Allgemeine Berichte | 14.05.2025, 09:53 Uhr

2021 wurde das erste Insekt als neuartiges Lebensmittel zugelassen

Mehlwürmer - Das Essen der Zukunft ?

Symbolbild.Foto: Jiri Hera - Adobe Stock
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Region. Insekten als Nahrungsmittel polarisieren: Während in vielen Teilen der Welt Heuschrecken, Würmer und Käferlarven seit Jahrhunderten auf dem Speiseplan stehen, ist der Gedanke daran weiterhin für viele noch gewöhnungsbedürftig. Doch mit Blick auf Umwelt, Ernährungssicherheit und Nachhaltigkeit stellt sich die Frage: Sind Mehlwürmer und andere Insekten das Essen der Zukunft?

Was darf überhaupt gegessen werden? – Die Rolle der EU-Verordnung

Die Grundlage für die Zulassung von Insekten als Lebensmittel in der Europäischen Union bildet die Novel-Food-Verordnung (EU) 2015/2283. Sie regelt die Zulassung sogenannter „neuartiger Lebensmittel“, also Produkte, die vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang verzehrt wurden.

Seit Inkrafttreten der Verordnung müssen Unternehmen, die Insekten als Lebensmittel auf den Markt bringen wollen, eine Zulassung bei der Europäischen Kommission beantragen. Voraussetzung ist unter anderem ein wissenschaftlicher Nachweis zur gesundheitlichen Unbedenklichkeit durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Zugelassen sind bislang u. a.:

- Getrocknete Gelbe Mehlwürmer (Tenebrio molitor)

- Hausgrille (Acheta domesticus)

- Wanderheuschrecke (Locusta migratoria)

- Buffalowurm (Alphitobius diaperinus, Larve des Getreideschimmelkäfers)

Die Zulassungen gelten jeweils für bestimmte Verarbeitungsformen, z. B. als Pulver, gefroren oder getrocknet, und nur für bestimmte Produkte. Wichtig: Produkte mit Insektenanteil müssen in der EU klar gekennzeichnet sein – auch mit der jeweiligen Insektenart und einem Hinweis für Allergiker.

Insekten als Lebensmittel

Der weltweite Fleischkonsum nimmt zu, doch die herkömmliche Tierproduktion ist ressourcenintensiv: Sie verbraucht große Mengen Wasser, Futter und Fläche und ist für einen erheblichen Teil der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Insekten gelten daher als mögliche Alternative mit vielen Vorteilen:

- Hoher Nährwert: Insekten enthalten viel Eiweiß, gesunde Fettsäuren, Vitamine und Mineralstoffe.

- Ressourcenschonend: Für die Produktion werden weniger Wasser und Fläche benötigt als bei Rind oder Schwein.

- Geringer CO₂-Ausstoß: Im Vergleich zur Viehzucht stoßen Insekten deutlich weniger Treibhausgase aus.

- Gute Futterverwertung: Insekten benötigen nur wenig Futter, um eine hohe Eiweißausbeute zu liefern.

- Züchtung auf kleiner Fläche möglich: Insektenfarmen lassen sich auch in urbanen Räumen betreiben.

Vor allem der Gelbe Mehlwurm, also die Larve des Mehlkäfers, wird bereits vielseitig verwendet – etwa als Eiweißpulver für Sportnahrung, als Zutat in Müsliriegeln, Nudeln oder Burgerpatties. Auch Grillenmehl kommt zunehmend in Backwaren zum Einsatz.

Herausforderungen: Akzeptanz und Kennzeichnung

Trotz objektiver Vorteile ist die Akzeptanz in der Bevölkerung nach wie vor gering. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher reagieren mit Skepsis oder Ablehnung – oft aus kulturellen oder psychologischen Gründen. Auch die teils höheren Preise und die bislang noch geringe Auswahl an Produkten erschweren eine breite Etablierung auf dem Markt.

Insekten wie Mehlwürmer könnten ein Baustein der Ernährung der Zukunft sein – vor allem angesichts wachsender Weltbevölkerung und zunehmender Umweltbelastungen durch die Tierhaltung. Noch steckt der Markt in Europa in den Anfängen, doch technologische Fortschritte, gesetzliche Klarheit und Aufklärungsarbeit könnten dazu beitragen, Vorbehalte abzubauen.

Ob Mehlwürmer tatsächlich zum Alltagsnahrungsmittel werden, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch: Ihr Potenzial ist wissenschaftlich belegt – sowohl aus ernährungsphysiologischer als auch aus ökologischer Sicht.

SvM

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