Motorradfahrer-Treffen mit sozialem Hintergrund an Heiligabend in Koblenz
Harte Jungs mit schweren Maschinen zeigten ein großes Herz
Koblenz. Es war ein Treffen der ganz besonderen Art am Heiligabend mitten in der Koblenzer Innenstadt am Löhrrondell an der Ecke Schlossstraße. Eine Vielzahl an schweren Motorrädern, mit donnerndem Grollen ließen den Platz erbeben, doch alles war ganz anders, als mancher Passant zunächst glaubte. Traditionell trafen sich 2016 wieder fast 100 Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer, um das Weihnachtsfest einzuläuten, sich einmal wieder zu treffen und sich auszutauschen, aber auch um Gutes zu tun. Auf dem Beiwagen seiner Yamaha XT600, Baujahr 1992 hatte Mitinitiator Thomas (Quax) Ullrich aus dem Westerwald einen echten Weihnachtsbaum mitgebracht, der zunächst mit Dekomaterial, das die Fahrer ebenfalls mitgebracht hatten, geschmückt wurde. Mit dabei hatten die Motorradfahrer auch Geld- und Sachspenden, die nun eingesammelt wurden. Angefangen hatte alles 2008, als man sich hier auf dem Platz traf, um dem Treiben an Heiligabend noch einmal zu frönen. Und es kamen immer mehr Motorradfahrer zusammen, denn man kennt sich untereinander gut. Doch es sollte nicht nur einfach ein Treffen sein, man wollte auch etwas damit erreichen. Hintergrund hier war dann die Unterstützung des „Stadtindianers“ Ernst, der für seine individuelle und unkonventionelle Lebensform bekannt war, lebt er doch ganzjährig in einem Zelt auf der rechten Rheinseite in Koblenz. Den wollten die Motorradfahrer unterstützen, denn gerade in den Wintermonaten ist das Leben dort nicht so einfach. Man sammelte also Geld und auch Sachspenden waren willkommen. Doch nicht nur Ernst ist wohnungslos, erfuhren die Biker dann schnell und so sollten auch die anderen Wohnungslosen unterstützt werden. Motorradfahrer, Mitglieder von Motorradclubs und Freunde fanden sich auch dieses Jahr wieder zusammen und hatten einiges im Gepäck dabei. Kleidungsstücke, Nahrungsmittel, Süßigkeiten, Gebäck und auch Geld sammelten sie ein, um alles anschließend der Caritas in Koblenz zu überreichen. Mit wenig Aufwand schenken sie so viel Freude. Der jüngste Teilnehmer der Aktion war der dreijährige Lucas Nöthen aus Koblenz, der zusammen mit seinen Eltern zum Treffen kam. Natürlich will er später auch einmal Motorrad fahren, doch vor der Bescherung hatte er auch viel Spaß bei der Aktion. Dieter Stollberg aus Urbar war mit 79 Jahren der älteste Teilnehmer und er kommt bereits seit 2009 immer zu diesem Treffen am Heiligabend. Mit 68 Jahren machte er erst den Motorradführerschein und sich am Heiligabend mit Gleichgesinnten treffen macht ihm viel Freude.
„Für mich steht auch der karitative Zweck im Vordergrund, denn ich kannte Ernst auch noch von damals und da ist es mir ein Anliegen auch weiterhin zu spenden“, erklärteStollberg im Gespräch. Die Teilnehmer dieser Aktion kamen aus der Region Koblenz, unter anderem aus St. Goar, aus Dernbach, Mayen und sogar von Altenkirchen, um an diesem Tag dabei zu sein und zu spenden. Weihnachtlich eingestimmt waren sie alle, doch das Treffen zur Mittagszeit wollen sie sich nicht mehr nehmen lassen. Seit fünf Jahren mit dabei war auch Bernd Junglas aus Mendig. „Es gibt so viele arme Menschen in Deutschland und die muss man unterstützen, deshalb bin ich hier. Es ist keine Selbstdarstellung, sondern hier zu helfen ist mein Anliegen“, erklärte dieser im Interview. Seit Jahren ist auch Familie Nöthen mit dabei: „Wir wollen zeigen, das Motorradfahrer nicht nur düstere „Kuttenträger“ sind, sondern auch karitative Geschichten machen können. Verschiedene Gruppierungen treffen hier zusammen, um an den guten Zweck und an Heiligabend zu denken“, erläuterte Familienvater Nöthen. Und zum Abschluss fuhren die Motorradfahrer den geschmückten Weihnachtsbaum direkt zu Ernst auf die andere Rheinseite, dass dieser auch in diesem 2016 seinen eigenen Baum hat. US
Mitinitiator Thomas (Quax) Ullrich legte noch letzte Hand an die Dekoration an seinem, von ihm selbst mitgebrachten Weihnachtsbaum an.
„Biker spenden der Caritas“ so der Aufruf zum diesjährigen Treffen auf dem Platz am Löhrrondell in Koblenz.
Der älteste und der jüngste Teilnehmer an dieser Aktion verstanden sich gleich auf Anhieb. Dieter Stollberg (79 Jahre alt) und Lucas Nöthen (3jahre alt).
