Fußgruppen sowie Prunk- und Motivwagen vom Feinsten
Heimbach-Weis: Veilchendienstagsumzug in der Karnevalshochburg
Heimbach-Weis. Ob Wagenbauer oder Fußgruppen. Beim Veilchendienstagsumzug in Heimbach-Weis war mal wieder alles vom Feinsten. Nur einer wollte in diesem Jahr nicht mitspielen. Normalerweise in der Karnevalshochburg eine Bank, präsentierte sich das Wetter launisch.
Das Feiern und die gute Stimmung ließen sich die Fastnachtsgecken aber trotz Regen und kühlen fünf Grad nicht nehmen. Als auf dem Rückweg zum großen Finale, mit dem Prinzenwagen an Kercheck, sich sogar kurz mal die Sonne blicken ließ, feierte man den Regenbogen. Den ein oder anderen Zuschauer mag das Wetter hingegen abgeschreckt haben. Die Reihen am Straßenrand waren nicht so dicht geschlossen wie gewohnt. Dabei hatte die Stadt dieses Mal auf den Absperrwahn entlang der L260 verzichtet, so dass ausreichend Parkraum bis fast zur Zugstrecke zur Verfügung stand
. Im Jahr eins vor dem großen 200-jährigen Jubiläum der beiden Karnevalsgesellschaften aus Weis und Heimbach stand der Umzug unter dem Motto: „Zesamme sinn mir niemals allein“. Während zauberhafte Fußgruppen zum Träumen einluden, regten bissige Wagenbauer zum Nachdenken an. Wie aus der Heimbach-Weiser Fassenacht gewohnt, wurde so mancher gesellschaftspolitischer Sprengstoff auf humorvolle Weise entschärft. Immer wieder beeindruckend, auf welche Weise lokalpolitische Themen und das Weltgeschehen aufgegriffen und umgesetzt wurden. Eine Gruppe schipperte Putins Schattenflotte mit originellen Namen wie Kabelklau und Strink-Tanker durch das Dörfje. Der Wagenbautrupp HiLi zeigte sich überzeugt, dass Imperator Putin mit seiner Drohnenarmee untergeht. Die dunkle Seite der Macht verliert halt immer. Die Saupänz steuerten einen pinken Panzer. Motto: „Genderwehr, alle Geschlechter ans Gewehr“. Militärisch waren die Dullmänner ebenfalls unterwegs. Ihr Wagen zierte ein Soldat und ein Glücksrad. Motto: „Dreh am Rad, ab zum Staat“. HiMiRe sorgten im 11. Jahre ihres Bestehens mit ihrem Darth Vaper für mächtig Rauch aus der Kanone. Sie warnten vor den vor allem bei jungen Leuten beliebten Vapes. Endzeitstimmung Weis? Der R-Trupp nahm Anlehnung an den dystopischen Film Mad Max. Das im Dörfje Häuser und Grundstücke für viele junge Familien nicht mehr erschwinglich sind, thematisierte der Kümmel Trupp mit dem „Immo Monopoly“.
Ein Thema war praktisch vorprogrammiert: Die Bürgergemeinschaft Pro Heimbach-Weis bekam ihr Fett für das neue Kapellchen am Weiser Ortseingang weg. Die Kawänzmänner veralberten das Gebäude als Bushaltestelle im nirgendwo nach Mexico. Völlig unpolitisch, aber sicher zu den schönsten Wagen zählend, war das Narrenschiff der Baachwätz. Die Weiser Gruppe fuhr einen Geisterwagen. Förmlich eine Augenweide waren die Prunkwagen der beiden KG´s und der Tollitäten. Die bunt stanniolten Farben ließen die Regenschauer und das triste Grau vergessen. Insbesondere Obermöhn Heike (Stüber) startete mit dicken Koffern und Flugzeug in sonnige Gefilde. Wie schon bei der Gestaltung ihrer Hofburg in der Hauptstraße ließen sich die bekennenden Rock-Fans Prinz Peter III. und Prinzessin Kathi (Hartenfels) im Hard-Rock-Café feiern. Kinderprinzessin Aurelia (Bleidt) entführte die Besucher in ihre Unterwasserwelt. Kinderprinz Yannik I. (Wasser) und sein Gefolge präsentierten die Welt von Super Mario.
Die Fußgruppen waren einmal mehr fantasievoll. Mal bunt, mal verzaubert aber die Umsetzung immer originell mit großer Liebe zum Detail. Manche entsprangen Märchen und anderen Traumwelten. Gondolieri waren ebenso unterwegs wie original Kaasdragers, die den Gouda auf Tragebahren transportierten. Eine Gruppe Wahrsagerinnen war mit ihren Glaskugeln unterwegs. Junge Männer begeisterten als Aquaman. Immens authentisch und in Grüntönen geschminkt begeisterten die Shreks. Heimbach-Weis jüngste Mädchen Fußgruppe machte Appetit auf leckere Nudeln. Der Fantasie waren wieder einmal keine Grenzen gesetzt. Mit einer Portion Schadenfreude wetterte eine Gruppe Panzerknacker über die Millionäre, deren Schließfächer bei der Sparkasse Gelsenkirchen aufgebrochen wurden. Nach dem Umzug verlagerte sich das Geschehen von der Straße in die Festzelte und Gaststätten. Und tags darauf, starteten bei den ersten Gecken schon die Ideenfindungen für die nächste Session. Denn beim 200-jährigen Geburtstag des Heimbach-Weiser Karnevals will schließlich jeder dabei sein. Nach Köln (1823), Koblenz (1824) und Bonn (1826) immerhin der viertälteste im Rheinland.
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Die Shreks begeisterten mit Kostüm und aufwendiger Schminke. Foto: FF
Der Fantasie waren wieder einmal keine Grenzen gesetzt. Foto: FF
Echte Gecken lassen sich vom Wetter weder die Stimmung noch die Laune vermiesen. Foto: FF
Lebensfreude pur. In Heimbach-Weis ist die Fassenacht ein Gefühl. Foto: FF
Bei den Dullmänner entscheidet das Glücksrad wer zur Bundeswehr muss. Foto: FF
Der Fantasie waren wieder einmal keine Grenzen gesetzt. Foto: FF
