Allgemeine Berichte | 18.01.2022, 15:23 Uhr

Der WEISSE RING, eine der größten Opferschutz-Organisationen

Mike Jonuleit: „Oftmals ist die Scham so groß“

Mike Jonuleit.Foto: privat
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Kreis MYK. Wenn Menschen Opfer von Betrügern, von Einbruch oder Raub, häuslicher oder gar sexueller Gewalt, aber auch Stalking oder Mobbing werden, so stellt das für den Betroffenen eine große Belastung dar. Man fühlt sich alleine, unverstanden, und weiß oft nicht, wie es weitergehen soll!

Der WEISSE RING ist eine der größten Opferschutz-Organisationen. Mit bundesweit rund 2900 ehrenamtlichen Opferhelferinnen und -helfern in rund 400 Außenstellen steht er Opfern von Straftaten jeglicher Art bei. Seit jetzt 45 Jahren hilft er Opfern von Straftaten, sei es durch einfaches Zuhören, Begleitung zu Polizei, Rechtsanwälten, Gerichtsverhandlungen und Behörden oder auch materiell durch finanzielle Hilfe bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen,

Mike Jonuleit, Mitarbeiter der Außenstelle Mayen - Koblenz macht im Gespräch deutlich, wie wichtig die Hilfe für Betroffene ist. Oft hilft ein einfaches Gespräch, mit dem Geschehenen ein wenig besser umzugehen. Mike Jonuleit ist in der Außenstelle Mayen - Koblenz aktiv. Die Außenstelle leitet Eberhard Brennholt. Sie besteht derzeit aus 16 aktiven Opferhelferinnen und -helfern.

Er berichtet weiter, dass die Außenstelle 2021 83 Opferfälle bearbeitet hat. Leider, so Mike Jonuleit ist die Dunkelziffer mit Sicherheit um ein Vielfaches höher. „Oftmals ist die Scham so groß, dass die Opfer es einfach nicht schaffen, sich bei uns zu melden. Es ist eine große Hürde, sich bemerkbar zu machen und zu sagen, mir geht es grad nicht gut, ich brauche Hilfe!“ Dabei ist dies aber der erste Schritt, um aus der Opferrolle herauszukommen, aktiv zu werden und das Geschehene zu verarbeiten.

„Wichtig ist mir“, so Mike Jonuleit, „bei einem persönlichen Gespräch zusammen mit dem Opfer herauszufinden, was und wie der WEISSE RING dem Betroffenen helfen kann“. Zuhören, ohne zu bewerten, zu erfahren, was in dem Menschen vorgeht, wo seine Sorgen und Nöte sind, ja, zu versuchen, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Den Mut zu haben, sich jemandem anzuvertrauen, ist der erste Schritt zur (Selbst-)Hilfe!

„2021, und jetzt ein wenig Statistik“, so Mike Jonuleit,“ konnten wir durch eine finanzielle Soforthilfe von insgesamt 3700 Euro helfen, eine finanzielle Notlage zu überbrücken. Wir haben weiter 12.650 Euro Opferhilfe geleistet, 46 mal konnten wir mit einem Anwaltsscheck (durch diesen ist eine Erstberatung kostenfrei) helfen, für eine psychologische Betreuung haben wir die Schecks ausgegeben.“ Allein die Außenstelle Mayen - Koblenz konnte bei Sexualdelikten 21 mal unterstützend zur Seite stehen, 13 mal bei Körperverletzung, bei häuslicher Gewalt und Stalking jeweils elfmal, und bei Kindesmissbrauch allein siebenmal! „Und wie bereits erwähnt, sind dies nur die gemeldeten Fälle, die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein“, so Mike Jonuleit.

„Unsere Hilfe ist vielfältig, und deswegen so immens wichtig! Wir beraten und helfen u.a. auch beim Ausfüllen des Antrages auf Opferentschädigung.“ „Ich selbst bin“, so Mike Jonuleit, „auch Berater des „Ergänzenden Hilfe-Systems“ bei unserer Außenstelle. Dort ist Hilfe bei sexuellem Missbrauch in der Kindheit möglich, wenn keine Krankenkasse mehr einspringt. Natürlich werden wir geschult, und haben eine Reihe von Lehrgängen hinter uns, bevor wir beratend zur Seite stehen können.“

Der WEISSE RING hat neben der Opferarbeit auch eine Akademie, in der die Mitarbeiter umfassend geschult und auf die Opferarbeit vorbereitet werden. „Trotzdem“, so Mike Jonuleit, „ist es manchmal nicht so einfach, das alles privat zu verarbeiten, speziell bei sex.uellem Missbrauch von Kindern fällt es mir schwer, damit umzugehen. Da hilft mir unheimlich unser Außenstellenleiter, der immer ein offenes Ohr hat, und auch meine Kollegen, da wir bei den Team-Treffen einzelne Opferfälle aufarbeiten. Wichtig ist auch ein vertrauensvolles, enges Zusammenarbeiten innerhalb unserer Gruppe. Unser Außenstellenleiter Eberhard Brennholt leitet diese nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe, steht mit Rat und Tat zur Seite, wenn man ihn braucht, und das jederzeit. Auch meine Kolleginnen und Kollegen kann ich jederzeit um Hilfe bitten ... und nur so kann und will ich Opferarbeit leisten“, so Mike Jonuleit.

Auf die Frage, wie kann man den WEISSEN RING erreichen, antwortete Mike Jonuleit, „es gibt da Möglichkeiten. Ein bundesweites Opfer-Telefon ist an sieben Tagen die Woche von 7 bis 22 Uhr unter der Tel. 116 006 erreichbar. Auch dort sitzen geschulte ehrenamtliche Helfer, die auf die Anrufer eingehen, ihnen zuhören und Hilfsmöglichkeiten aufzeigen können.

Die Außenstelle Mayen Koblenz ist wie folgt zu erreichen: Tel. (01 51) 55 16 47 02, www.mayen-koblenz-rheinland pfalz.weisser-ring.de, mayen-koblenz@mail.weisser-ring.de. Eine weitere Möglichkeit besteht, die Online-Beratung in Anspruch zu nehmen. Dies ist auch anonym möglich.

Zum Abschluss erwähnte Mike Jonuleit noch, dass man den Weissen Ring gerne in Form einer Spende oder aber einer Mitgliedschaft unterstützen kann. Da sich der WEISSE RING ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen (Spenden, Mitgliedsbeiträge und Nachlässe) sowie Geldbußen finanziert, ist hier jeder Euro wichtig. Pressemitteilung des

WEISSEN RINGS

Mike Jonuleit.Foto: privat

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