Vereine präsentieren sich: Die Werbegemeinschaft gibt einen Blick hinter die Kulissen frei
Mit Klischees aufräumen: Die Werbegemeinschaft Bad Hönningen e.V.
Bad Hönningen. In der Serie „Klischees über Vereine“ fällt die „Werbegemeinschaft Bad Hönningen e.V.“ etwas aus der Reihe. Mit Glück bekommt man den ein oder anderen Post aufs Handy, für weitere aktuelle Infos muss man schon gut vernetzt sein. Mit 30 Mitgliedern - überwiegend Gewerbetreibenden - scheint es ein kleiner, elitärer Kreis zu sein.
Hier möchte der Verein mit dem ersten Klischee aufräumen: In der Gemeinschaft sind alle willkommen! Egal, ob Mitglied oder nicht. Jedes Unternehmen, jeder Bürger kann sich mit seinen Ideen einbringen. Und ja, auch die Ortsteile sind gerne gesehen, aber verständlicherweise schwer alle unter einen Hut zu bringen. Jeder hat seine liebgewonnenen Traditionen und „Big City“ ist weit weg, wenn das eigene Weinfest vor der Tür stattfinden kann.
Wie dem auch sei, weitere Mitglieder zu gewinnen ist eine Daueraufgabe. Leichter Optimismus zeichnet sich ab: Viele jüngst angesiedelte Gewerbetreibende haben schon motiviert angeklopft.
Der Begriff Neuausrichtung ist dehnbar, aber man möchte weiter mit Elan an zukunftsorientierten Projekten arbeiten. So soll neben dem Aushängeschild („Adventszauber“) die ein oder andere altbekannte Veranstaltung wiederbelebt werden. Hinzukommt die neue Parole „Mehr mit den Bürgern“, um die isolierte Stellung, welche sich zementiert hat, aufzubrechen. So soll gemeinsames Anpacken bei Projekten rund um die Attraktivität der Bad Hönninger Flaniermeile neue Signale senden. Um die Vielfältigkeit zu betonen, versucht der Verein die Gemeinnützigkeit zu erlangen, was für die ein oder andere Spendenquittung interessant ist. Der erste Versuch zu dieser Anerkennung ist zwar gescheitert, aber der Vorstand arbeitet daran, die Augen des Betrachters auf das öffentliche Engagement zu lenken. Ob der Optimismus verpufft und die Werbegemeinschaft wieder in die gewohnte Rolle schlüpft, bleibt abzuwarten!
Und wie ist das Konkurrenzdenken im Kreise der Gewerbetreibenden? Auch wenn alle ein gemeinsames Interesse haben (sollten), so sind Großveranstaltungen wie der „Adventszauber“ schon eine Herausforderung für die Teambildung im Verein: Welche örtliche Lage bekommt welche Bonbons? Gar nicht so leicht in Bad Hönningen mit mehreren Plätzen.
Kreative Lösungen lassen sich gemeinsam erarbeiten. Wichtig ist, dass man Aufgaben und Projekte sorgfältig und wirtschaftlich plant, denn mit 100 Euro Mitgliedsbeitrag (Fördermitglieder 50 Euro) sind die Finanzen übersichtlich. Und da die Werbegemeinschaft keine Zweigstelle oder Ableger der Stadtverwaltung ist, sind die finanziellen Mittel durch die Stadt in den letzten Jahren aus vielfältigen Gründen zurückgefahren worden. Natürlich gibt es organisatorische Schnittstellen und eigentlich sollte der Ort selbst der große gemeinsame Nenner sein, aber das ist gar nicht so leicht, wenn die hohe Politik sich einschleicht.
Politik, wo sie eigentlich nicht hingehört, ist mitunter eher destruktiv. So sind auch Vereine gern eingeladen aktiv mitzuwirken, aber dem Aufruf kommen diese nur sehr zögerlich nach. Stimmt das Vorurteil, dass jedes Zucken als politisches Statement gesehen wird und unwiderruflich mit den Machern und Akteuren verbunden ist? Wäre schade! Und an der Stelle stellt sich natürlich die Gretchenfrage, wie geht diese Vorstandsarbeit mit politischen Ambitionen einher? Klar, zeitlich ist einiges zu stemmen, aber die Ziele sind in vielen Punkten identisch, Interessenskonflikte sollte es also in der Sache weniger geben. Und, nicht zu vergessen, die diversen Kontrollmechanismen durch die unterschiedlichen Gremien unterbinden eine „One-Man-Show“. So ist z.B. das Lieblingsthema der gebeutelten Vereine, die Standgebühren vom „Adventszauber“ ein spannender Spagat. Dass die eingesammelten Gebühren dieses Jahr an die Werbegemeinschaft gehen und auf weitere Events warten, ist eine gemeinsame Entscheidung. Wenn die Rechnung aufgeht, gibt es bald ein paar Möglichkeiten mehr sich zu präsentieren.
Die Zurückhaltung in der Bevölkerung lässt sich auch dadurch erklären, dass viele den Gedanken nicht loswerden, dass alle Aktivitäten der Werbegemeinschaft den Gewerbetreibenden selbst dienen. So ganz von der Hand zu weisen ist das nicht, aber vielen Unternehmer geht es tatsächlich auch (!) um eine Belebung der Innenstadt für alle: Zum Wohlfühlen, Shoppen, Events erleben, ein Frühstück ab 9.00 Uhr genießen oder - ganz verwegen -als Highlight irgendwann mal montags Essen gehen zu können. In Konsequenz hebt das positive Lebensgefühl zumindestens die Zufriedenheitsstatistik der Bundesrepublik und die örtlichen Bodenrichtwerte. Langfristig motiviert es die Allgemeinheit und nicht nur das Business, sondern Vereine und andere Infrastrukturen ziehen nach und die Werbegemeinschaft bekommt dann hoffentlich mal eine offizielle Homepage!
Am Schluss ist noch ein kleines Missverständnis aus dem Weg zu räumen: Die Werbegemeinschaft ersetzt nicht touristische Aspekte. Zusammenarbeit ist angebracht, aber die Aufgaben sind nicht wirklich kompatibel. Die Werbegemeinschaft ist vor Ort und für die Bürgern Bad Hönningens!
Das Gespräch führte Anke Sultan mit dem 1.Vorsitzenden der Werbegemeinschaft Bad Hönningen Mark Geimer (markgeimer@gmx.de, 02635/ 9245079). Vereine, welche sich gerne in dieser Serie vorstellen möchten, können sich direkt an Frau Sultan (anke.Sultan@yahoo.de) wenden.
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