Neuer Glanz für die Kardener Krippe
Schafe, Hirten und Engel strahlen um die Wette
Künstlerin Gabriele Schmitt restauriert die Figuren aus dem 19. Jahrhundert
Karden. Der Verkündigungsengel sieht schlimm aus und mit diversen Schafen ist es nicht anders: Die Figuren der Kardener Krippe haben im Laufe der Jahre schwer gelitten, immerhin stammen sie vom Ende des 19. Jahrhunderts. Absprengungen, Farbabsplitterungen und Risse plagten Mensch und Tier. Gabriele Schmitt kann sich als Kardener Kind noch gut an die weihnachtliche Krippe erinnern und stellte sich jetzt als studierte Künstlerin kostenlos in den Dienst einer guten Sache: Im Schatten von St. Castor restauriert die gebürtige Moselanerin die Figuren mit Unterstützung von Marlies Michels und Hubert Siebel.
„Ich sitze hier im Kreuzgang und bemale die historischen Schafe, den Verkündigungsengel, aber auch Ochs und Esel. Von hier aus sehe ich mein Geburtshaus, kann die Wohnung meines früheren Klavierlehrers sehen und meinen Erinnerungen nachhängen“, sagt Gabriele Schmitt, die jetzt in Niederwalgern bei Marburg lebt. Mit feinen Pinselstrichen zieht sie den Goldrand am Flügel des Engels nach, er hatte einen tiefen Riss, und der Esel bekam mittlerweile sogar ein neues Ohr. Rund zehn Schafe warten derweil noch geduldig auf eine „Aufhübschung“.
Marlies Michels betreut die Arbeiten in der Stiftskirche St. Castor. Sie versorgt die Künstlerin mit kalten Getränken und allen Materialien, die für die Restaurierung notwendig sind. Überhaupt kümmert sich die pensionierte Lehrerin mit einer kleinen Schar von Ehrenamtlichen um die Stiftskirche. „Ich bin ein richtiges Castor-Kind und fühle mich diesem Heiligen besonders verbunden, mache sogar Führungen in dieser Kirche.“
Drei Projekte hat Gabriele Schmitt bisher zusammen mit Marlies Michel und Hubert Siebel durchgeführt. Begonnen hatte alles vor ein paar Jahren mit der aufwendigen Restaurierung der Kreuzweg-Bilder, dann wurde die Mutter Gottes in der Hochkreuzkapelle aufgearbeitet, und jetzt hilft der Kardener der Künstlerin durch das Abschleifen der Krippenfiguren.
Die Auffrischung der Farben und kleine Reparaturen an der Krippe sind mittlerweile abgeschlossen. Schafe, Hirten und Engel strahlen um die Wette. An Weihnachten können sich die Kardener wieder über eine farbenfrohe Krippe freuen und die Heilige Familie am gewohnten Platz bestaunen. TT
Der Esel aus dem 19. Jahrhundert bekam ein neues Ohr.
Marlies Michels (links) präsentiert Gabriele Schmitt Figuren einer zweiten Krippe.
