Allgemeine Berichte | 29.05.2019, 13:17 Uhr

Erklärung der Kreissynode Bad Godesberg-Voreifel zur Kinderarmut

Kinderarmut in Deutschland und auch in unserer Region wahrnehmen

Bonn-Bad Godesberg. 1969 lebte jedes 73. Kind von Sozialhilfe, 2016 jedes siebte Kind. Kinderarmut nimmt in Deutschland zu. Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung ist sie von 2011 bis 2015 bundesweit von 14,3 Prozent auf 14,7 Prozent gestiegen, in NRW von 17 Prozent auf 18,6 Prozent , und in Bonn von 18,2 Prozent auf 20,6 Prozent.

Kinderarmut ist Familienarmut. Der Kern ist materielle Armut. Diese materielle Armut ist relativ zum Lebensstandard der Bevölkerung. Sie bedeutet vor allem, dass Kindern nicht die notwendigen materiellen Voraussetzungen zur Teilhabe am Leben der Gesellschaft, an Bildung und Entwicklungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Folgen der Kinderarmut lindern

Die Synode dankt allen, die sich in Politik und Gesellschaft für eine Bekämpfung der Kinderarmut einsetzen. Sie begrüßt, dass viele Maßnahmen beschlossen und zum Teil schon umgesetzt wurden, die die Lebenssituation betroffener Kinder verbessern. Dazu gehören unter anderem der Ausbau der Kindertageseinrichtungen und des Offenen Ganztags (OGS) in den Grundschulen, das „Bildungs- und Teilhabepaket“ (Sportverein, Nachhilfe) sowie das kostenlose Mittagessen für bedürftige Kinder in den Offenen Ganztagsschulen im Bereich der Stadt Bonn. Die Synode unterstützt z. B. die diesbezüglichen Beschlüsse des Rates der Stadt Bonn; weitere entsprechende Beschlüsse auch in anderen Kommunen wären hilfreich. Die Synode begrüßt die Arbeit des Runden Tisches gegen Kinder- und Familienarmut (RTKA) in Bonn. Sie dankt der Diakonie für ihre Arbeit gegen Kinderarmut. Die Synode stellt fest, dass alle diese Maßnahmen und Aktivitäten bisher nicht ausreichen, um Kinderarmut wirksam zu bekämpfen. Eine Verstärkung der Anstrengungen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene ist dringend erforderlich.

Kinderarmut wirksam bekämpfen

Um Kinderarmut wirksam zu bekämpfen, ist ein grundlegendes Umdenken in Kirche, Politik und Gesellschaft notwendig. Deshalb fordert die Synode: Eine öffentliche Debatte über die Einführung einer Kindergrundsicherung, die die materiellen Voraussetzungen für Teilhabe, gesunde Entwicklung und gute Bildung schafft.

Die Ausstattung der Kindertageseinrichtung und Schulen mit qualifiziertem Personal und quantitativ und qualitativ angemessenen Räumen. Dazu müssen deutlich mehr Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer sowie andere Fachkräfte ausgebildet und eingestellt werden. Das Landesprogramm „Gute Schule 2020“ muss auch in unserer Region umgesetzt werden.

Die konsequente Ausrichtung aller Bildungseinrichtungen auf Förderung der von Armut betroffenen Kinder durch entsprechende Gestaltung der Lehrpläne, des Unterrichts und der Betreuungszeiten.

Eine Verbesserung der Gesundheitsvorsorge durch die öffentliche Hand in Schulen und Einrichtungen.

Ein umfassendes Programm zur Stärkung der Familien und Unterstützung bei der Erziehung der Kinder.

Die Synode bekräftigt, dass die Evangelische Kirche den Beitrag zur Bekämpfung der Kinderarmut leisten will. Dazu gehört die Arbeit der Diakonie, die Förderung der Kinder in kirchlichen Kindertageseinrichtungen und in der Arbeit der Kirchengemeinden genauso wie das öffentliche Eintreten für bessere Lebensbedingungen benachteiligter Kinder.

Pressemitteilung Ev. Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel

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