Allgemeine Berichte | 06.08.2026, 16:40 Uhr

IHK-Projektarbeit stellt Zusammenhänge her

Römischer Weinbau am Mittelrhein

Blick auf den Wingert in der Römerwelt.

Bad Hönningen. Das Mittelrheintal ist weltbekannt für seine einzigartige Kulturlandschaft, die gleich drei UNESCO-Welterbestätten beherbergt: das Obere Mittelrheintal sowie den Obergermanisch-Raetischen und den Niedergermanischen Limes. Doch eine historische Verbindung gerät zunehmend in den Hintergrund: die gemeinsame Wiege von römischer Geschichte und traditionellem Weinbau.

In seiner IHK-Projektarbeit als Zertifizierter „Kultur- und Weinbotschafter Mittelrhein“ widmet sich der Bad Hönninger Thomas Müller intensiv der Frage, ob die Wurzeln des regionalen Weinbaus in der Antike liegen und wie dieses Erbe heute genutzt werden kann, um das flächenmäßig kleinste deutsche Weinanbaugebiet bekannter zu machen.

Während an der Mosel zahlreiche römische Kelteranlagen gut erforscht und touristisch erschlossen sind, ist die Beweislage im Mittelrheintal subtiler, aber eindeutig. Indizien wie ein möglicher antiker Kelterstein in Koblenz, archäologische Pflanzspuren bei Andernach sowie literarische Zeugnisse – wie die berühmten Gedichte des Venantius Fortunatus aus dem 6. Jahrhundert – legen nahe, dass die Römer nicht nur eine ausgeprägte Trinkkultur, sondern auch den Weinbau an den Rhein brachten.

Einst ein florierender Wirtschaftszweig und ein wesentlicher Grund für die einzigartige Kulturlandschaft, ist die bestockte Rebfläche im Tal im Laufe der Jahrhunderte drastisch von einst 3.600 Hektar im Jahr 1835 auf heute nur noch 378 Hektar geschrumpft.

Müller kritisiert in seiner Analyse, dass die regionalen Museen und Bildungseinrichtungen die historisch eng verknüpften Themen „Römer“ und „Wein“ bisher meist getrennt voneinander präsentieren. Um diesem ungenutzten Potenzial abzuhelfen, schlägt der Autor konkrete, praxisnahe Maßnahmen vor: So könnten Ausstellungshäuser wie die RömerWelt in Rheinbrohl oder das Landesmuseum Koblenz ihre Konzepte durch integrierte Themengärten, originalgetreue Kelter-Nachbauten als Modell und erlebnisorientierte Weinbergswanderungen bereichern.

Mit den nach römischem Vorbild gesetzten Reben ist das Thema bereits in der RömerWelt präsent. Mit zielgerichteten Verkostungen historischer Spezialitäten, wie des römischen Honigweins „Mulsum“, wird dort bereits die zweitausendjährige Weinkultur für Besucher bei Thementagen händisch und geschmacklich erlebbar gemacht. Dennoch sollte dieses Thema in unserer Region zukünftig mehr Aufmerksamkeit zuteil werden. Die Arbeit liefert damit wertvolle und, um das touristische Profil des Mittelrheins nachhaltig zu schärfen.

Weinlese 2023 in der RömerWelt mit historischem / römischem Rebmesser.

Weinlese 2023 in der RömerWelt mit historischem / römischem Rebmesser. Foto: Frank Wiesenberg

Blick auf den Wingert in der Römerwelt. Foto: Frank Wiesenberg

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