„Heimat?Land!“ #009: Das Rosendorf Löhndorf
von Daniel Robbel
Wer nach Löhndorf, einem Ortsteil von Sinzig, kommt, merkt schnell: Dieses Dorf hat nicht nur Zukunft, sondern auch eine beeindruckende Vergangenheit. Gleich dreimal wurde der rund 1.300 Einwohner zählende Ortsteil mit der Goldmedaille im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft“ ausgezeichnet. Doch Auszeichnungen allein machen noch kein liebenswertes Dorf aus. Es sind vor allem die Menschen, die Löhndorf seinen besonderen Charme verleihen.
Hier werden Nachbarschaft und Gemeinschaft noch großgeschrieben. Zahlreiche Vereine und Gruppen sorgen für ein reges Dorfleben, und Gäste werden mit einer Herzlichkeit empfangen, die man nicht überall findet. Wer ein Stück gelebte Tradition erleben möchte, sollte dem historischen Backhaus einen Besuch abstatten. Viele Familien backen dort bis heute ihr eigenes Brot – ein Duft, der Erinnerungen weckt und Appetit macht.
Auch gefeiert wird in Löhndorf mit Leidenschaft. Die Kirmes zu Ehren des Heiligen Georg am letzten Sonntag im April dauert gleich vier Tage. Hier zeigt sich, dass die Löhndorfer nicht nur arbeiten, sondern auch wissen, wie man das Leben genießt.
Besonders bekannt ist der Ort jedoch für seine Rosen. Ende der 1990er Jahre griff der damalige Ortsvorsteher Friedhelm Münch die Idee eines Löhndorfer Ehepaares auf, sich intensiver mit der „Königin der Blumen“ zu beschäftigen. Daraus entstand etwas Außergewöhnliches und eine Begeisterung, die das ganze Dorf erfasste. Rosen schmücken heute öffentliche Plätze ebenso wie private Gärten. Für dieses Engagement wurde Löhndorf 2004 vom Verein Deutscher Rosenfreunde als „Rosendorf“ anerkannt – eine Ehre, die deutschlandweit bislang nur fünf Orten zuteilwurde.
Dass die Rosen auch künftig in voller Pracht blühen, dafür sorgen die engagierten Rosenfreunde des Dorfes. Und tatsächlich: Im Sommer scheint es fast, als würde ganz Löhndorf in Blütenfarben leuchten.
Eine kleine Überraschung hält das Dorf allerdings noch bereit. Trotz aller Rosenromantik ist das Symbol Löhndorfs nicht etwa die Rose, sondern der Ochse. Der Legende nach wurden die Löhndorfer einst nach dem robusten Rindvieh benannt, dem man eine gewisse Sturheit nachsagt. Ob dieses Urteil heute noch zutrifft, sei dahingestellt. Fest steht jedoch: Wenn sich die Löhndorfer etwas vorgenommen haben, verfolgen sie ihr Ziel mit bewundernswerter Hartnäckigkeit. Ohne diesen langen Atem wäre aus einer Idee wohl kaum eines der bekanntesten Rosendörfer Deutschlands geworden.
Wo gehts hin: Löhndorf
Wo muss ich hin: Ab Sinzig über die Bachstraße in Richtung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Was nehme ich mit: Jede Menge Zeit zum Betrachten der wunderschönen Rosen
Über „Heimat?Land!“
In der Kolumne „Heimat?Land!“ schreibt Daniel Robbel, BLICK aktuell-Journalist und prämierter Reisebuchautor (111 Orte im Ahrtal die man gesehen haben muss, 111 Orte im Westerwald die man gesehen haben muss, 111 Orte an der Sieg die man gesehen haben muss) über die schönsten Ecken in der Region, inklusive Mittelrhein, Ahrtal, Westerwald und Siegtal.
Autor Daniel Robbel. Foto: privat
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