Allgemeine Berichte | 26.01.2022, 10:47 Uhr

Diplomrestaurator Olaf Pung erläuterte seine Arbeiten an der Sinziger Marmorstatue von 1897

Idolino, das kleine Idol

Eine Kopie von hoher Qualität

Das Werk ist vollbracht: Diplomrestaurator Olaf Pung betrachtet es zusammen mit Museumsleiterin Agnes enacher. Fotos: Denkmalverein
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Sinzig. Der Idolino ist zurück, jener klassische Jüngling aus dem 19. Jahrhundert, der im Sinziger Schloss und damit im HeimatMuseum Schloss Sinzig zu Hause ist. Die Rückkehr von einem längeren Reha-Aufenthalt ist zwar schon etwas her, Gelegenheit, dies der Öffentlichkeit zu präsentieren, hatte sich aber bisher für den Förderverein Denkmalpflege und Heimatmuseum nicht ergeben.

Nun also war es so weit, Museumsleiterin Agnes Menacher und Vereinsvorsitzender Hardy Rehmann hatten zum „Turmgespräch im Schloss“ Restaurator Olaf Pung zum Vortrag eingeladen. Er hatte zusammen mit seiner Frau die Auffrischungs- und Reparaturarbeiten in seiner Werkstatt in Thür durchgeführt.

Olaf Pung ist ein Mann vom Fach – Diplomrestaurator (FH) und Meister im Steinmetz/Steinbildhauerhandwerk, sodass der an diesem Abend wohl pandemiebedingt nur kleine Zuhörerkreis Hochinteressantes erfuhr über den kunstgeschichtlichen Hintergrund der Figur und zu Details der Arbeiten am Objekt. Veranlasst wurden die Arbeiten 2018 durch das städtische Bauamt.

Kunstgeschichtlicher Hintergrund der Idolino-Figur ist nicht ganz klar

Der kunstgeschichtliche Hintergrund der Idolino-Figur ist nicht ganz klar. Handelt es sich um einen Idealtyp aus der griechischen Klassik, der in der Römerzeit kopiert wurde oder um einen frei interpretierbaren Entwurf der selben Epoche? Der Name bedeutet „kleines Idol“, eine Art „Göttchen“, wie Pung ausführte. Es existiert der Idolino von Pesaro, eine Bronzestatue eines nackten Jünglings aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, ausgestellt im Historischen Museum Florenz. Solche Schöpfungen finden sich häufig in der römischen Kunst, sie wurden sowohl in Marokko wie am Niederrhein gefunden, von Pung an Beispielen verdeutlicht. Immer wieder gaben sie Anlass zu Nachbildungen, vor allem im 19. Jahrhundert war dies eine Mode in wohlhabenden, humanistisch gebildeten Gesellschaftsschichten – weshalb wohl auch der Sinziger Idolino angeschafft wurde. Den Skulpturen nach klassischem Vorbild wurden teilweise kuriose Beigaben zugedacht – etwa ein Tablett, Weinlaub als Schmuck oder gleich die Funktion eines Beistelltisches.

Das ist dem Sinziger Idolino erspart geblieben. Er stammt höchstwahrscheinlich von dem seinerzeit sehr prominente Bildhauer Ferdinand Seebroeck (1864 -1952) aus Wien, angefertigt 1897. Dass sich Idolino an einen Baumstumpf lehnt, zählt nicht zum überflüssigen Beiwerk – ohne ihn hätte die Skulptur keine Stabilität. Pung kann den Meister nur loben, ihm ist eine sehr qualitätsvolle Umwandlung einer Bronzefigur in Marmor gelungen. Allerdings war sie zuletzt vergraut, zudem galt es, eine nicht fachgerechte Anbringung eines abgebrochenen Fingers zu korrigieren und die Hand zu ergänzen – man hatte seinerzeit tatsächlich einen handelsüblichen Alleskleber verwendet. Der Grauschleier ist weg, der Idolino erstrahlt in wahrhaft hellem Glanz, unter anderem nach einer Reinigung per Mikrodampfgerät.

Und er steht auch wieder an seinen angestammten Platz im lange als Trauzimmer genutzten Erker hinter dem Kultursaal. Dort hatte er vor Jahren weichen müssen, weil sich angeblich Hochzeitsgesellschaften über den nackten jungen Mann beschwert hatten. Derzeit ist der Raum nur mit der Figur bestückt, was seine optische Wirkung stark fördert. Es ist ein Wunsch von Museumsleiterin Agnes Menacher, dass der Erker künftig nicht mehr regelmäßig genutzt würde mit Rücksicht auf die Polsterbänke an den Wänden und den Fußboden. Die Räume wurden erst vor kurzem aufwendig an Wand, Boden und Decke restauriert.

Für seine Arbeit und den Vortrag dankte Hardy Rehmann dem Referenten – die detaillierten Informationen zur Figur und ihrem Hintergrund waren auf großes Interesse im Saal gestoßen. Zu seiner nächsten Veranstaltung lädt der Denkmalverein am Donnerstag, 24. März ein. Dann spricht Vereinsmitglied Achim Habbel zum Thema „Katastrophen in der Antike“.

Pressemitteilung des

Denkmalvereins Sinzig

Das Anschauungsobjekt immer im Blick: Vortrag zum Idolino im Kultursaal des Schlosses.

Das Anschauungsobjekt immer im Blick: Vortrag zum Idolino im Kultursaal des Schlosses.

Das Werk ist vollbracht: Diplomrestaurator Olaf Pung betrachtet es zusammen mit Museumsleiterin Agnes enacher. Fotos: Denkmalverein

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