Flugzeugtaufe auf dem Segelflugplatz Mönchsheide
Mit dem Rolliflieger in die Luft
Bad Breisig. Das Segelfluggelände Mönchsheide oberhalb von Bad Breisig wurde bereits 1937 als Ausweichflughafen für die Luftwaffe gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände landwirtschaftlich bearbeitet. Seit 1970 wird das Gelände als Segelfluggelände genutzt, betrieben vom Luftsportverein Mönchsheide e.V. Der Flugplatz hat eine Betriebszulassung für Segelflugzeuge, Motorsegler und Ultraleichtflugzeuge, größere Motorflugzeuge dürfen dort nicht landen.
Der Luftsportverein Mönchsheide (LVM) ist Teil einer Landes-Flugschule und damit berechtigt, Piloten auszubilden. Nun war das Ausbildungsflugzeug nach 30 Jahren und 18.000 Starts und Landungen in die Jahre gekommen. Für den Verein stellte sich die Frage, ob sich eine Neulackierung finanziell lohne oder ob ein Neukauf sinnvoller sei. Mithilfe von Spenden und Unterstützungen, insbesondere durch die Kreissparkasse Ahrweiler und die Stadt Bad Breisig, konnten finanzielle Mittel gesammelt werden. Entscheidend für einen Neukauf war die finanzielle Unterstützung durch die zuständige rheinüberspannende „LEADER-Region Rhein-Ahr“, der die rheinland-pfälzischen Städte und Gemeinden Bad Breisig, Sinzig, Remagen, Unkel, Linz und Bad Hönningen angehören. Diese Region ist ein festgelegtes ländliches Gebiet, das durch das EU-LEADER-Programm Projekte in den Bereichen Wirtschaft, Tourismus, Natur und Soziales fördert. Damit sollen ländliche Räume gestärkt werden mit dem Ziel der Verbesserung von Lebensqualität und Wirtschaftskraft.
180.000 Euro-Investment für mehr Inklusion
Bei der Auswahl des neuen Segelflugzeugs berücksichtigte der LVM von Beginn an den Gedanken der Inklusion und die Förderung des Behindertensports. Dabei ließ sich der Verein von den „Rolli-Fliegern“, der Interessengemeinschaft Luftsport treibender Behinderter e.V., beraten. Seit über 50 Jahren bildet der LVM auf der Mönchsheide Jugendliche ab 14 Jahren sowie Erwachsene jeden Alters bis zur Pilotenlizenz aus, und kann ab jetzt auch Menschen, die aufgrund eines Handicaps auf einen Rollstuhl angewiesen sind, zu Segelflugzeugpiloten/Innen ausbilden.
In einem kurzen Gespräch erläuterten die Vereinsvorsitzenden Hans-Georg Werner (1. Vorsitzender) und Bernd Dolba (2. Vorsitzender) sowie die Pressereferentin Ursula Sommer, dass das Segelfliegen sich in den 1920er Jahren an der Wasserkuppe in der Rhön entwickelt hatte. Jedes Segelflugzeug werde in Handarbeit hergestellt. Das neue inklusionsfähige Doppelsitzer-Segelflugzeug habe 182.358 Euro gekostet und sei im renommierten Rhöner Unternehmen „Alexander Schleicher“ gebaut worden.
Und wie funktioniert überhaupt Segelfliegen? Da kein Motor vorhanden ist, erfolgt der Start meistens mit einer Seilwinde, die das Flugzeug in wenigen Sekunden hochzieht. Mittels Thermik (Auftrieb durch warme Luftblasen) kann das Flugzeug an Höhe gewinnen und dann mittels Gleitflug zum nächsten Aufwindgebiet gelangen. Die Steuerung erfolgt wie bei Motorflugzeugen über Höhen-, Seiten- und Querruder. Das Seitenruder wird normalerweise mit Fußpedalen gesteuert, beim neuen inklusionsfähigen Flugzeug ist eine zusätzliche Handsteuerung als Option eingebaut. Über Sprechfunk wird mit dem Tower und dem Seilwindengerät Kontakt gehalten sowie Start und Landung abgestimmt.
Feierliche Taufe
Der eigentliche Festakt begann mit der Begrüßungsrede des LVM-Vorsitzenden Hans-Georg Werner, der die Ehrengäste und Sponsoren begrüßte. Der erste Beigeordnete der Stadt Bad Breisig, Norbert Heidgen, hatte dann die ehrenvolle Aufgabe, das neue Flugzeug mit ein paar Spritzern Sekt auf den Namen Gerd (nach einem jüngst verstorbenen Vereinsmitglied) zu taufen. Danach ergriff Fluglehrer Harald Weber das Wort. Seit 1976 Segelflieger, seit 1988 Rollstuhlfahrer, war er aus der Pfalz angereist, um das neue Segelflugzeug einzufliegen. In seiner Rede drückte er die große Dankbarkeit der Rolliflieger aus, da die Mönchsheide nun einer der wenigen Orte in Deutschland sei, wo Inklusion im Segelsport gelebt und unterrichtet wird. Es folgten kurze Ansprachen von Jan Ermtraud, Vorsitzender der LEADER-Arbeitsgruppe Rhein-Ahr, von Guido Mombauer, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ahrweiler, sowie von Ernst Eymnann, Präsident des Luftsportverbands RLP und von Fritz Langenhorst, Vizepräsident des Sportbundes Rheinland. Sehr imponierend war der Auftritt des fast 100-jährigen Franz Reiff, der sich als Gründungsmitglied große Verdienste um den Aufbau des Segelflugplatzes Mönchsheide erworben hat und in seiner Rede die schwierige Aufbauzeit beleuchtete.
Nach einem Sektumtrunk wurde nun die Möglichkeit geboten, zusammen mit Harald Weber einen Rundflug im neuen Segelflugzeug zu starten. Bänker Guido Mombauer war der erste, der den obligatorischen Fallschirmrucksack anzog und sich hinter den Piloten setzte. Bevor über die Nachfolge des Bankchefs im Falle eines Unglücks spekuliert werden konnte, landete dieser freudestrahlend wieder auf der Graspiste.
Hoch über der Heimat
Auch der Unterzeichner bestieg das imponierende Flugzeug mit einer Spannweite von 17 Metern. Der Start mit der Seilwinde auf der 700 Meter langen Piste vollzog sich rasant, bereits nach wenigen Metern erhob sich das Flugzeug in die Luft. Dort ist die Freiheit zwar nicht grenzenlos – aber wunderschön! Sehr faszinierend, die Heimatregion mit Stadt Bad Breisig, dem Rhein und den Wäldern von oben bestaunen zu können – und unbedingt zur Nachahmung empfohlen, die der Luftsportverein Mönchsheide anbietet.
So endete ein spannender Tag mit weichen Knien, aber auch interessanten Eindrücken über einen ganz besonderen Ort im Breisiger Ländchen. AKS
Gruppenbild bei der Flugzeugtaufe, in der Mitte der 1. Beigeordnete der Stadt Bad Breisig Norbert Heidgen.
Kurz vor dem Abheben: Jan Ermtraud, Vorsitzender der LEADER-Region, mit Pilot Harald Weber Foto: Picasa
