Allgemeine Berichte | 29.10.2025, 15:15 Uhr

Kettiger Heimatkundler entdecken Spuren eines vergessenen Frauenklosters

Heimatforscher auf den Spuren von Werle

Die Heimatkundler vorm Schloß Philippsburg. Foto: privat

Kettig. Seit Jahrzehnten ranken sich Gerüchte um einen geheimnisvollen Ort Namens Werle. Lange war unklar, ob es diesen Ort tatsächlich gegeben hat – und wenn ja, ob es sich um ein Dorf, einen Hof oder gar ein Kloster handelte. Nun bringen engagierte Heimatforscher aus Kettig Licht ins Dunkel.

Im Rahmen ihrer Recherchen besuchten die Kettiger Geschichtsfreunde kürzlich das Europäische Burgeninstitut in der Philippsburg in Braubach – Sitz der Deutschen Burgenvereinigung auf der Marksburg.

Dort wurden sie herzlich von Frau Kappes empfangen und durch die beeindruckenden Archivräume mit ihren dicken Mauern geführt. Die Forscher staunten über die Fülle an historischen Dokumenten, Urkunden und Büchern aus ganz Deutschland und darüber hinaus.

Einige ausgewählte Exemplare über Kettig durften die Gäste einsehen.

Der Wissenschaftler Jens Friedhof stand ihnen dabei Rede und Antwort – nicht nur zum Thema Werle, sondern auch zum Kettiger Kirchturm, der zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert als Grenz- und Wehrturm errichtet wurde.

Das Ergebnis der Recherchen ist bemerkenswert: Die Heimatkundler konnten anhand öffentlich zugänglicher Digitalisate und Fachliteratur belegen, dass Werle tatsächlich existierte. Eine päpstliche Schutzurkunde aus dem Jahr 1231 bestätigt die Aufnahme des Frauenklosters Werle in den Schutz von Papst Gregor IX. und sichert dessen Besitzungen. Ergänzt wird dieser Nachweis durch das Testament des Propstes Gerlach von 1236, in dem Besitzungen und Einkünfte in Werle erwähnt werden.

Beide Dokumente deuten darauf hin, dass Werle ein kirchlich geprägter Ort war – vermutlich ein Frauenkloster, das im 12. oder frühen 13. Jahrhundert gegründet wurde. Über sein späteres Schicksal ist wenig bekannt. Vermutet wird, dass es im 15. oder 16. Jahrhundert – möglicherweise durch die Pest oder kriegerische Auseinandersetzungen – von der Landkarte verschwand.

Ein verstorbener Landwirt aus Kettig berichtete einst von Mauerresten und einem Brunnen auf seinem Feld – Hinweise auf frühere Bebauung. Ob es sich dabei um ein Gehöft, eine Kapelle oder das besagte Kloster handelte, bleibt offen. Die Lage stimmt jedoch mit den Flurbezeichnungen wie „auf dem untersten Neuhof“ überein, die ebenfalls auf eine historische Nutzung hindeuten.

Die Mauerreste wurden leider entfernt, doch der Brunnen existiert noch. Einige Heimatfreunde haben die Stelle bereits mit Sonden, Drohnen und Spaten untersucht – in der Hoffnung, weitere Spuren aus vergangenen Zeiten zu entdecken. Ausklang mit Zukunftsplänen Der Tag endete in geselliger Runde im Café Tante Miesche, wo bereits erste Ideen zur weiteren Erforschung und möglichen Wiederentdeckung von Werle geschmiedet wurden.

Die Kettiger Heimatfreunde sind sich einig: Werle soll nicht länger ein vergessenes Kapitel der Geschichte bleiben.

Weitere Themen

Die Heimatkundler vorm Schloß Philippsburg. Foto: privat

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Kreishandwerkerschaft
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Dauerauftrag
Dauerauftrag 2026
Rund um´s Haus
Empfohlene Artikel
Rhein in Flammen in Koblenz.
8408

Trotz der prognostizierten historischen Niedrigwasserstände findet „Rhein in Flammen“ Koblenz am Wochenende vom 7. bis 9. August 2026 statt. Für die angemeldeten Fahrgastschiffe ist am Samstagabend eine Liegendveranstaltung vor der Festung Ehrenbreitstein vorgesehen. Der traditionelle Schiffskonvoi zwischen Boppard und Koblenz muss hingegen auf Grundlage der aktuellen Wasserstandsprognosen aus Sicherheitsgründen entfallen.

Weiterlesen

Saisonauftakt in kürze
69

Weibern. Der SC Brohltal Weibern startet mit 2 Mannschaften in die neue Saison 2026/27 des Schachbezirks Rhein-Ahr-Mosel. Die 1.Mannschaft tritt in der Bezirksklasse an. In der Reihenfolge der Bretter spielen Mathias Koslowski, Erwin See, Pietro Gaudenti (nur für 3 Spiele bereit), Mike Kutzner, Robert Damiani, Christian Nett und Franz Fröhlke. Es treten 7 Mannschaften an, SF Ochtendung, SC TS Polch,...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Stefan Thoma (links ) kennt den Kreis Ahrweiler schon aus seiner Zeit als Landtagsabgeordneter, hier bei einem Besuch auf Einladung von Ulrich van Bebber Anfang des Jahres.
22

Ahrweiler. Der FDP-Kreisverband Ahrweiler lädt für Montag, 5. Oktober 2026, um 19:00 Uhr zu einer offenen Diskussionsveranstaltung mit dem neu gewählten Landesvorsitzenden der FDP Rheinland-Pfalz, Stefan Thoma, ein. Die Veranstaltung findet im Hotel zum Stern, Marktplatz 9 in Ahrweiler, statt.

Von Ulrich van Bebber aus Bad Breisig

Weiterlesen

zahlreiche Karateka von Nah und Fern
19

Remagen. NACH 26 JAHREN PAUSE war es am vergangenen Wochenende endlich wieder so weit: Die Karate-Abteilung des Turnvereins Remagen von 1877 e. V. lud zu einem großen, überregionalen Lehrgang ein – und setzte damit ein echtes Ausrufezeichen! Als hochkarätige Referentin konnte keine Geringere als Melissa Rathmann gewonnen werden. Die Vizeweltmeisterin und Europameisterin brachte nicht nur ihr Weltklasse-Niveau, sondern auch jede Menge Energie und Inspiration in unsere Halle.

Von Guido Bögeholz aus Bad Neuenahr

Weiterlesen