Allgemeine Berichte | 07.09.2019, 13:44 Uhr

Schängelheim – das absolute Ferienerlebnis

Kinder erhalten Einblicke in die Verwaltung einer Stadt

Offizielle Eröffnung der Kinderspielstadt durch den ersten angemeldeten Schängelheimer Bürger. Fotos: HH
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Koblenz. Auch wenn die Ferienfreizeit des Kreisverbandes der AWO schon vier Wochen vorüber ist und die Bewohner der Kinderspielstadt „Schängelheim“ längst wieder ihre Schulbücher ausgepackt haben, bleibt doch eine starke Erinnerung an das Erlebte in „Schängelheim“. Schängelheim war die Kinderspielstadt, in der Kinder und Jugendliche zwischen 6 bis 15 Jahren in den Sommerferien die Strukturen einer echten Stadt erfahren haben. Spielerisch hatten die Kinder die Möglichkeit, mit einem ausgebildeten Betreuerteam die Funktionsweisen von Gemeinwesen und Demokratie sowie ökonomische und ökologische Aspekte kennenzulernen. Mit dem Durchschneiden des Bandes durch den ersten angemeldeten „Bürger“ wurde Schängelheim offiziell eröffnet und somit ging es für rund 100 bis 140 Kinder pro Woche in eine aufregende Zeit. Zwischen Schreinerei, Schneiderei, Beautysalon, Bank, Post, Stadtverwaltung, Arbeitsamt, Radio, Fernsehen, Zeitung, Juwelier, Gärtnerei, und einem kulturellen Angebot, zum Beispiel Theater, bestanden für die Bewohner viele Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. Ein erstes Highlight war am zweiten Tag der Besuch des Oberbürgermeisters der Stadt Koblenz David Langner, der sich – begleitet vom Fernsehteam des SWR sowie der Vorsitzenden des Kreisverbandes Christiane Heinrich-Lotz – ein Bild von Schängelheim machte. Da in dieser Stadt auch jede Woche ein/e Bürgermeister/in gewählt wurde, stand David Langner dann in der Pflicht, die erste Bürgermeisterin Schängelheims unter dem Jubel der Bewohner ins Amt einzuführen. Das schöne Wetter lockte natürlich auch viele Bienen und Wespen an, die gleich in der ersten Woche für einen Streik sorgten, nachdem die gewählte Bürgermeisterin die Bienen und Wepsen töten wollte. Hierauf gab es den ersten Streik der Bevölkerung, die sich für die nützlichen Tiere einsetzten. Am Ende gab die Bürgermeisterin auf und es wurden in der ganzen Stadt von der Gärtnerei Blumen aufgestellt. In der zweiten und dritten Woche besuchten die Bürgermeisterin Ulrike Mohrs und Bundestagsabgeordneter Detlev Pilger, jeweils bepackt mit Eis und Geschenken, die Kinderspielstadt Schängelheim.

Gerüchte über Schwarzgeld

Beim Hauptzollamt Koblenz gingen Gerüchte über dubiose Geschäfte, verbunden mit Schwarzgeld im Schängelheim, ein. Dieses Gerücht nahm sich das Hauptzollamt Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit zur Aufgabe, Schängelheim in der vierten Woche einen Besuch abzustatten. Bei den Bewohnern Schängelheims entstand beim Anblick des mit Blaulicht heranfahrenden Pkws mit der Aufschrift Zoll eine gewisse Unruhe: „Was will denn der Zoll?“. Zwei freundlich uniformierte Zollbeamte erklärten dann mit strenger Miene dem Bürgermeister die Situation und begaben sich gleich auf das Gelände zur Befragung der einzelnen Betriebe. Nach 1,5 Stunden Befragung stand das Ergebnis fest: Es wurde in zwei Betrieben Schwarzgeld festgestellt – ein Vergehen, das zu einer Strafe von 5.000 Schängel-Gulden führte. Somit war jeder Betrieb pleite, die Stadt war nicht mehr in der Lage weitere finanzielle Geschäfte durchzuführen. Diese Aktion war im Vorfeld in freundlicher und dankeswerter Weise zwischen Martin Ott, dem Leiter Jugendarbeit beim Kreisverband und dem Hauptzollamt Koblenz, abgesprochen. Die beiden Zollbeamten führten diese Arbeit mit viel Einfühlungsvermögen und Akribie durch. In der fünften Woche erhielten die Bewohner Besuch von einigen Spielern der TuS Rot-Weiß-Koblenz, die in der letzten Saison in die Rheinland-Liga aufgestiegen sind. Nach einem kleinen Spiel gegen etwa 45 Kinder auf dem AWO-eigenen Soccer-Court, bei dem die fünf Spieler von Rot-Weiß knapp mit 3:2 verloren haben, bestand die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Autogramme zu erlangen. Jede Woche erwirtschafteten die Kinder ihr eigenes Geld, welches jeden Montag in Form von Schängel-Mark, Schängel-Schilling, Schängel-Franc, Schängel-Gulden, Schängel-Franken und Schängel-Lux von der Bank ausgegeben wurde. Mit großer Begeisterung nahmen jeden Morgen die Bürger von Schängelheim ihre Arbeit auf. Viele Tränen wurden von denen vergossen, die jeweils am Ende ihres Aufenthaltes Schängelheim verlassen mussten, um mit ihren Eltern auch noch ein paar Ferientage zu verbringen. Dass Schängelheim überhaupt funktionieren konnte, ist Martin Ott mit seinem Betreuerteam zu verdanken. Bereits eine Woche vor Beginn der Ferienfreizeit wurden bei extremen Temperaturen die Hütten und Zelte aufgebaut, damit Schängelheim planmäßig eröffnet werden konnte. Auch auf ein gut funktionierendes Küchenteam von insgesamt sieben Personen konnte sich der Leiter der Jugendarbeit verlassen. Dieses Projekt der Ferienfreizeit, auf das Martin Ott gut zwei Jahre hingearbeitet hat, war und ist für Koblenz ein absolutes Highlight. Es war einzigartig – aber es bleibt zu hoffen, dass weitere Schängelheime folgen werden.

David Langner, Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, machte sich mitsamt Fernsehteam ein Bild von der Stadt.

David Langner, Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, machte sich mitsamt Fernsehteam ein Bild von der Stadt.

Besuch der Schängelheimer durch Spieler der TuS Rot-Weiß-Koblenz.

Besuch der Schängelheimer durch Spieler der TuS Rot-Weiß-Koblenz.

Zwei Zollbeamte führten auf der Fahndung nach Schwarzgeld eine Befragung der Bürgerinnen und Bürger durch.

Zwei Zollbeamte führten auf der Fahndung nach Schwarzgeld eine Befragung der Bürgerinnen und Bürger durch.

Offizielle Eröffnung der Kinderspielstadt durch den ersten angemeldeten Schängelheimer Bürger. Fotos: HH

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