Allgemeine Berichte | 12.02.2026, 11:08 Uhr

War der Ortsbeirat Heddesdorf ausreichend informiert?

Neuwied: Altbaumbestand auf dem Schulhof der Geschwister Scholl Schule soll gefällt werden

Symbolbild.
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Neuwied. Überraschend und ohne Ankündigung oder irgendwelche schriftlichen Unterlagen wurde dem Ortsbeirat Heddesdorf am 20.01.2026 eine Neuplanung des Schulhofs der Geschwister Scholl Schule vorgestellt. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass die dort stehenden drei großen und ca. 70 Jahre alten Platanen der Neuplanung weichen müssen.

Auf kritische Nachfrage von Frau Dr. Etscheidt von der gleichnamigen Wählergruppe wurde erläutert, dass die Bäume kerngesund seien, aber der Schulhof für die Baufahrzeuge recht beengt wäre, so dass man die drei Bäume nicht ausreichend schützen könnte. Ausserdem wäre die Planung mit der Schulleitung, den Lehrern, den Kinder und den Eltern zusammen erarbeitet worden und entspräche deshalb deren Wünschen.

Da der Ortsbeirat vorher keine Kenntnis von dieser Baumaßnahme hatte, konnten Recherchen zu dem Zustand des Schulhofes, den Bäumen und ihren ökologischen Funktionen, zu möglichen Schutzmaßnahmen, zu den Wünschen der Schule und zu Meinungen der betroffenen Anwohner erst im Nachhinein eingeholt werden. „Ich habe Tage damit zugebracht, die notwendigen Informationen zusammenzutragen.“ berichtet Etscheidt und ergänzt: „Dies mache ich normalerweise im Vorfeld einer Entscheidung, was allerdings diesmal nicht möglich war.“

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Planungen von Verwaltungsseite her von Anfang an ohne die Platanen stattfanden, die Schule diese Entscheidung also gar nicht treffen konnte. Da es Beschwerden wegen der fallenden Blattmasse im Herbst und einer zeitlich sehr eingeschränkten Verbreitung von Allergenen gab, wurde sich aber auch nicht für den Erhalt der großen Bäume eingesetzt. „Die Quittung wird die Schule spätestens im Sommer bekommen, wenn sich die bisher beschatteten Schulhofflächen und Gebäude aufheizen,“ ist sich die Wählergruppe sicher. Die neu geplanten Bäume oder Jalousien können dies nicht verhindern.

Platanen gelten als sehr klimaresilient, weshalb sie in anderen Städten bereits geschützt sind. Es sind robuste Stadtbäume, die als Herzwurzler eine tiefe Pfahlwurzel besitzen, sich also noch dann mit Wasser versorgen und für Verdunstungskühle sorgen können, wenn andere Bäume bereits aufgegeben haben. Ausserdem sind sie vor allem durch die Spalten in der Rinde Nahrungs- und Wohnhabitat für Fledermäuse, viele Insekten und Vögel. Platanen sind auch für ihre hohe Rate an Sauerstoffbildung und Luftfilterung bekannt. Diese positive Wirkung wird nicht nur der Schule, sondern auch dem ganzen Quartier und damit den Anwohnern in Zukunft fehlen. Bis die neu geplanten Bäume – falls überhaupt – diese Funktionen übernehmen können, vergehen nach Expertenmeinung Jahrzehnte.

Befragte Landschaftsarchitekten berichten, dass man sehr wohl den Schutz der Altbäume zusammen mit einer Neuplanung verwirklichen kann. Die Kreisverwaltung hat es auf dem neu gestalteten Schulhof des Rhein Wied Gymnasiums vorgemacht. Die Planungsausführungen an der Geschwister Scholl Schule stehen zudem vor besonderen Herausforderungen, weil unter dem Schulhof mit den Überbleibseln von Limes und Kastellbad Fundstellen unseres römischen Kulturerbes zu finden sind. Das Gelände unterliegt deshalb eigentlich einem Grabungsschutz, was die Entnahme der alten und die Pflanzung der neuen Bäume erschwert.

„All diese Informationen hätte der Ortsbeirat sicher gerne vorab gehabt,“ fasst Etscheidt Ihre Recherchen zusammen. Dass der Schulhof einer Neuplanung bedarf, ist für sie unbestritten. Das Hauptproblem sieht sie darin, dass Planungen in Neuwied nach wie vor von Anfang an ohne den Altbaumbestand gemacht werden. Dies im Nachhinein zu korrigieren, ist fast unmöglich.

Pressemitteilung Dr. Jutta Etscheidt, Stadtratsmitglied der Wählergruppe Jutta Etscheidt

Symbolbild. Foto: Pixabay

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