Gemeinsame Erklärung des Bundes-, Diözesan- und Ortsverbandes
Kolpingsfamilie: Die Gesellschaft braucht den Sonntag
Region. Unsere Gesellschaft braucht den Sonntag, auch den Heiligen Abend-Sonntag! Unsere Konsumgesellschaft zwingt immer mehr Menschen dazu, am Sonntag zu arbeiten. Millionen von Frauen und Männern, beispielsweise in der Pflege und Gesundheit, im Nah- und Fernverkehr, in Gastronomie und Kultur sowie bei Ordnungs- und Rettungsdiensten müssen am Sonntag zum Wohle anderer arbeiten. Dafür müssen wir ihnen dankbar sein.
Zugleich stellt sich die Frage: Ist es wirklich notwendig, sonntags shoppen gehen? Reicht es nicht, von Montag bis Samstag einkaufen zu können? Ist es wirklich nötig, dass durch unser Konsumverhalten immer mehr Menschen dazu gezwungen werden, sonntags zu arbeiten?
Im Grundgesetz ist in Artikel 140 in Verbindung mit Artikel 136 und folgenden WRV formuliert: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.“ Seit der Föderalismus-Reform im Jahre 2006 obliegt der Ladenschluss der Zuständigkeit der Länder. Etliche Bundesländer haben seitdem die bisherige Regelung erheblich gelockert.
Das Kolpingwerk mit seinen Gliederungen, so auch die örtliche Kolpingsfamilie Neuwied 1860, warnt vor einer zu maßlosen Liberalisierung des Ladenschlusses in den Bundesländern und erwartet einen konsequenten Schutz des Sonntags. Das gilt auch, wenn der Heiligabend auf einen Sonntag fällt. Dies fordert der Vorstand der örtlichen Kolpingsfamilie Neuwied 1860, namentlich sein geistlicher Leiter Pastoralreferent Andreas Bühler und der Vorsitzende Werner Hammes unmissverständlich. Bereits in der Woche kommt durch eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten eine erhebliche Mehrbelastung auf Arbeitnehmende mit ihren Familien und Angehörigen zu. Dabei belastet die nicht immer mögliche Vereinbarung von Familie, Beruf und Ehrenamt in den verschiedenen gesellschaftlichen Lebensbereichen ohnehin schon den Alltag vieler Menschen.
Unsere Gesellschaft braucht deshalb verlässliche und geschützte Ruhephasen, in denen sie zu sich selbst finden und wieder Kraft tanken kann. Ein geschützter Tag in der Woche hat deshalb eine zentrale soziale Bedeutung für Familien und Freundeskreise, Verbände, Vereine und auch die Glaubensgemeinschaften. Der Sonntag muss ein besonderer Tag bleiben, als Tag der Erholung, der Gemeinschaft, der Kultur und des religiösen Lebens. Gerade eine Gesellschaft, die geprägt ist von Freiheit des Individuums, vielfachen Optionen, Geboten statt Verboten und daher heterogen strukturiert ist, und die sich vorwiegend an wirtschaftlichen Interessen ausrichtet, braucht im gleichen Maße allgemein verbindliche Vereinbarungen, um den Einzelnen vor den belastenden Auswirkungen eines egoistischen Konsumverhaltens anderer zu schützen. Pressemitteilung der
Kolpingsfamilie
