Allgemeine Berichte | 29.06.2018, 16:13 Uhr

Redaktionsgespräch mit Manfred Breitbach, Geschäftsführer der Unfallkasse Rheinland-Pfalz

Neue Präventionskultur mit „kommmitmensch“-Kampagne etablieren

Manfred Breitbach im Gespräch mit Hermann Krupp. Foto: WPA
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„Es steht Großes an“, begrüßt Hermann Krupp Manfred Breitbach. Im Rahmen der bundesweiten Kampagne „kommmitmensch“ wollen Unfallkassen und Berufsgenossenschaften als gesetzliche Unfallversicherung sich für eine neue „Kultur der Prävention“ einsetzen. Wie das über die nächsten zehn Jahre funktionieren soll, erklärt der Geschäftsführer der Unfallkasse Rheinland-Pfalz im Redaktionsgespräch im Krupp-Medienzentrum in Sinzig.

Sinzig. „Was steckt genau hinter der großen Kampagne?“ Hermann Krupp lässt den Geschäftsführer erläutern. Ziel der Kampagne ist es, so Manfred Breitbach, die Anzahl von Unfällen weiter zu reduzieren und die Gesundheit zu stärken. Daher werden die Menschen in Betrieben, Bildungseinrichtungen und öffentlichen Institutionen eingeladen, sich für Sicherheit und Gesundheit zu engagieren.

Dabei geht es nicht um neue Vorschriften, sondern um die Etablierung einer ganz neuen „Kultur“. Wer achtsam mit sich selbst umgeht, wer achtsam im Team ist, verursacht weniger Unfälle. Das führt am Ende zu geringeren Ausfallzeiten in den Organisationen und final auch geringere Behandlungs- und Rehakosten für die Volkswirtschaft. „Geld spielt immer eine große Rolle“, weiß Hermann Krupp. „Aber auch beim Gesundheitsbewusstsein?“ Nicht direkt, antwortet Manfred Breitbach. Und es ist „gut so, dass es ganz hinten ist“. Anders als bei der Krankenversicherung, gibt es bei der gesetzlichen Unfallversicherung „keine Personenidentität“. Daher wolle man sich „auf den Menschen konzentrieren“. Eine gesetzliche Aufgabe der Unfallkasse ist es, sich „mit allen geeigneten Mitteln“ um Prävention zu kümmern. Hält die Unfallkasse sonst schon viele Angebote bereit, so ist die neue Kampagne bewusst sehr breit ausgerichtet.

6 Handlungsfelder werden über 10 Jahre abgearbeitet

Dazu wurden sechs Handlungsfelder definiert: 1. Führung. Führungskräfte sind Vorbilder und machen Sicherheit und Gesundheit zu zentralen Themen im Betrieb. 2. Kommunikation. Dialog und Transparenz als wichtiges Bindemittel für Sicherheit und Gesundheit. 3. Beteiligung. Denn wer das Wissen der Menschen im Betrieb nutzt, handelt sicherer, gesünder und erfolgreicher. 4. Fehlerkultur. Wer Fehler offen anspricht, kann daraus lernen und Unfallrisiken vermeiden. 5. Betriebsklima. Ein gutes Betriebsklima entsteht durch gegenseitige Wertschätzung, Respekt und Vertrauen. 6. Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten werden bei allen Entscheidungen mitgedacht.

Zu jedem Handlungsfeld wurde Checklisten erarbeitet. Jedes Handlungsfeld wird im Laufe der kommenden zehn Jahre sukzessive in die Kampagne eingebracht. Breitbach weiß, dass sich die Handlungsfelder überschneiden. Grundsätzlich, sagt er, muss jeder Träger seinen eigenen Fahrplan nach der individuellen Kompetenz, nach der Art des Betriebs maßschneidern.

Wie soll man die Menschen mitnehmen?

Wir erleben derzeit sehr viele Veränderungen in sehr kurzer Zeit, überlegt Hermann Krupp. Es gibt zwar viele Vorteile in dieser Entwicklung. Wir müssen das aber auch händeln können. Ja, sagt der Geschäftsführer, wie man die Menschen dabei mitnehmen kann, ist eine zentrale Überlegung. „Wie gehen Sie in die Praxis?“ fragt der Chefredakteur. „Haben Sie schon Pläne, wie die Kampagne vor Ort umgesetzt wird?“ Um die Streuung breit zu halten, wird es Veranstaltungen je nach Zielgruppe geben. Mit dem ersten Handlungsfeld „Führung“ wird es z.B. im Oktober in Kirchheimbolanden die Veranstaltung „Die gesundheitsförderliche Kita“ geben. Die Zielgruppe sind Verantwortliche und Kitaleitungen. „Gesund führen – Führungskräfte in der Schlüsselrolle zur Entwicklung gesunden Arbeitens“ ist eine Veranstaltung für kommunale und Landeseinrichtungen, die am 17. Oktober in Andernach stattfinden wird. Alle Veranstaltungen sollen zielgruppenorientiert sein. Dazu greift die Unfallkasse auf eigene Fachleute zurück sowie auf Kooperationspartner.

Wer gehört denn zur Zielgruppe der Kampagne? Im Grunde alle, von den Führungskräften, die als Vorbilder dienen sollten, bis hin zu den Beschäftigten. Und Manfred Breitbach ist sicher, dass das Thema nicht unbedingt nach den zehn Jahren Kampagne beendet sein wird – schließlich will man eine neue Kultur. Das bedeutet auch, dass man am besten schon bei den Kleinsten beginnt. Wenn Kinder die Gedanken von Sicherheit und Gesundheit verinnerlichen, zementiert sich das eher zu einer Selbstverständlichkeit. „Und ich glaube, die Eltern lassen sich auch lenken“, etwa wenn das Kind ermahnt, man solle sich doch anschnallen, bevor der Wagen gestartet wird, oder wenn die Ernährungsgewohnheiten aus der Kita mit nach Hause gebracht werden.

Aufgabe, die über Generationen geht

Hermann Krupp stimmt zu: „Einem Kind sind Werte leichter zu vermitteln als einem Erwachsenen.“ In den Kitas und Schulen sind die Ansätze bereits da, erklärt Manfred Breitbach, da Schulen heute viele „gesellschaftliche Themen“ übernommen haben, sogar bei der Erziehung einen Teil übernehmen müssen. „Grundsätzlich scheint es aber eine Aufgabe zu sein, die über Generationen geht“, wirft Hermann Krupp ein.

Zielgruppen gezielt ansprechen

„Wie gehen Sie denn an die unterschiedlichen Zielgruppen heran?“ fragt Hermann Krupp. „Das ist eine Herausforderung“, weiß Manfred Breitbach. Aber da man auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann, wird diese Herausforderung individuell geklärt werden. In großen Verwaltungen beispielsweise sollen Veranstaltungen auf einzelne Ämter heruntergebrochen werden. Das heißt etwa, Kollegen von einem Bauhof erhalten andere Veranstaltungen auf sich zugeschnitten, als Kollegen aus der Buchhaltung. Die verschiedenen Berufsgruppen müssen vom Sinn der Kampagne überzeugt werden, müssen verinnerlichen und sollen schließlich leben, was ihnen nähergebracht wird. Das Ziel formuliert Manfred Breitbach so: „Du hast dann Menschen, die lieber zu Arbeit kommen, die gesünder bleiben.“

Veränderungskompetenz nötig

„Wann startet die Kampagne offiziell?“ Landesweit wird sie offiziell am 3. September eröffnet. Es wird dann zur Einführung verschiedene Veranstaltungen geben, um eine breite Basis zu schaffen.

Manfred Breitbach und Hermann Krupp sind sich einig, dass die Veränderungskompetenz beim Projekt eine sehr wichtige Rolle spielt. Krupp: „War das früher ein Tabuthema?“ Breitbach: „Es hat auch damit zu tun, dass es früher den Chef gab, der sagte, was zu tun war.“ Heute hat das eine andere Dynamik. Wie sich die Arbeitswelt bereits in dieser Richtung geändert hat, erkennt man an den jüngeren Generationen, die andere Ansprüche stellen – die berühmten Generationen Y und Z.

Hermann Krupp: „Wagen Sie einen Blick in die Zukunft, Herr Breitbach. Was bringt uns allen diese Kampagne?“ Manfred Breitbach: „Wir leben sicherer, gesünder, es gibt ein besseres Miteinander. Wir müssen weniger Unfälle registrieren, weniger Verletzungen und Verletzungsfolgen. Die Menschen sind gesünder. Eine größere Zufriedenheit macht sich breit.“ Sicherheit und Gesundheit sind selbstverständlicher Bestandteil allen beruflichen Denkens und Handelns. WPA

Manfred Breitbach im Gespräch mit Hermann Krupp. Foto: WPA

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