Allgemeine Berichte | 02.12.2025, 12:29 Uhr

Weißte wat? Mije schwätzen Platt!

Heimersheimer Mundartabend: Eine Tradition wächst

Die Besucher des Mundartabends in HeimersheimFotos:Beate Linden
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Heimersheim. Der jährliche Mundartabend, der im Vorjahr noch als Experiment in der Begegnungsstätte hinter der Heimersheimer Kirche begann, hat sich inzwischen als feste Veranstaltung etabliert. Dieses Mal fand die Vorstellung im voll besetzten „guten Wohnzimmer“ des Weinhaus Nelles statt. Manfred R. Linden und seine Gruppe präsentierten ein mitreißendes Programm, das durch die gemeinsame Sprache sofort eine Verbundenheit unter den Besuchern schuf.

Günter Odenkirchen eröffnete den Abend mit einem Lied, das nicht nur die lokale Mundart feierte, sondern auch gleich die Übersetzung mitlieferte. Ein Beispiel: Rosenkohl wird hier als „Sprute“ bezeichnet.

Besonders großes Interesse weckte eine Filmsequenz über die Reiterfunken, in der sich viele Anwesende wiedererkannten. Das kleine Funkenpaar Herbert Möhren und Gisela Schreier, geborene Kniel, war ebenfalls anwesend und wurde von allen erkannt.

Irene Thöing erzählte in ihren Anekdoten, was sich früher auf den weniger befahrenen Straßen abspielte. Johanna Gies, geborene Becker und gebürtige Heimersheimerin, teilte ihre Erfahrungen als Mutter einer Karnevalsprinzessin. Ihre Schwester Birgit berichtete aus dem Alltag ihres Vaters, bekannt als Beckesch Haahn, der in den Sechzigerjahren Baumaterial mit einem Holder über die B9 nach Bonn transportierte und dabei die Spitze einer unüberholbaren Kolonne bildete.

Ernst Füllmann begeisterte mit alten Gassenhauern aus einer Zeit, als der Karneval nach Zeiten der Entbehrung wieder an Bedeutung gewann. Manfred Rothe zeigte sein Können als Akkordeonspieler und beendete den ersten Teil des Abends mit der Hymne „Oh du mein Heimersheim“.

Nach einer kurzen Pause, die auch der anwesende Prinz Florian der 1. und sein Hofstaat nutzten, ging es weiter im Programm. Herbert Möhren erinnerte an seine Zeit als Kassierer der Junggesellen und berichtete von den Preisen vergangener Tage, was für Erstaunen und Lachen sorgte. Auch die Tradition des „Heules“ kam zur Sprache, bei der Zugezogene eine Gebühr an den Verein zahlen mussten, wenn sie ein Heimersheimer Mädchen heiraten wollten.

Manfred Linden fand trotz aller Widrigkeiten tröstende Worte: In hundert Jahren sei alles vergessen. Birgit Faure, geborene Becker, sprach über das Heimweh nach Heimersheim und betonte, wie sehr man die Heimat zu schätzen lernt, wenn man in der Ferne lebt. Irene Thöing, geborene Geyer, warnte davor, bei Puppen nicht auf das Aussehen zu achten, da dies zur unerfreulichen Entsorgung derselben führen könne.

Bernd Robrecht, der lange Zeit die Tradition des Kirmesmann-Begräbnisses pflegte, trat ebenfalls auf und sang: „Jerusalem liegt nicht weit von Bethlehem“, bevor er eine Geschichte aus Heimersheim erzählte. Zum Abschluss schmückte der Prinz die Akteure des Abends mit Orden und Pins, und die Volksbank bedankte sich mit einer Flasche Nelles-Wein. Der Abend war rundum gelungen und die Vorfreude auf das nächste Jahr ist bereits groß. BA

Weißte wat? Mije schwätzen Platt! – so lautet das Motto des Mundartabends.

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