Leserbrief zum Neubau der Kita in Heimersheim
Kita in Heimersheim: „Städtebaulicher Offenbarungseid“
Was uns in Heimersheim derzeit als Planung für den Neubau der Kita im Pfarrgarten präsentiert wird, gleicht einem städtebaulichen Offenbarungseid. Erinnern wir uns an die ursprünglichen Überlegungen, die 2024 Grundlage der Diskussion waren: Eine vom Betonanbau befreite Basilika, ein offener Dorfplatz, Begegnungsräume und der Erhalt unserer „grünen Lunge“ samt Bouleplatz. Von all dem ist nichts geblieben. Stattdessen soll nun eine Lösung durchgesetzt werden, die nicht nur den ehrenamtlich gepflegten Pfarrgarten - unsere „Stadtoase in Heimersheim“ - zerstört, sondern auch elementare Fragen der Sicherheit und Logistik ignoriert.
Erstens: das Sicherheitsrisiko. Wir reden hier von einer sechsgruppigen Einrichtung im engen, historischen Ortskern. Diese stellt besondere Anforderungen an den Brandschutz. Wurde ernsthaft geprüft, wie Feuerwehrfahrzeuge im Notfall durch die engen Gassen rechtzeitig zum rückwärtigen Bereich der Kirche gelangen sollen? In einem historischen Stadtkern, der nie für dieses Verkehrsaufkommen und dieses Szenario konzipiert wurde, ist ein Chaos vorprogrammiert, das im Ernstfall Menschenleben kosten kann.
Zweitens: das Verkehrschaos in der Johannis- und Mauritiusstraße. Wo sollen Mitarbeitende parken? Wo Eltern aus anderen Stadtteilen? Wer die Situation vor Ort kennt, weiß, dass diese Nadelöhre die zusätzliche Last von 160 Kindern im Hol und Bringverkehr nicht tragen können. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass sich dieser Verkehr quasi wie „von selbst“ auflöst. Ohne die ursprünglich versprochene große Freifläche fehlt der Raum für eine sichere Infrastruktur – und damit für einen geordneten Ablauf.
Drittens: die Mär von der Unumkehrbarkeit. Dass der Haupt- und Finanzausschuss dem Projekt zugestimmt hat und nun der Eindruck erweckt werden soll, alles sei bereits „unumkehrbar“ beschlossen, widerspricht dem Grundgedanken demokratischer Beteiligung. Die Voraussetzungen, unter denen der Ortsbeirat seinerzeit seine Zustimmung gab, haben sich grundlegend verändert. Eine geänderte Sachlage erfordert eine neue Bewertung – nicht das sture Festhalten an einer Fehlplanung, nur weil man sich nicht eingestehen will, dass das Projekt offenkundig am falschen Standort angesiedelt ist.
Viertens: die wirtschaftliche Fragwürdigkeit. Es bleibt dem Steuerzahler unvermittelbar, warum auf einem kirchlichen Grundstück gebaut werden soll, verbunden mit einem Erbpachtmodell, während städtische Flächen mit besserer Anbindung zur Verfügung stünden.
Fazit: Wir brauchen eine Kita – darüber besteht Einigkeit. Aber wir brauchen sie an einem Standort, der funktioniert: für die Kinder, für die Sicherheit und für die Menschen, die hier leben. Ein Projekt dieser Größenordnung verdient eine Lösung, die den Ort Heimersheim stärkt, nicht überfordert.
Markus Mombauer
Heimersheim
