Allgemeine Berichte | 04.05.2018, 14:09 Uhr

Neuwied präsentierte sich als toller Gastgeber

Kultursommer-Eröffnung punktete mit Gemeinsinn und „Wir“ Gefühl

Beim Gang über die Festmeile: (v.l.) Oberbürgermeister Jan Einig,Klaus Jensen, Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Kulturminister Prof. Dr. Konrad Wolf,MdL Ellen Demuth (CDU) und Oliver Grossetete (Künstler der „Vergänglichen Stadt“. Foto: CF
87

Neuwied. Nach der Kultursommer-Eröffnung 2003 und den beiden Rheinland-Pfalz Tagen (1993, 2014) präsentierte sich die Stadt Neuwied und seine Bürger einmal mehr als hervorragende Gastgeber für Landesfeste. Eins vorweg: Es gab nicht den einen Höhepunkt. Die 3-tägige rheinland-pfälzische Kultursommer-Eröffnung in Neuwied hatte so vielschichtige Glanzlichter, dass die Antwort nach dem Favoriten je nach persönlicher Fasson unterschiedlich ausfiel. Besonders häufig wurde allerdings die Compagnie des Quidams genannt. „Ich habe ja schon viele Stadtfeste besucht, aber so etwas habe ich noch nie gesehen“, staunte Werner Schäfer aus Spay. Die Pferdefiguren, die sich zur Musik bewegten, waren schon am frühen Abend eine Ausnahmeerscheinung. Zweieinhalb Stunden später, in der Dunkelheit, war das Spektakel noch beeindruckender. Einhellig war indessen der Tenor, was denn das Besondere an der Kultursommer-Eröffnung in der Deichstadt war? Nämlich das „Wir Gefühl“. An mehreren Projekten waren entweder Bürger oder Institutionen in Gemeinschaftsarbeit beteiligt. Die Aktionen waren natürlich Friedrich-Wilhelm Raiffeisen geschuldet, der neben Karl Marx anlässlich des 200. Geburtstags, im Mittelpunkt des diesjährigen Kultursommers steht. Dessen Motto „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele“ machte sich die Stadt Neuwied als Veranstalter zu eigen. Hervorragend passt das Motto in die Gegenwart. Bekanntlich sind Bürgerinnen und Bürger derzeit in mehreren Workshops engagiert, um die Innenstadt schöner und lebenswerter zu gestalten.

Die vergängliche Stadt

Das Raiffeisen-Motto brachte die vergängliche Stadt des französischen Künstlers Oliver Grossetete mit 16,5 Metern am eindrucksvollsten zum Ausdruck (siehe gesonderter Artikel). Aber auch im Kleinen wurde gemeinschaftlich etwas Großes auf die Beine gestellt. Etwa das großformatige Ausmalbild mit vielen Wahrzeichen Neuwieds. Mit Buntstiften legten Kinder und Erwachsene hier Hand an. Gemeinsinn war auch bei den Bäckern sowie Floristen und Gärtnern gefragt. Die einen backten 5.000 Raiffeisenbrote für den guten Zweck und die anderen legten in der Schlossstraße einen bunten Blumenteppich für das Auge aus. Es war der Stadtrat unter dem Vorsitz des verstorbenen Oberbürgermeisters Nikolaus Roth, der bereits 2017 gemeinschaftlich den Weg für die Kultursommer-Eröffnung bereitete. Trotz angespannter Finanzlage stimmten seinerzeit alle Fraktionen dafür. Bei der großen Gala am Samstagabend bedankte sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer für das Engagement der Neuwieder. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Jan Einig und Kulturminister Konrad Wolf eröffnete sie den Kultursommer Rheinland-Pfalz 2018 offiziell im Heimathaus. Natürlich hatte das Land auch selbst einen großen Anteil am Gelingen der Veranstaltung. Die Stiftung Kultursommer Rheinland-Pfalz und das Neuwieder Stadtmarketing hatten wochenlang auf das große Ereignis hingearbeitet. Den Besuchern, von denen es vor allem am Sonntag ruhig hätten mehr sein können, wurde Kunst und Kultur, Musik und Show geboten. Nicht immer waren es wie im Fall von Les Grooms La Baronnade oder der Compagnie Jacqueline Cambouis Bühnenprofis, die das Publikum gekonnt unterhielten. Den Poetry Slam „Raiffeprüfung“ der Evangelischen Kirche im Rheinland gewann Neuling Tjark Burbach aus Dierdorf mit seinem Beitrag „Respekt“. Aufführungsort war ein Bus in dem die „Fahrgäste“ abstimmten. Erinnerung an das Spiel „Djenga“ weckten Block. Auf großen grauen Bauklötzen boten die Frauen und Männer artistische Einlagen. Sie erzählten vom Leben und Überleben im urbanen Raum. Zweimal hingucken musste man beim Theater Pikante. Die Schauspieler marschierten als emsige Ameisen in Reih und Glied durch die Stadt. Und wer nicht aufpasste, wurde flott selbst Teil der Insektengruppe. Ausgefallene Musik wurde von der großen Bühne in der Schlossstraße geboten. Der Creole Bundessieger von 2014, Volxtanz, überraschte mit einem internationalen Mix aus Blasinstrumenten. Mit Whiskydenker und dem Snarky Puppy Project standen zuvor Interpreten von Swing und Jazz auf der Bühne. Zum Abschluss der Kultursommer-Eröffnung bot sich im Roentgen Museum die Gelegenheit, sich tiefgründiger mit Friedrich-Wilhelm Raiffeisen zu beschäftigen. Unter der Überschrift „Bankier der Barmherzigkeit“ stellte Professor Michael Klein die Persönlichkeit des Sozialreformers ausführlich vor. Zuvor bestand zwei Tage lang die Gelegenheit, sich spielerisch mit Friedrich-Wilhelm Raiffeisen zu beschäftigen. Beim neuen Raiffeisen-Brettspiel in XXL-Version durften alle mitspielen.

FF

Kultursommer-Eröffnung punktete mit Gemeinsinn und „Wir“ Gefühl

Ein absolutes Highlight war die „Compagnie des Quidams“.Foto: CF

Ein absolutes Highlight war die „Compagnie des Quidams“. Foto: CF

Kultursommer-Eröffnung punktete mit Gemeinsinn und „Wir“ Gefühl

Aus 1.200 Pappkartons lies Künstler Olivier Grosseteteeinen Nachbau des Engerser Rathaus entstehen.

Aus 1.200 Pappkartons lies Künstler Olivier Grossetete einen Nachbau des Engerser Rathaus entstehen.

Beim Gang über die Festmeile: (v.l.) Oberbürgermeister Jan Einig, Klaus Jensen, Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Kulturminister Prof. Dr. Konrad Wolf, MdL Ellen Demuth (CDU) und Oliver Grossetete (Künstler der „Vergänglichen Stadt“. Foto: CF

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dusch WC - Unterboden
3. musikalische Weinprobe
Heimat aktiv AW
40 Jahre Brandschutz Balter
Anzeige Herbstbunt
Empfohlene Artikel
Wie die Hospizbewegung Sterbewünschen begegnet
15

Ein Satz, der aufhorchen lässt – und dessen Bedeutung sich erst im Zuhören erschließt: „Ich kann nicht mehr.“ Was braucht ein Mensch, der einen Sterbewunsch äußert? Wie hospizliche Begleitung unterstützen, Lebensperspektiven eröffnen und zugleich Selbstbestimmung achten kann, war Thema bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Stolze Finisher: Susanne und Olli nach dem Chicago-Marathon.
43

Zwei Mitglieder von Meddy‘s Lauf- und Walking-Treff Koblenz e.V., Susanne Blum und Olli Michaelis, erfüllten sich den Traum, am renommierten Chicago Marathon teilzunehmen. Dieser Marathon zählt zu den bedeutendsten der Welt und lockt jährlich etwa 54.000 Läuferinnen und Läufer an, die sich auf eine 42-Kilometer-Strecke begeben, die durch 29 Stadtteile von Chicago führt. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

In Bekond wurden die Siegerweine und -brände gekürt. Hier gratuliert Kammerpräsident Ökonomierat Michael Horper den erfolgreichen Brennerinnen und Brennern.
99

Bei der Landeswein- und Sektprämierung der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz wurden in Bekond die erfolgreichsten Winzerinnen und Winzer sowie Brennerinnen und Brenner ausgezeichnet. Kammerpräsident Ökonomierat Michael Horper, Mittelrhein-Weinprinzessin Jill Rüttgen und Weinmajestät „Burgundia“ Jona Marie Esser aus Ahrweiler überreichten die Urkunden für die Siegerweine und Siegerbrände. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: Jochen Tack / Polizei NRW
515

Montabaur/Frankfurt. Am Sonntag, den 25. Oktober 2026, kam es ab etwa 20:30 Uhr zu einer Verfolgungsfahrt von Frankfurt am Main über die A3 in Richtung Köln. Ein mit zwei Personen besetzter VW Polo mit Wiesbadener Kennzeichen sollte nach einem Verkehrsverstoß in Frankfurt einer Kontrolle unterzogen werden. Der Fahrer entzog sich der Kontrolle und flüchtete über die A 3 in Richtung Köln.

Weiterlesen

Die Wandergruppe des Eifelvereins Andernach vor dem Hotel „Alte Post“ in Oberammergau
466

Andernach. Im Oktober veranstaltete der Eifelverein Andernach eine Mehrtagesfahrt nach Oberammergau. Der Ort ist für die zahlreichen, mit kunstvoller Lüftlmalerei verzierten Häuser, seine Schnitzkunst und vor allem für die alle zehn Jahre stattfindenden Passionsspiele bekannt. Dagmar Müller hatte ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet, und da es auch das Wetter gut mit den 28 Urlaubern meinte, standen der Reisegruppe ein paar schöne Tage bevor.

Von Dagmar Müller aus Andernach

Weiterlesen