Allgemeine Berichte | 30.09.2025, 09:21 Uhr

Der ADAC untersuchte 100 Nahverkehrs-Verbindungen in 20 Großstädten

ÖPNV bei Nacht: Koblenz schneidet mit "gut" ab

Foto: ADAC Mittelrhein e.V. / Mirco Hillmann
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Koblenz. Nach Restaurant-, Theater- oder Clubbesuch am Wochenende bequem und zuverlässig mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren – das ist nicht überall in Deutschland selbstverständlich möglich. Der ADAC hat dazu erstmals insgesamt 100 Nahverkehrs-Verbindungen in 20 Großstädten untersucht, Ergebnis: Die Hälfte bietet bis in die späte Nacht einen guten bis sehr guten Service, aber etwa für unter 18-Jährige, die bis Mitternacht Clubs und Bars verlassen müssen, gestaltet sich der Nachhauseweg oft schwierig.

Die Tester konzentrierten sich auf 20 Großstädte zwischen 100.000 und 1 Million Einwohner in ganz Deutschland und wählten als Zielorte jeweils fünf Umlandgemeinden mit jungem Bevölkerungsschwerpunkt aus. Untersucht wurde das Nahverkehrsangebot in zwei Zeitfenstern: einem größeren zwischen 23.30 und 2.30 Uhr und einem kleineren zwischen 23.30 und 0.30 Uhr. Das kleinere ist vor allem für Jugendliche unter 18 Jahren relevant, denen von Gesetz wegen ab 24 Uhr der Aufenthalt in Gaststätten ohne Begleitung eines Erwachsenen nicht gestattet ist. Weitere Kriterien waren die Anzahl der Umstiege, die Reisegeschwindigkeit sowie die Länge der gegebenenfalls notwendigen Fußwege von der Haltestelle, bei der ausgestiegen werden musste, bis zur festgelegten Zielhaltestelle, die nicht angefahren wurde.

Unter den getesteten Städten befanden sich auch zwei rheinland-pfälzische Großstädte. Während Koblenz mit der Bewertung „gut“ abschnitt, bekam Trier von den Testern nur ein „ausreichend“. Koblenz schnitt unter anderem deshalb besser ab, weil es eine von lediglich drei Städten war, in der alle fünf Zielorte ohne Umstiege erreicht werden konnten, in Koblenz als einzige Destination zum Testzeitpunkt sogar ohne Fußwege. Koblenz bietet auch nachts einen umfassenden Bus- und Nachtbus-Service ins Umland, was besonders für Jugendliche und Personen ohne Führerschein von Vorteil ist.

Im Gegensatz dazu erhielt Trier von den Testern nur ein „ausreichend“. Hier konnten lediglich vier Zielorte ohne Umstiege erreicht werden. Negativ aufgefallen ist auch, dass in Trier längere Fußwege von bis zu dreizehn Minuten erforderlich waren, um die Haltestelle zu erreichen. Auch bemängelten die Tester, Unzuverlässigkeiten in der elektronischen Verbindungsauskunft. Hier wurden nicht alle Verbindungen – in diesem Fall der Schienenersatzverkehr nach Konz – zum Testzeitraum angezeigt. „Jeder hat ein Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“, sagt Christian Schmidt, Mobilitätsexperte des ADAC Mittelrhein in Koblenz. „Der ÖPNV ist hierbei ein grundlegender Baustein für Menschen, die sich sicher und zuverlässig durch die Nacht bewegen möchten.“

Insgesamt zeigte sich: Immerhin die Hälfte der untersuchten Startstädte bieten bis in die späte Nacht hinein einen guten (Koblenz, Leipzig, Mannheim, Nürnberg, Stuttgart) bis sehr guten (Augsburg, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Hannover) Nahverkehrs-Service. Weniger gut sieht es bei der anderen Hälfte aus: Drei Städte (Kassel, Saarbrücken, Trier) erhielten ein „ausreichend“. Die vier Schlusslichter wiesen eine eingeschränkte (Lübeck, Osnabrück, Potsdam) bis lückenhafte (Erfurt) Anbindung ans Umland auf. Drei der 20 getesteten Städte (Bielefeld, Magdeburg, Rostock) mussten ganz aus der Wertung genommen werden, weil nachweislich vorhandene Verbindungen zum Erhebungszeitpunkt über die elektronische Fahrplanauskunft nicht angezeigt wurden.

Überraschend war für die ADAC Tester, dass sich ausgerechnet in dem für Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren relevanten Zeitfenster (23.30 – 0.30 Uhr) der Heimweg schwieriger gestaltete, da die nächste Verbindung teilweise erst spät in der Nacht angeboten wurde. Hier konnten nur in 12 der 17 bewerteten Städte alle fünf Zielorte erreicht werden. Gerade für diese Gruppe aber sollte das Angebot um Mitternacht größer sein, fordert der ADAC.

Was unabhängig von den Bewertungskriterien besonders negativ auffiel: Die Fahrplanauskunft auf den Webseiten der Verkehrsverbünde bzw. Tarifgemeinschaften funktionierte zum Testzeitpunkt und teilweise auch bei späteren Kontrollen in 13 von 20 Städten nicht durchgängig zuverlässig, sodass das vorhandene Angebot nicht immer vollständig angezeigt wurde. Auch bedauert der ADAC, dass vorhandene flexible On-Demand-Verkehre meist nicht in die Verbindungsauskunft integriert sind.

Der ADAC empfiehlt Nachtschwärmern, vor der Heimfahrt mit Bus und Bahn zu prüfen, ob es aktuelle Fahrplanänderungen wie Schienenersatzverkehr, Umleitungen oder Haltestellensperrungen gibt. Hilfreich bei der Verbindungssuche ist auch, unterschiedliche Informationsquellen (App, Homepage, Google maps) zu nutzen und verschiedene Kombinationen aus Start- und Zielhaltestelle einzugeben.

Weitere Informationen dazu sind auf adac.de abrufbar.

Pressemitteilung ADAC Mittelrhein

Foto: ADAC Mittelrhein e.V. / Mirco Hillmann

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