Allgemeine Berichte | 18.01.2021

TV-Sendung zur Wanderausstellung on Konrad Sabel in Andernach

Jenseits aller Menschlichkeit

Im Offenen Kanal Andernach

Otto Kaiser produzierte einen Beitrag zur Vorstellung der Wanderausstellung „Jenseits aller Menschlichkeit“ in Andernach. Foto: privat

Andernach. Am 27. Januar 1945 wurden die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau von Soldaten der Roten Armee befreit. Bei dieser Tötungseinrichtung handelte es sich um das größte Vernichtungslager des NS-Regimes. Der 27. Januar ist ein Tag des Gedenkens an die Menschen, die dem Holocaust, dem millionenfachen Massenmord und den Gräueltaten der Nationalsozialisten zum Opfer fielen. Auch an Andernach ging die Zeit des Nationalsozialismus nicht spurlos vorüber. Auch wenn 1932 in Andernach vergleichsweise wenige Menschen jüdischen Glaubens lebten, wurde im Jahr 1932 Ecke Moltkestraße die Grundsteinlegung für den Bau einer jüdischen Synagoge vorgenommen. Die Andernacher Volkszeitung berichtete ausführlich über diesen Festakt. Über dem Eingang sollte folgende Inschrift angebracht werden: „Haben wir nicht alle einen Vater, hat uns nicht ein Gott geschaffen, warum sollten wir treulos sein zu einer anderen“.

Fertiggestellt wurde der Bau am 30. Mai 1933, nach dem Antritt Hitlers. Der Bericht der Andernacher Volkszeitung am 02. Juni lautete wie folgt: Die Weihe der neuen Synagoge fand am Dienstagabend in aller Stille im Beisein der jüdischen Bevölkerung statt. Nicht bekannt ist die Tatsache, warum nicht auch andere Andernacher an der Weihe nicht teilnahmen. War es Gleichgültigkeit, aus religiöser Überzeugung, aus Hass, aus Rassenüberheblichkeit oder Feigheit?

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 – Reichspogromnacht - wurde die erst im Mai 1933 fertiggestellte Synagoge – Ecke Güntherstraße/Moltkestraße – durch Brandstiftung zerstört. Angeblich handelte es sich um eine nach Mitternacht angeordnete Brandstiftung, über die zuvor die Ortspolizei und – zur Sicherstellung des Brandschutzes für die Nachbarhäuser – auch die Feuerwehr unterrichtet wurden.

Das Schicksal der letzten Andernacher Juden ist nicht bekannt. Am 1. September 1941 wurden die jüdischen Mitbürger verpflichtet in der Öffentlichkeit den Judenstern zu tragen.

Neben dem bedrückenden Schicksal der jüdischen Menschen in Andernach muss aber auch einer weiteren Gruppe von Menschen gedacht werden. Diese Menschen wurden zumindest numerisch der statistischen Einwohnerzahl hinzugerechnet: die Patienten der Heil- und Pflegeanstalt. Von einem Geheimerlass Hitlers vom 1. September 1939 zur legalisierten Tötung „von lebensunwertem Leben“ war auch die Andernacher Anstalt betroffen. Zudem war Andernach als „Zwischenanstalt“ Sammelort für Heil- und Pflegeanstalten im südlichen Teil der Rheinprovinz. Hier wurden die Transporte zum Weitertransport zur Vergasung in Hadamar zusammengestellt.

Der Begriff „lebensunwertes Leben“ umfasste im Kern die Menschen, die nicht in der Lage waren produktive Arbeit zu leisten, sie galten als „unnötige Esser“. Waren zu Beginn der Aktion „nur“ Menschen die als unheilbar und nicht mehr arbeitsfähig galten betroffen, wurde die Maßnahme auch auf missgebildete Kinder und geisteskranke Erwachsene ausgeweitet. Den Angehörigen wurden erfundene Todesursachen mitgeteilt. Durch die Häufung der Geschehnisse blieb die „Aktion“ in der Bevölkerung nicht unbemerkt. Auch wenn Hitler im August 1941 das Ende der „Aktion“ anordnete, wurden auch danach noch unheilbar Kranke systematisch ermordet. Die Menschen wurden in großen Bussen mit verhängten Fenstern sowohl in Andernach angeliefert, als auch nach Hadamar abtransportiert. Von der Andernacher Bevölkerung wurden diese Busse gesehen. Man hatte von den Todesurteilen gehört und die Gerüchte gekannt. Es war bekannt, dass etwas Furchtbares geschah. Es bleibt die Frage, ob die Bürger der Stadt Andernachs wirklich nichts gegen das Verbrechen tun konnten oder einfach nicht wollten. Unbestreitbar sind das Versagen und die Schuld der damaligen Ärzte und dem Personal. Wie schnell und gerne wurde dieses Kapitel, der Tötung von „lebensunwertem Leben“, in der Stadtgeschichte „vergessen“? 1.828 Menschen, wurden von der Zwischenanstalt der Ermordung zugeführt.

Jenseits aller Menschlichkeit heißt die von Konrad Sabel initiierte Wanderausstellung. Tenor dieser Veranstaltung ist, darauf hinzuweisen, dass die Jungen nicht verantwortlich sind für das, was damals geschah, aber wir Alle haben die Pflicht eine Wiederholung unmöglich zu machen. Als Schirmherr fungiert der SPD-Landtagsabgeordnete Marc Ruland. Kai Seebert, Leiter des Andernacher Stadtmuseums, erläuterte die Möglichkeiten der musealen Einrichtung in Bezug auf dieses wichtige Thema.

Die Vorstellung der Wanderausstellung wurde von Otto Kaiser aufgezeichnet. Zu sehen ist die Aufzeichnung unter dem Titel „Jenseits der Menschlichkeit“ im TV-Programm des Offenen Kanals Andernach. Die Sendezeit erfahren Sie aus dieser Zeitschrift oder unter OK4.de im Internet. Das Tagesprogramm und alle Sendungen können im Livestream im Internet und in der Mediathek angesehen werden.

Otto Kaiser produzierte einen Beitrag zur Vorstellung der Wanderausstellung „Jenseits aller Menschlichkeit“ in Andernach. Foto: privat

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