Partnerschaftsverein Wachtberg veranstaltete erste virtuelle "Bistro-Runde"
Kulturerbe - erhalten oder neu gestalten?
Wachtberg. In der ersten virtuellen Veranstaltung des Partnerschaftsvereins Wachtberg im Rahmen seiner „Bistro-Runden“ ließen Mitglieder sich vom französischen Schriftsteller und Politiker Victor Hugo inspirieren und diskutierten animiert darüber, wie mit den Baudenkmälern der Vergangenheit umgegangen werden sollte.
„Kulturelles Erbe ist die Seele der Nation“ postulierte Victor Hugo zu seiner Zeit (1802-1885). Und er warnte sein Land vor der Zerstörung des französischen Kulturerbes im 19. Jahrhundert: „Il ne faut pas démolir la France!“ („Wir dürfen Frankreich nicht zerstören“) *. Kulturerbe war für ihn mehr als nur ein paar Steine: Baudenkmäler sind „ce qu’une nation a de plus sacré après l’avenir“ („das, nach der Zukunft, Kostbarste, was eine Nation besitzt“)*. Kathedralen sieht er als Vorgänger des Buchdrucks: Ihre in Stein gemeißelten Geschichten erzählen nicht nur von den Heiligen und Mächtigen, sondern waren Zeugen von Generationen, die den Kathedralen ihren persönlichen Schliff gegeben haben. Sie erzählten einer größtenteils analphabetischen Gesellschaft in Form von Reliefs und Statuen Geschichten vergangener Epochen. Für ihn war klar: Denkmäler müssen genauso erhalten und restauriert werden, wie sie auch gebaut wurden.
Eine gute Diskussionsvorlage also für diese erste virtuelle „Bistro-Runde“, in der sich über ein Dutzend Mitglieder des Partnerschaftsvereins Wachtberg intensiv austauschten, für einige war es eine Premiere im Zoom-Modus. Einhelliges Urteil nach anderthalb Stunden: Wunderbares Format, man hört sich viel intensiver und disziplinierter zu als sonst!
Initiiert und moderiert wurde dieses erste Zoom-Event des Partnerschaftsvereins Wachtberg von Jeanette Wald, Mitglied des Partnerschaftsvereins, die über die Austauschaktivitäten mit der französischen Partnergemeinde La Villedieu du Clain ein großes Interesse an Land und Sprache entwickelt hat. Angeregt durch die großen Diskussionen um die Restaurierung der durch Brand stark zerstörten Kathedrale Notre Dame in Paris und die Thesen Victor Hugos schlug sie dieses Thema vor, das ja auch in Deutschland am Beispiel Berliner Schloss große Aufmerksamkeit findet. Während Notre-Dame weitestgehend nach den alten Bauplänen wieder aufgebaut wird – und dafür zum Beispiel in ganz Frankreich 2000 Eichen für die Wiederherstellung des zerstörten „Viererturm“ gefällt werden, und wo dies vielfach als „eine Ehre für die Bäume“ empfunden wird – wurde für das Berliner Schloss nur die Fassade wiederhergestellt und ansonsten ein gänzlich neues Konzept für die Gebäude und das darin angesiedelte Humboldt Forum entwickelt. Der anregende Gedankenaustausch der Teilnehmerrunde führte über diese beiden Beispiel hinaus hin zu städtebaulichen Konzepten auch in Bonn, wo insbesondere die „Entseelung“ der Bonner Innenstadt durch die neuen „Klötze“ am Bahnhof durchweg heftig kritisiert wurde.
Wie die Teilnehmer war auch die Vorstandsvorsitzende Bernadette Conraths begeistert von Format und Qualität der virtuellen Veranstaltung. „Dank an die Initiatorin! Ich hoffe auf mehr Themenvorschläge aus der Mitgliedschaft – egal aus welchem Bereich. Denn solange wir keine echten Treffen organisieren können, aber durchaus auch danach, ist dies eine wunderbare Art, in Kontakt und Austausch zu bleiben! Wer also eine gute Themenidee hat, bitte an partnerschaftsverein@wachtberg.de senden.“
(* Zitate aus: Victor Hugo: „Guerre aux Démolisseurs!“ in: Notre-Dame de Paris, GF Flammarion, Paris, 2009, S. 694ff.) (Partnerschaftsverein Wachtberg e.V./bc)
