Abend mit Umweltmediziner in Lahnstein brachte zahlreiche Denkanstöße zur Diskussion
Klimawandel fordert weltweiten Sinneswandel
Lahnstein. „Klimawandel – was ändert unser Leben?“ war ein Abend im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Oberlahnstein überschrieben, zu dem das Pfarramt für Gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat Nassauer Land eingeladen hatte. Dr. Thomas Bernhard von der Kreisgruppe Koblenz des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wies als Referent auf die Ursachen der Erderwärmung hin und deren katastrophalen Folgen. Anschließend diskutierten die Besucher, wie jeder Einzelne konkret dazu beitragen kann, dem Klima- einen Sinnes- und Handlungswandel im Alltag entgegenzusetzen.
Das ganze Leben basiert auf dem Klima
Dr. Thomas Bernhard machte mit informativen Daten schnell klar, wie stark das gesamte Leben auf dem Klima basiert, „denn die gesamte Vegetation und damit auch die Lebewesen müssen sich an die Temperaturen anpassen, um zu überleben“. Dies werde gerade in den südlichen Ländern durch Dürre, Wassermangel, aber auch Starkregen und Hurrikans immer schwieriger. „Beim Pariser Klimagipfel wurde allen Teilnehmern deutlich, dass das Überleben von Milliarden Menschen bedroht ist, wenn sich nichts ändert“. Als Ziel wurde vereinbart, weltweit deutlich unter zwei Grad, möglichst bei eineinhalb Grad Erwärmung zu bleiben.
Der Umweltmediziner kritisierte, dass die Bundesregierung im Widerspruch zu dieser Vereinbarung das Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien so verändert habe, „dass angeblich aus Kostengründen der Zubau bei der Solarenergie auf ein Fünftel der vergangenen Jahre gesenkt wurde“. So würde die CO-2-Nullemission erst in 2150 erreicht. Nach einer Studie müssten aber die Klimaschutzmaßnahmen sehr verschärft werden, sodass die Industrieländer schon 2035 in Energieerzeugung, Gebäudewärme und Verkehr bei null sind.
Dr. Thomas Bernhard propagierte unter anderem eine CO-2-Lenkungsabgabe auf die Rohstoffe Öl, Gas und Kohle, um eine Senkung des Ausstoßes zu erreichen. Er verwies dabei auf das Schweizer Modell, das den sparsamen Verbraucher belohne und diejenigen, die viel CO-2 ausstoßen, finanziell stärker belastet. Bernhard: „Dieses Modell – ohne Ausnahmen – umgesetzt, wäre gerecht, würde betriebswirtschaftliches Denken und Umweltbewusstsein zur Deckung bringen und könnte weltweit dabei helfen, eine Katastrophe abzuwenden.“
Weniger ist mehr
In der anschließenden Diskussion mit Dr. Thomas Bernhard, der mit einem Elektro-Auto nach Lahnstein gefahren war, wurden viele kleine Schritte bei Fortbewegung, Ernährung und Einkaufsverhalten angesprochen, mit denen jeder Einzelne im Überdenken seines Lebensstils dazu beitragen könne, den Klimawandel zu verlangsamen. Dazu zähle nicht nur bei der Nutzung von Auto oder Flugzeug „weniger ist mehr“.
Auch die Umstellung von Ernährungsgewohnheiten entlaste das Klima, wenn weniger Fleisch konsumiert werde oder der Einkauf regional erzeugter Produkte lange Transportwege spare, wies Matthias Metzmacher, Pfarrer für gesellschaftliche Verantwortung des evangelischen Dekanats Nassauer Land, auf Zusammenhänge hin und Handreichungen, die zum Thema Klimawandel von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau herausgegeben wurden. Letztlich erfordere aber die globale Problematik auch ein weltweit gemeinsames Handeln und Umdenken, um für kommende Generationen die Folgen des Klimawandels zu reduzieren.
Zum Abschluss zitierte Matthias Metzmacher aus einer Erklärung des Ökumenischen Rates der Kirchen. Christen müssten verantwortungsvoll mit den Schätzen der Erde umgehen. Gewässer, Pflanzen, Tiere und Menschen seien nicht nur ein „Rohstoff“, um Waren herzustellen. Herstellen, Handeln und Verbrauchen seien vielmehr eingebunden in die großen Rhythmen des Lebens von Geben und Nehmen. „Dies erfordert, dass wir dabei weder die Menschen noch die Natur ausbeuten, dass wir Lebensräume und die darin lebenden Menschen schützen, dass wir gerechte Löhne zahlen und faire Handelsbeziehungen aufbauen, sowohl bei uns als auch auf der ganzen Welt.“
