Allgemeine Berichte | 09.05.2019

Medizinisches Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) öffnet in der Neuwieder Innenstadt

Junge Menschen medizinisch begleiten

Menschen mit Behinderung medizinisch ins Erwachsenenleben zu begleiten, hat sich das Zentrum zur Aufgabe gemacht. Foto: MZEB/Rlp-Nord

Neuwied. Seit März bietet das Medizinische Zentrum für Erwachsene mit Behinderung Rheinland-Pfalz Nord in der Andernacher Straße 70 (im Seuser Gebäude gegenüber der Deichwelle) mit einem unter fachärztlicher Leitung und mit einem Team von Fachleuten eine neue medizinische Versorgung für Menschen mit schweren Behinderungen an.

Von der Kinder- und Jugendmedizin in die Erwachsenenmedizin

Gegründet und betrieben wird das neue MZEB-RLP-Nord von fünf gemeinnützigen Trägern: vom Heiltherapeutischen Zentrum in Neuwied (HTZ), den Kreisvereinigungen der Lebenshilfe in Mayen und Ahrweiler, dem Lebenshilfe Landesverband Rheinland-Pfalz in Mainz und der St. Martin Behindertenhilfe Düngenheim. Das HTZ Neuwied leistet in der Region seit Jahrzehnten die spezielle Versorgung von Kindern- und Jugendlichen mit Behinderungen. Ab dem 18. Lebensjahr war dies jedoch nicht mehr möglich, hier gibt es jetzt das MZEB-RLP-Nord.

„Die Überleitung der Menschen mit Behinderungen aus der Kinder- und Jugendmedizin in die Erwachsenenmedizin, die sogenannte Transition, ist einer der Schwerpunkte unserer Arbeit“ betont Frau Dr. Neumann, die Chefärztin der Einrichtung. „Auch und gerade für junge Erwachsene mit Behinderung ändern sich nach dem Schulbesuch die Aufgabestellungen, sie kommen mit vielen neuen Bezugspersonen zusammen und müssen sich trotz der gesundheitlichen Probleme und Behinderungen in Ausbildung und Beruf anpassen. Einige Betroffene und ihre Familien beginnen in dieser Zeit langsam mit der Abnabelung und wollen möglichst eigenständig leben lernen. Dies erfordert weiterhin eine stabile gesundheitliche Versorgung im Hintergrund. Wir sind froh, dass wir einerseits direkt an die Arbeit des HTZ anknüpfen können“, so Dr. Neumann, „und andererseits allen Menschen mit schweren Behinderungen eine gute Unterstützung bieten können. Häufig gehen Fähigkeiten verloren, weil die medizinische Behandlung wegen der vielfältigen Probleme und vielen anderen alltäglichen Anforderungen in den Hintergrund tritt.“

Aufgabe des MZEB ist es, die Patienten, ihre Angehörigen und betreuenden Personen zu begleiten und zu beraten, um eine fachgerechte medizinische Versorgung sicher zu stellen. Die Krankheitsbilder sind verbunden mit Beeinträchtigungen verschiedener Körperfunktionen, Aktivitäten und Behinderungen. Die Mitwirkungsmöglichkeiten der Betroffenen sind oft durch mögliche fehlende Sprache eingeschränkt oder nicht gegeben. Die Fülle der im Einzelfall notwendigen diagnostischen, therapeutischen und rehabilitativen Maßnahmen erfordert spezielle ärztliche Erfahrung. Dafür pflegt das MZEB intensive Zusammenarbeit mit den weiteren Berufsgruppen, die den Patienten im Alltag betreuen. Das für die Aufgaben benötigte Zeitbudget steht dem MZEB im Gegensatz zu dem üblichen Versorgungsalltag zur Verfügung. Ein wichtiges Aufgabenfeld für das MZEB ist es, den Krankheitsverlauf sorgfältig zu untersuchen, richtig zu deuten und zu behandeln. Gerade bei Menschen mit Behinderungen treten Erkrankungen, Komplikationen, altersbedingte Symptome, Ängste und Schmerzzustände anders auf, als bei Menschen ohne Behinderung.

Auch Verschleißerscheinungen und Komplikationen treten oft früher und anders auf als bei Patienten ohne Behinderung. Weiterhin treten bei mehr als der Hälfte der Betroffenen seelische Begleitkrankheiten in Form von Angst und Depression auf. Auch Panik und Unruhe sind häufig und bedürfen spezieller Erkennung und Behandlung, die in der Regelversorgung oft nicht geleistet werden kann.

Das neue Team arbeitet medizinisch-therapeutisch, neurologisch und neurorehabilitativ. Hierdurch können auch Patienten mit schweren neurologisch bedingten Behinderungen und Problemen beraten und betreut werden. Für die Erweiterung der multiprofessionellen Kompetenz wird derzeit nach einem internistischen oder allgemeinärztlichen Facharzt/Fachärztin gesucht. Für die Zukunft werden weitere Standorte des MZEB-RLP-Nord in Mayen-Düngenheim und später in Ahrweiler entstehen, damit der Norden von Rheinland-Pfalz flächendeckend barrierefrei versorgt wird.

Kontaktaufnahme mit dem MZEB-RLP-Nord

Fon 02631-9430460 oder

zentrale@mzeb-rlp-nord.de .

Menschen mit Behinderung medizinisch ins Erwachsenenleben zu begleiten, hat sich das Zentrum zur Aufgabe gemacht. Foto: MZEB/Rlp-Nord

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