Allgemeine Berichte | 02.06.2025

Neubeginn nach der Katastrophe

Lebenshilfe findet endlich Grundstück für neuen Standort in Sinzig

In Sinzig hat die Lebenshilfe ein neues Zuhause gefunden.  Foto: privat

Sinzig. Es ist ein Tag der Hoffnung, der Zuversicht – und für viele auch ein Tag tiefer Erleichterung. Fast vier Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe vom Juli 2021, bei der im Lebenshilfehaus in der Pestalozzistraße in Sinzig zwölf Bewohnerinnen und Bewohner ihr Leben verloren, kann die Lebenshilfe Kreisvereinigung Ahrweiler e.V. einen bedeutenden Schritt nach vorn verkünden: Der notarielle Kaufvertrag für ein neues Grundstück in zentraler Lage Sinzigs wurde unterzeichnet. Damit ist der Weg für einen Neubau geebnet – ein neues Zuhause für Menschen mit Behinderung, das weit mehr ist als nur ein Gebäude: ein Ort der Teilhabe, der Sicherheit und des Miteinanders.

Eine lange Suche mit vielen Rückschlägen

„Es war ein weiter, steiniger Weg“, sagt Ulrich van Bebber, Vorsitzender der Lebenshilfe Ahrweiler. „Seit der Flut war klar: Unsere Bewohnerinnen und Bewohner wollen zurück nach Sinzig, zurück in ihre vertraute Umgebung. Aber die Suche nach einem geeigneten Grundstück war schwieriger, als wir es je für möglich gehalten hätten.“

Über drei Jahre lang hat die Lebenshilfe intensiv gesucht. Rund 30 Grundstücke wurden geprüft – viele davon schieden aus rechtlichen oder planungsrechtlichen Gründen aus. Besonders bitter war das Scheitern eines Projekts in der Ausdorfer Straße: Trotz intensiver Planung und zahlreicher Gespräche scheiterte das Vorhaben letztlich an der fehlenden Zustimmung einzelner Nachbarn. „Wir hatten so viel Herzblut investiert. Das war ein herber Rückschlag“, erinnert sich van Bebber.

Zuvor hatte bereits der Wunsch bestanden, das städtische Gelände an der Jahnwiese zu nutzen – auch dieser Plan ließ sich nicht umsetzen. Doch die Verantwortlichen gaben nicht auf. Unterstützt durch engagierte Menschen aus Verwaltung, Politik und Bürgerschaft wurde weitergesucht, verhandelt, gehofft – und nun schließlich gefunden: ein rund 1600 Quadratmeter großes Grundstück im Stadtkern, an der Ecke Münzgasse/Renngasse, direkt neben dem Johanniterhaus.

Ein Ort der Rückkehr – und der Zukunft

Dort soll in den kommenden Jahren das neue Lebenshilfehaus entstehen. Geplant ist eine moderne Einrichtung mit rund 24 Wohnplätzen für Menschen mit Behinderung – angelehnt an das bewährte Konzept der früheren Einrichtung, aber mit einer neuen baulichen und sozialen Qualität. „Wir wollen nicht nur einen Ersatz schaffen“, so van Bebber. „Wir wollen ein Haus bauen, das den Menschen ein echtes Zuhause ist, das Teil des Quartiers wird und Inklusion im Alltag fördert.“

Die ersten Schritte sind bereits in die Wege geleitet: Die Lebenshilfe wird nun umgehend die architektonische Planung beauftragen und strebt eine enge Abstimmung mit der Stadt Sinzig, der Kreisverwaltung Ahrweiler und den Fachbehörden an. Das Grundstück liegt im Sanierungsgebiet der Stadt – die Lebenshilfe will aktiv zur Aufwertung des Areals beitragen und zugleich zeigen, wie inklusives Wohnen in einem lebendigen Stadtquartier gelingen kann.

Wenn alle Genehmigungen planmäßig erfolgen, könnte im Jahr 2026 mit dem Bau begonnen werden. Die reine Bauzeit wird auf rund 24 Monate geschätzt. Ein Einzug Anfang 2028 ist realistisch. „Mehr als sieben Jahre nach der Flut könnten unsere Bewohnerinnen und Bewohner dann endlich in ihre Heimat zurückkehren. Das ist eine sehr lange Zeit – aber es ist Licht am Ende des Tunnels“, so van Bebber.

Zwischenlösungen mit Herz – aber kein Ersatz

Bis dahin sind die Menschen, die einst im Lebenshilfehaus Sinzig lebten, weiterhin in Übergangswohnformen untergebracht. Einige fanden ein Zuhause im ehemaligen Hotel „Düsseldorfer Hof“ in Rolandseck, andere wohnen in einer ehemaligen Seniorenresidenz in Hohenleimbach, die von der Lebenshilfe erworben und derzeit schrittweise renoviert wird.

„Diese Lösungen waren wichtig – und wir sind dankbar, dass wir sie umsetzen konnten“, betont van Bebber. „Aber sie konnten den Verlust unseres Hauses in Sinzig nie vollständig kompensieren. Die Menschen wollen zurück. Und jetzt gibt es eine realistische Perspektive dafür.“

Dank an Unterstützerinnen und Unterstützer

In seinem Statement hebt Ulrich van Bebber besonders den Einsatz vieler Unterstützerinnen und Unterstützer hervor: „Aus der Bürgerschaft, aus Vereinen, Initiativen, aus Politik und Verwaltung – überall haben wir Menschen erlebt, die an unserer Seite standen. Das hat uns in schwierigen Momenten getragen.“

Ein besonderer Dank gilt dem früheren Bürgermeister der Stadt Sinzig, Norbert Hesch. „Er war es, der sich schon direkt nach der Flut bei uns meldete und seine Unterstützung anbot. Und er war es auch, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass wir dieses neue Grundstück finden konnten. Ohne ihn stünden wir heute nicht hier. Es schließt sich ein Kreis – vielleicht sogar ein Lebenswerk.“

Symbol des Wiederaufbaus – und des gesellschaftlichen Zusammenhalts

Der Neubau des Lebenshilfehauses wird mehr sein als ein weiterer Baustein im Wiederaufbau des Ahrtals. Er steht für eine Haltung: dass Menschen mit Behinderung ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft haben. Dass sie nicht vergessen werden. Und dass auch für sie gilt, was für alle Menschen nach einer Katastrophe zählt: Wiederaufbau heißt Rückkehr, Heimat, Sicherheit – und Zukunft.

In Sinzig hat die Lebenshilfe ein neues Zuhause gefunden. Foto: privat

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