Allgemeine Berichte | 07.02.2016, 11:30 Uhr

Stadt Lahnstein erinnert an Ehrenbürger

Rudi Geil starb vor zehn Jahren

Rückschau auf eine bemerkenswerte politische Karriere

Ehrenbürger Rudi Geil. Slg. Stadtarchiv Lahnstein
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Lahnstein. Die politische Karriere von Rudi Geil begann 1964, als er für die CDU in den Stadtrat von Oberlahnstein gewählt wurde. Seit 1965 war er ihr Fraktionsvorsitzender und setzte sich unter anderem stark für den freiwilligen Zusammenschluss mit Niederlahnstein ein. Bei der ersten Stadtratswahl nach dem Zusammenschluss am 8. Juni 1969 war Rudi Geil Spitzenkandidat der CDU. Seine Partei gewann mit elf Sitzen, während fünf Jahre zuvor noch die SPD in Nieder- und Oberlahnstein eine knappe Mehrheit von jeweils einem Sitz besaß. Rudi Geil wurde Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und auch im Kreistag, dem er seit 1969 angehörte. Nachdem die Stadt Lahnstein durch Rechtsverordnung am 7. Juni 1969 entstanden war, setzte er sich nachhaltig für den Status einer großen kreisangehörigen Stadt ein. Er argumentierte dahingehend, dass die Stärkung der Verwaltungskraft der Stadt Lahnstein eine wirksame Maßnahme gegen Eingemeindungsbestrebungen der Stadt Koblenz sei. Darauf beschloss der Stadtrat einstimmig, bei der Landesregierung zu beantragen, die Stadt Lahnstein ab dem 1. Januar 1970 durch Rechtsverordnung zur großen kreisangehörigen Stadt zu erklären. Gleichzeitig war dies ein Trostpflaster für den nicht gewährten Kreissitz als größte Stadt des neu gebildeten Rhein-Lahn-Kreises.

Geboren wurde Rudi Geil am 25. April 1937 in Oberlahnstein. Nach dem Abitur 1957 am Städtischen Gymnasium studierte er Wirtschaftspädagogik in Bonn und Frankfurt. 1961 machte er Examen als Diplom-Handelslehrer, 1963 folgte das zweite Staatsexamen. Bis 1971 unterrichtete er an berufsbildenden Schulen in Lahnstein und Koblenz. Er heiratete und hatte mit seiner Frau Ingeborg zwei Kinder.

Seine politische Karriere führte ihn von Lahnstein nach Bad Ems, Mainz, Schwerin und Bonn. 1971 wurde er Mitglied des Landtags von Rheinland-Pfalz, dem er bis zu seiner Berufung nach Mecklenburg-Vorpommern 1993 angehörte. In Mainz war er 1973 bis 1976 stellvertretender Vorsitzender und 1976 bis 1981 Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion. Kurz nach Eröffnung der neuen Stadthalle Lahnstein fand hier 1973 der Landesparteitag der CDU statt. Rudi Geil durfte unter anderem Alt-Bundeskanzler Ludwig Erhard begrüßen. Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel berief ihn zum Staatsminister von Rheinland-Pfalz: 1981 bis 1985 als Minister für Soziales, Gesundheit und Umwelt, 1985 bis 1987 als Minister für Wirtschaft und Verkehr sowie 1987 bis 1991 als Minister des Innern und für Sport. Nach Ablösung der Landesregierung durch die SPD 1991 wurde Rudi Geil Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit. 1993 wurde er nach Mecklenburg-Vorpommern gerufen, um dort das Amt des Innenministers zu bekleiden. Im Mai 1997 wurde er in der Regierung von Bundeskanzler Helmut Kohl Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium als Sonderbeauftragter für den Aufbau Ost.

Stete Heimatverbundenheit

Rudi Geil fühlte sich stets der Heimat verbunden und kehrte nach seinem Ausscheiden aus der Bundes- und Landespolitik nach Lahnstein zurück. Er gehörte von 1999 bis zu seinem Tod dem Kreistag Rhein-Lahn an und stand hier bis 2005 der CDU-Fraktion als Vorsitzender vor. Schon als Jugendlicher engagierte er sich ehrenamtlich im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und wurde von 1964 bis 1968 deren Diözesanjugendführer in Limburg. Seit 2001 war er Vorsitzender des Caritasrates der Diözese Limburg. Seiner Heimatpfarrei St. Martin Oberlahnstein blieb er bis zuletzt treu und engagierte sich aktiv im Förderkreis der Kirchengemeinde.

1971 bis 1981 war er Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes des Rhein-Lahn-Kreises und 1980 bis 1991 Vorsitzender des CDU-Bezirksverbandes Koblenz-Montabaur. Rudi Geil war auch von 1975 bis 1987 Vorsitzender des Landesverbandes der Volkshochschulen und seit 2002 Vorsitzender der Senioren-Union Rheinland-Pfalz. Unter den zahlreichen Ehrungen, die ihm zuteil worden, seien die Verleihung des Hexenkrugs 1982 und der Ehrenbürgerschaft der Stadt Lahnstein im November 2005 hervorgehoben. Die Bundesrepublik ehrte ihn mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Rudi Geil starb nach langer Krankheit am 12. Februar 2006 im Alter von 68 Jahren. Während eines Staatstraueraktes der Landesregierung von Rheinland-Pfalz in der Pfarrkirche St. Martin Lahnstein nahmen viele Menschen aus nah und fern Abschied von einem großen Politiker und Ehrenbürger der Stadt Lahnstein. Unter anderen würdigten Ministerpräsident Kurt Beck und der damalige CDU-Landeschef Christoph Böhr die hohen Verdienste Rudi Geils. Im Nachruf hob Oberbürgermeister Peter Labonte hervor, dass die Stadt nicht nur einen engagierten Ehrenbürger verlor, sondern auch einen „Menschen mit Vorbildcharakter, der größte Wertschätzung in der Bevölkerung genoss, weil er hohe fachliche Kompetenz mit Eigenschaften wie Toleranz, Pflichtbewusstsein und Herzenswärme verband. Trotz aller beruflichen und politischen Erfolge blieb er stets bescheiden. Sein Wirken um das Wohl unserer Stadt und ihrer Einwohner wird uns in dankbarer Erinnerung bleiben.“

Zur Erinnerung an Rudi Geil wurde die Straßenbrücke über die Lahn im Jahre 2008 nach ihm benannt. Pressemitteilung

Stadt Lahnstein

Ehrenbürger Rudi Geil. Foto: Slg. Stadtarchiv Lahnstein

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