„Peace Messenger“-Gedenkveranstaltung: Marching-Bands des Musikgymnasiums zogen musizierend durch Montabaur
Konzert für abgestürzten Friedenspiloten
Montabaur. „Eine Geschichte wie aus einem Hollywood-Film“, schwärmte Montabaurs Stadtbürgermeisterin Gabi Wieland. Da war 1919 im weit entfernten französischen Versailles der Friedensvertrag zwischen den Kriegsparteien Deutschland auf der einen und Frankreich, Großbritannien und USA auf der anderen Seite unterzeichnet worden. Und der in Koblenz stationierte deutschstämmige US-Pilot, der in Montabaur die gute Nachricht unters Volk bringen sollte, stürzte mit seinem Flugzeug ab und kam dabei ums Leben. Das Flugzeug, in Koblenz mit der druckfrischen Friedensausgabe der amerikanischen Zeitung „The Amaroc News“ („Price 50 Pfennigs“) gestartet, zerschellte auf einem Feld am Ortsrand der Westerwaldstadt. Am vergangenen Freitag gedachte die Montabaurer Bevölkerung ihres auf so tragische Weise vor 100 Jahren verunglückten „Peace-Messengers“ mit einem außergewöhnlichen Konzert: Zwei vom Montabaurer Musikgymnasium eigens für den Anlass zusammengestellte „Marching-Bands“ zogen musizierend durch die Stadt und vors Rathaus, wo sie ein Konzert gaben sowie anschließend an höherer Stelle vor dem Montabaurer Wolfsturm. Marching Bands entstanden in den USA
nach dem Ende des Bürgerkrieges und waren zunächst noch militärisch geprägt, weil ihr Repertoire vornehmlich aus Marschliedern bestand. Inzwischen hat sich das geändert. Heute stehen der Showeffekt und die
Performance in Verbindung mit stark rhythmisch geprägter Musik im Vordergrund. Die Besetzung mit vielen Schlaginstrumenten, Blech- und Holzblasinstrumenten ist geblieben. Die Titel und Arrangements kommen aber jetzt aus aktueller Pop-, Rock- oder Jazzmusik.
Zwei Marching-Bands des Landesmusikgymnasiums
Das Landesmusikgymnasium präsentierte zwei extra für diesen Anlass zusammengestellte Marching-Bands. Sie marschierten - entsprechend ihrer Tradition - lautstark musizierend durch die Straßen und trafen sich auf dem Marktplatz zu einem gemeinsamen Platzkonzert. Als Rahmenprogramm wurde dort in der Bürgerhalle des alten Rathauses vom Institut für geschichtliche Landeskunde der Universität Mainz eine
Ausstellung zu dieser amerikanischen Besatzungszeit des Ersten Weltkriegs aufgebaut. Bürgermeisterin Gabi Wieland hielt an diesem Spielort der Bands eine Ansprache.
Danach marschieren die Bands geschlossen zum Wolfsturm, wo seit 2016 in unmittelbarer Nähe des Absturzortes ein Denkmal an den Tod des „Peace Messenger“ Walter H. Schulze erinnert, und gaben dort als Brass Band den zweiten Teil des Konzerts mit swingender US-amerikanischer Musik der 1920er Jahre.
In einer Pause des Konzerts kündigte lautes Motorengeräusch das Herannahen eines Doppeldecker-Nachbaus an, wie er 1919 vom amerikanischen Piloten Walter Schulze geflogen wurde. Diesmal stürzte das Flugzeug – zum Glück – nicht ab, sondern drehte kunstvoll seine Runden über dem Konzert, dem Wolfsturm und der Stadt Montabaur.
Die jungen Musikerinnen und Musiker des Gymnasiums brachten schwungvolle Jazzmelodien gespickt mit Trompeten-, Gitarren- und Schlagzeugsoli zu Gehör.
Die Zuhörer hatten es sich derweil auf einer Wiese im Schatten alter Bäume bequem gemacht und lauschten diesem sehr besonderen Konzert. Für die Soli gab es kräftigen Zwischenapplaus.
Zwei Schüler schwenkten vor dem Turm die deutsche und die amerikanische Flagge..
