turm aus dem 13. Jahrhundert, dessen Name wohl von der weißen Kleidung der Prämonstratenser herrührt, die ihn einst bewohnten, sind wir wieder im Kreis Ahrweiler. Trotz unsäglicher Zerstörungen durch die Flut 2021, gerät einem beim Durchblättern viel von der noch vorhandenen Kultur einer Landschaft vor Augen: „die Stimmgabeln von Ahrweiler“ und das Rodder Maar, Eifelgold und Ahrsteig, Beethovenhaus in Bad Neuenahr und Freilichtbühne Schuld, Krausberg und Hohe Acht, Rock am Ring und Bahnhof Rolandseck mit Arp Museum. Das Buch, ISBN 9783963033315, erschienen bei Sutton, hat 143 Seiten und kostet 13,99 Euro. HG
Unnützes Wissen.
