Allgemeine Berichte | 30.04.2018

Schüler der Berufsbildenden Schule im Kreis Ahrweiler besuchten Fachmesse in Bad Honnef

Politik und Praxis treffen aufeinander

Produktiver Dialog über die Pflegeausbildung - Vorschläge zur Pflegereform an MdB Nicole Westig übergeben

Studienrat Sven Schwarz (v. l.), Studienreferendarin Ute Lobb, Nicole Westig (MdB), Studienrätin Anja Weischedel und die Pflegeschülerinnen und -schüler diskutiert in Bad Honnef über die Reform der Pflegeausbildung.  H. Schwarz

Bad Honnef/Bad Neuenahr. Fragen zum Thema „Pflege“ und „Pflegeausbildung“ haben zurzeit einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Der oft beklagte Pflegenotstand im Zuge des demographischen Wandels und die Neugestaltung der Pflegeausbildung in Deutschland bieten viele Ansatzpunkte für lebhafte Diskussionen.

Den Altenpflegeschülern der Klasse FS. Alt 17 A der Berufsbildenden Schule des Landkreises Ahrweiler war es ein Anliegen, ihre praktische Ausbildungserfahrungen mitzuteilen und Fragen zu formulieren, die sich, aus ihrer Sicht, durch die geplante Umgestaltung der Pflegeausbildung ergeben. Ein Treffen mit der Bundestagabgeordneten Nicole Westig (FDP) bei der Berufsbörse der Messe Sivita(l) in Bad Honnef bot ihnen die Gelegenheit, ihre Ideen und Anregungen vorzutragen. Bei der Begegnung in Bad Honnef traf Politik auf Praxis. Sie wurde zu einem interessanten Erfahrungsaustausch, denn die Pflegeausbildung befindet sich in einem umfassenden Umgestaltungs- und Reformprozess. Die Ausbildung soll „generalisiert“ werden. Vereinfacht ausgedrückt werden in Zukunft Altenpfleger sowie Kranken- und Kinderpfleger nicht mehr getrennt ausgebildet. Es wird dann allgemein ausgebildete Pflegerinnen und Pfleger geben, die in den unterschiedlichen pflegerischen Berufsfeldern eingesetzt werden.

Ein Berufsbild im Wandel

Für die angehenden Altenpfleger ist es von entscheidender Bedeutung, wie sich ihr Berufsbild in den kommenden Jahren entwickelt. „Was bleibt von der Altenpflege nach der Reform?“, ist eine entscheidende Frage, die sie bewegt. Auf der Basis der eigenen Praxiserfahrungen in den ambulanten und stationären Einrichtungen entwickelten sie mithilfe ihrer projektbetreuenden Lehrer Sven Schwarz, Anja Weischedel und Ute Lobb eigene Reformideen und diskutierten mit der Parlamentarierin. Die Schüler formulierten ihre Anregungen zur Reform der Pflegeausbildung, die sie dann in ihrem „Pflegereformhaus“ sammelten. Die Altenpflegeschüler Florian Kurth und Moritz Höhn übergaben das „Haus“ mit ihren Ideen und Forderungen zu Beginn des Gedankenaustauschs an die Bundestagsabgeordnete, die als pflegepolitische Sprecherin der FDP dem Gesundheitsausschuss des Bundestags angehört. „Dieses Haus steht sinnbildlich für die Reform der Gesundheits- und Altenpflegeausbildung. Wir haben als Klasse mehrere Themen und Fragestellungen, die uns sehr beschäftigen, zusammengetragen, um dieses Haus zu füllen“, erklärten die Schüler. Sie hatten sich damit beschäftigt, welche Eigenschaften ein Auszubildender in der Alten- und Krankenpflege mitbringen sollte, warum die Schüler ihren Beruf gerne ausüben und welche Missstände es aktuell in der Pflege gibt. Die Parlamentarierin versprach, diese Impulse und Anregungen für die Beratungen des Gesundheitsausschusses mitzunehmen. In der anschließenden Diskussion, die von ihrem Lehrer Sven Schwarz moderiert wurde, vermittelten die Schüler authentische Einblicke und persönliche Erfahrungen in die Ausbildung der Pflegeberufe. Die Schülerin Therese Jansing sprach die Praxistauglichkeit einer allgemein ausgerichteten Pflegeausbildung an. „Können die so ausgebildeten Alleskönner wirklich alles?“, lautete ihre Frage. Diese Problemkreise und die Ausbildungsqualität in den Betrieben und eine bessere Abstimmung der praktischen und theoretischen Ausbildung bestimmten den Gedankenaustausch.

Anregungen von Pflegeschülern

Diskutiert wurde auch über die Sinnhaftigkeit der geltenden gesetzlich geregelten Zeitrichtwerte für Pflegeleistungen. Nicole Westig sprach sich für eine gezielte Nutzung der Digitalisierung zur Entlastung der Pflegenden von administrativen Arbeiten zugunsten ihrer Arbeit am Menschen aus. Als ein Ergebnis des Gesprächs mit den Schülern betonte sie nach der Diskussion: „Auch bei der Ausbildung besteht Handlungsbedarf. Pflegeschülerinnen und -schüler müssen mehr und bessere Praxisanleitung bekommen.“ Einig waren sich die Schüler und die Politikerin über den gesellschaftlichen Stellenwert der Pflege. Mit Blick auf die angespannte Personalsituation in vielen Pflegeeinrichtungen erklärte Westig: „Menschen, die in der Pflege tätig sind, benötigen mehr Anerkennung und Wertschätzung, die sich auch in einer angemessenen Bezahlung niederschlagen muss.“ Konsens bestand auch darüber, dass im Rahmen der Neuausrichtung der Pflegeausbildung eine enge Verzahnung von theoretischen und praktischen Inhalten sowie der berufsschulischen und betrieblichen Ausbildung erreicht werden sollte. Die liberale Parlamentarierin betonte, dass eine offensive Interessenvertretung der Pflegeberufe dazu beitragen könne, dieses Berufsfeld attraktiver zu machen. Pflegekammern könnten in diesem Kontext eine positive Rolle bei der Gestaltung des Berufsfelds spielen.

Zum Abschluss des Gedankenaustauschs dankte Lehrerin Anja Weischedel der Bundestagabgeordneten für die Bereitschaft zu diesem intensiven Gedankenaustausch mit den Pflegeschülern, die sich durch die Vorbereitung auf dieses Treffen mit den Problemlagen ihres Berufs und denen der anstehenden Reform der Ausbildung auseinandersetzten. Sven Schwarz dankte im Namen der Schüler für die wertvolle Erfahrung, wie im demokratischen Prozess die Rahmenbedingungen des Ausbildungs- und Berufsalltags politisch gestaltet werden und wie man sich in diesen Prozess als Bürgerinnen und Bürger einbringen kann. -HS-

Die Altenpflegeschüler Moritz Höhn (r.) und Florian Kurth übergaben ein „Pflegereformhaus“ mit Anregungen der Altenpflegeklasse an Nicole Westig.

Die Altenpflegeschüler Moritz Höhn (r.) und Florian Kurth übergaben ein „Pflegereformhaus“ mit Anregungen der Altenpflegeklasse an Nicole Westig.

Nicole Westig im Gespräch mit den Altenpflegeschülern über Fragen der Reform der Ausbildung der Pflegeberufe.

Nicole Westig im Gespräch mit den Altenpflegeschülern über Fragen der Reform der Ausbildung der Pflegeberufe.

Studienrat Sven Schwarz (v. l.), Studienreferendarin Ute Lobb, Nicole Westig (MdB), Studienrätin Anja Weischedel und die Pflegeschülerinnen und -schüler diskutiert in Bad Honnef über die Reform der Pflegeausbildung. Fotos: H. Schwarz

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