Drei ungewöhnliche Protagonisten begeisterten beim 4. Melsbacher Comedy-Abend
Hintergründiger Humor auf der Bühne
Roberto Capitoni, Johannes Flöck und Quichotte sorgten für ein vergnügliches Event
Melsbach. „Du würdest wohl sogar Deine Großmutter verkaufen...“ Antwort: „Noi vermiete, da verdien` ich mehr.“ So skizzierte der Comedian Roberto Capitoni beim 4. Melsbacher Comedy-Abend die Mentalität der sparsamen Schwaben. Da Roberto in Isny im Allgäu geboren wurde, ist er eigentlich selbst ein Schwabe: „Zu einem Drittel und zu einem Drittel Deutscher und zum anderen Drittel Italiener“, sagt Capitoni, der heute in Lahnstein lebt. Er führte gekonnte durch den Abend im voll besetzten Melsbacher Bürgerhaus, wo Ortsbürgermeister etwa 180 Gäste begrüßte. Kein Wunder, denn die Gemeindeverwaltung hatte neben Capitoni zwei hochkarätige Comedians engagiert, die bereits bundesweit in den Medien vertreten waren und sind. Einer von ihnen ist fast ein Lokalmatador, denn Johannes Flöck, er lebt in Köln, wurde 1968 in Koblenz geboren. Seine Eltern hatten in Lützel eine Metzgerei und so ist klar, dass Johannes Flöck von Ernährung und vor allem über Fleisch erzählt: „Die dünnen Wiener Würstchen in der Metzgerei hießen Johannes-Ärmchen.“ Wenn er heute zu Hause ein Steak in der Pfanne hat, meldet sich immer der Rauchmelder: „Bald muss ich mich mit Fleisch raus zu den Rauchern stellen“, glaubt er.
Fleisch geht heute fast gar nicht mehr: „Wenn Du in der Metzgerei einem Kind ne Scheibe Wurst anbietest, machste Dich fast schon strafbar.“ Vegan ist angesagt, doch jetzt sind „Frutarier der neuste Schrei. Die essen nur das, was vom Baum fällt. Also lass nie Dein Kind allein auf einen
Baum...“, warnt der Comedian.
Flöck ist daher in einer Gruppe geheimer Hinterhofgriller. Deren Boss, ein schwergewichtiger Argentinier, hat das Grillen so richtig drauf: „Das Fleisch ist so zart, das kannst Du gar nicht kauen, das muss man wegatmen“, erläutert der Comedian und erhält auch hierfür schallendes Gelächter des Publikums. Fleisch ist auch Thema bei Flöcks Freundin: „Cellulite heißt sexy in Blindenschrift. Ich mag meine Reiterhosen nicht klagt sie. Tipp: Dann zieh sie doch aus...“ Quichotte nennt sich der 1983 in Köln geborene Autor, Slam-Poet, Stand-Up-Comedian und Rapper Jonas Klee. Dieser Komiker besticht auch durch jede Menge Selbstironie. Sprechen, reden, erzählen, singen, rappen, vorlesen, mal langsam, mal in atemberaubenden Tempo. Das alles vereinte Quichotte in seinem Programm. Davon war das Melsbacher Publikum zutiefst amüsiert und beeindruckt, denn es war aufgefordert in der Pause auf Zettel komplizierte Wortgebilde zu schreiben, die Quichotte aus dem Stehgreif komplett in einen Rap über den Brexit einbettete.
Der Comedian spürt sein Alter, er hat Rückenschmerzen: „Mein Arzt sagt: Sie liegen nachts falsch. Was hab ich die letzten 35 Jahre wohl falsch gemacht?“, fragt er sich. Aufgewachsen ist er in einem kleinen Dorf bei Lindlar: “Ich kam dann nach Köln, da gibt’s Sachen, die kannte ich nicht. Ich glaubte eine Stretch Limo wäre ne große Fanta.“ Witze, die Besucher in der Pause aufgeschrieben hatten, trug dann Roberto Capitoni vor und für den besten Witz spendierte er als Preis italienische „Capitoni-Socken“. Capitoni lässt kein Klischee aus, nicht nur in Bezug auf Italien, sondern auch auf das ewige Thema Frauen und Männer. Aber Roberto weiß Bescheid und ist auch so eine Art Frauenversteher, wenn auch gut versteckt. Es taucht als Running Gag auch „Onkel Luigi“, bekannt aus früheren Programmen, auf, der als echter Mafioso Probleme mit „Betonschuhen“ löst. Ein Teil Capitonis Themen spielt sich schon unter der Gürtellinie ab. Aber Roberto serviert das mit italienischem Spezialcharme und so kann man ihm fast nicht böse sein über seine unterdrückten Wutanfälle und Stechmücken auf delikaten Körperteilen. Das scheint so aus dem Leben gegriffen, dass das Publikum ihm ein ums andere Mal Lachsalven und begeisterten Applaus entgegenbringt.
Der galt auch für Ortsbürgermeister Klein, der versprach, nächstes Jahr den 5. Melsbacher Comedy-Abend zu organisieren. #
HEP
Mit viel Action führte Roberto Capitoni durch das Programm.
