Allgemeine Berichte | 01.10.2024

Timon Herwig aus Lohrsdorf und Justus Lutterbey aus Ahrweiler traten eine beachtliche Reise an

Mit dem Fahrrad nach Istanbul

Timon Herwig (l.) und Justus Lutterbey am Bosporus.  Foto: privat

Ahrweiler. Es gibt Ideen, die klingen so verrückt wie genial. Eine solche Idee hatten Timon Herwig (25) aus Lohrsdorf und Justus Lutterbey (24) aus Ahrweiler. Die beiden Freunde haben sich vor einiger Zeit in den Kopf gesetzt nach Istanbul zu reisen - und das mit dem Fahrrad. Nun sind die beiden mit ihren Zweirädern am Bosporus angekommen. BLICK aktuell fragte die beiden jungen Männer, die eine lange Freundschaft verbindet, was sie angetrieben hat derart kräftig in die Pedale zu treten. Das Resultat ist ein sehr sympathisches Doppel-Interview über Träume, Abenteuer und Trainingseinheiten.

Mit dem Fahrrad von Ahrweiler nach Istanbul: Wie kommt man auf eine solche Idee?

Justus hat bereits 2019 eine zweimonatige Fahrradtour durch Frankreich gemacht und Timon ist im letzten Jahr mit dem Fahrrad quer durch Deutschland gefahren. Seitdem haben wir mit dem Gedanken gespielt, uns irgendwann einmal gemeinsam aufs Rad zu schwingen.

Am Silvestermorgen 2024 haben wir uns dann, ohne vorher etwas geplant zu haben, die Hand drauf gegeben, im Sommer nach Istanbul zu radeln.

Istanbul hat uns gereizt, da man auf diesem Wege den asiatischen Kontinent erreichen und gleichzeitig viele für uns, bis zu diesem Zeitpunkt, noch unbekannte Länder durchqueren würde. Somit wurde unser Ziel die Bosporus-Brücke in Istanbul, da uns diese auf den asiatischen Teil der Stadt führt.

Die grobe Route, über die Alpen, entlang der Adria, über den Balkan bis ans Mittelmeer in Thessaloniki und dann weiter nach Istanbul haben wir uns dann wenige Wochen vor der Tour überlegt. Auch wenn es sich dabei nicht um die kürzeste Strecke handelt, war uns von Anfang an wichtig auf der Tour nicht „nur“ Fahrrad zu fahren, sondern auch viel zu sehen, zu erleben sowie die Menschen, die Kultur und die verschiedenen Landesküchen kennenzulernen.

Wie lange waren Sie unterwegs?

Unsere Fahrradtour startete am 02.07.2024 in Ahrweiler. Unser Ziel Istanbul haben wir am 11.09.2024 erreicht. Wir haben somit 10 Wochen oder genauer 72 Tage (davon 59 Fahrtage, inklusive diverser Umwege) gebraucht, um die Bosporus-Brücke in Istanbul zu überqueren und mit dem Fahrrad bis zum asiatischen Kontinent zu radeln. Dabei sind wir insgesamt 3.932 Kilometer und 34.625 Höhenmeter gefahren. In Istanbul selbst haben wir noch weitere 5 Tage unsere Reise ausklingen lassen.

Wie haben Sie sich auf die Tour vorbereitet bzw. trainiert?

Nach dem Handschlag am Neujahrsmorgen sind erst mal einige Wochen vergangen ohne weitere Planung. Im April, als klar war, dass wir beide auch definitiv den Sommer frei haben, haben wir angefangen, eine ganz grobe Route zu planen.

Einen Monat vor Start haben wir uns um die essenziellen Sachen/Equipment gekümmert (Timon hat sich ein gebrauchtes Fahrrad gekauft, Justus das alte Flut-Fahrrad seines Vaters mit einem Freund wieder auf Vordermann gebracht, Isomatten und Ersatzteile bestellt, und sich alles weitere wie Zelt, Fahrradtaschen etc. von Familie und Freunden geliehen). Ein paar Tage vor Abfahrt wurden dann noch die letzten Kleinigkeiten im Sportgeschäft besorgt.

Sportlich gesehen haben wir uns gar nicht auf die Tour vorbereitet. Eine gewisse Grundfitness bestand vermutlich schon durch Hobbies wie Joggen, aber beide saßen am ersten Tag der Fahrradtour seit langem mal wieder richtig auf dem Rad. Wir haben aber die ersten Tage auch nicht direkt übertrieben, sondern unsere Körper ans (fast) tägliche Radeln herangeführt.

Dann wurden in den letzten Tagen Familie und Freunde besucht & gedrückt und das Abenteuer startete!

Gibt es Erlebnisse auf Ihrer Reise, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Jeder Tag war ein eigenes kleines Abenteuer für sich, bei dem wir nie wussten, wo wir bei Dämmerung landen werden … daher fällt es uns schwer, aus den unzähligen tollen Erlebnissen und Begegnungen ein oder zwei Highlights auszuwählen.

Dass wir in der Lagune von Patok mit einer Gruppe junger Albaner, auf einem klitzekleinen Boot, zum Fischen hinausgefahren sind und am Abend in geselliger Runde den frisch gefangenen Fisch verspeist haben, werden wir jedoch wohl nie vergessen.

Ebenfalls werden wir die Emotionen für immer in Erinnerung behalten, nach zehn Wochen voller sportlicher Herausforderungen, überstandener Gefahren und Gastfreundschaft, endlich in Istanbul angekommen zu sein. Das hat das Gefühl nach unserer Alpenüberquerung (durch das Skigebiet Obertauern und über den Loiblpass nach Slowenien) noch mal „getoppt“.

Bleibt es bei der einen Reise oder stehen weitere Touren an?

Nach dieser fantastischen Reise steht bei uns jetzt erst mal der Start ins Berufsleben an. Wir freuen uns auf unser ebenfalls sehr schönes Leben in Deutschland, dessen Vorzüge und Privilegien wir durch diese Erfahrungen noch mal mehr zu schätzen wissen. Dass wir uns in zwei, drei Jahren noch mal für eine längere Zeit aufs Rad schwingen, schließen wir aber definitiv nicht aus. Denn diese Art zu Reisen hat uns ermöglicht, hautnah an der Natur und Kultur der jeweiligen Länder dran zu sein und ein echtes Abenteuer zu erleben. Kleinere (Wochenend-)Touren werden aber bestimmt folgen, da es für uns beide nach München geht und das Umland perfekt zum Radfahren geeignet ist.

Weitere Informationen

Mehr Bilder, Texte und Videos von Justus und Timon finden Interessierte auf dem dem Instagram-Account 2RadlerBitte. Hier haben die beiden Sportler Tagebuch geführt, um Familie und Freunde auf dem neuesten Stand gehalten. Hier gibt es auch viele Statistiken und Infos zur Tour. ROB

Timon Herwig (l.) und Justus Lutterbey am Bosporus. Foto: privat

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  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

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