Allgemeine Berichte | 27.02.2025, 07:59 Uhr

Dramatische Umweltfolgen für Mayen-Koblenz

Schwere Ölkatastrophe an den Thürer Wiesen

In den Thürer Wiesen im Kreis Mayen-Koblenz ist nach einem Unfall eine erhebliche Menge Heizöl in das Naturschutzgebiet gelangt. Foto: Andreas Frey (BUND)

Thür. Ein verheerender Heizöl-Tanklaster-Unfall an den Thürer Wiesen hat gravierende ökologische Schäden verursacht. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Rheinland-Pfalz lobt den schnellen Einsatz der Feuerwehr, die bereits zehn Minuten nach dem Unfall die ersten Ölsperren errichtete. Dennoch gelangte eine erhebliche Menge Heizöl in das Naturschutzgebiet und bedroht nun die dortige Tier- und Pflanzenwelt.

Die Feuerwehr, das Technische Hilfswerk (THW), die untere Wasserbehörde sowie ein Umweltgutachter sind seit dem Unglück, das offiziell als Katastrophenfall eingestuft wird, nahezu ununterbrochen im Einsatz. Mehrere Sperren wurden im Thürer-Bach sowie an anderen betroffenen Stellen errichtet, um eine weitere Ausbreitung des Öls zu verhindern. Dennoch sind weite Teile des sensiblen Feuchtgebiets stark kontaminiert.

Zusätzlich zu den unmittelbaren Schäden steht nun auch ein geplantes Biotop-Erweiterungs-Vorhaben auf dem Spiel. Die Thürer Wiesen sind das Vorzeige-Feuchtgebiet in Mayen-Koblenz und ein wichtiger Rastplatz für viele durchziehende Vogelarten. Der BUND warnt vor langfristigen Folgen für das Ökosystem, die derzeit noch nicht absehbar sind. „Es muss jetzt entschlossen gehandelt werden, um die Umweltzerstörung so weit wie möglich einzudämmen. Unsere Hoffnung liegt auf schnellen und umfassenden Maßnahmen der Behörden, um zu retten, was noch möglich ist“, erklärt Pressesprecher Gavin Grosvenor vom BUND Rheinland-Pfalz.

Der Tanklaster war mit 31.000 Litern Heizöl beladen. Die Auswirkungen auf die Tierwelt sind bereits dramatisch sicht-bar. Zahlreiche Wasservögel, darunter Stockenten und Blässhühner, haben Öl über ihr Gefieder aufgenommen. Dies führt dazu, dass das Bürzelfett ihre Federn nicht mehr schützt, wodurch die Tiere unterkühlen. Zudem gelangt das Öl in ihren Verdauungstrakt und verursacht einen qualvollen Tod. Auch Amphibien wie Grasfrösche, Erdkröten und Molche sind stark gefährdet, ebenso wie ihre natürlichen Fressfeinde, darunter Störche und Reiher, die sich an ölverschmutzter Beute vergiften. Darüber hinaus beeinträchtigt der feine Ölfilm den Atmosphärenaustausch, sodass kein Sauerstoff mehr ins Wasser gelangen kann. Dies führt zu akutem Fischsterben bei Rotaugen, Stichlingen, Barschen und Gründlingen – Arten, die wiederum als Nahrungsquelle für zahlreiche Vogelarten und Reptilien dienen.

Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe wurde ein Krisenstab gebildet, in den neben der unteren Naturschutzbehörde auch die Stiftung Natur und Umwelt, das THW, die Feuerwehren, ein Gutachterbüro sowie der Landesbetrieb Mobilität (LBM) eingebunden sind. Es wurden bereits gezielte Maßnahmen ergriffen, um die ökologischen Schäden einzudämmen. Eine der vom Gewässerexperten des BUND Andreas Frey empfohlenen Maßnahmen ist das Abmähen der Schilf- und Rohrkolbenflächen bis unter die Wasseroberfläche, da große Mengen Öl daran haften. Obwohl dadurch einige Brutgebiete zerstört werden, soll dies verhindern, dass brütende Vögel sich und ihre Jungen kontaminieren und elendig verenden.

Kritik gibt es jedoch an der fehlenden Information der Bevölkerung. Erst durch externe Hinweise wurde darauf aufmerksam gemacht, dass keinerlei Warnschilder oder Absperrungen an den Wanderwegen aufgestellt wurden. Dies führte dazu, dass Hunde aus dem kontaminierten Bach tranken und Kinder darin spielten. Die zuständigen Behörden haben daraufhin umgehend Schilder aufgestellt, um die Bevölkerung zu warnen. Der BUND fordert eine umfassende Untersuchung des Katastrophenverlaufes um die Verantwortlichkeiten und die Vermeidung ähnlicher Ereignisse in Zukunft zu verhindern.

Pressemitteilung

BUND Rheinland-Pfalz

Für die im Naturschutzgebiet lebenden Tiere ist die Verseuchung lebensbedrohlich.  Foto: Andreas Frey (BUND)

Für die im Naturschutzgebiet lebenden Tiere ist die Verseuchung lebensbedrohlich. Foto: Andreas Frey (BUND)

In den Thürer Wiesen im Kreis Mayen-Koblenz ist nach einem Unfall eine erhebliche Menge Heizöl in das Naturschutzgebiet gelangt. Foto: Andreas Frey (BUND)

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Imageanzeige Werbeplan 2026
Anzeige Dentino Club
Kirmes Plaidt
Kirmes Ettringen 2026
Empfohlene Artikel
Ölsperren in den Thürer Wiesen.Foto: Kreisverwaltung MYK/Morcinek
584

Mendig. Die Arbeiten zur Beseitigung der Verunreinigungen aufgrund des Ölunfalls vom 21. Februar 2025 zwischen Thür und Mendig im Verlauf der B 262 dauern weiterhin an. Die Vollsperrung der B 262 in dem hier in Rede stehenden Streckenabschnitt wurde bis zum 7. April 2025 verlängert. Auch die Auffahrt von der B 256 in Richtung A 61 ist weiterhin von dieser Sperrung betroffen.

Weiterlesen

Ölsperren in den Thürer Wiesen.  Foto: Kreisverwaltung MYK/Morcinek
314

Kreis MYK. Die Arbeiten zur Beseitigung des aufgrund des Tanklasterunfalls vom 21. Februar ausgelaufenen Heizöls in und an den Thürer Wiesen schreiten weiter voran. Auch nach Wochen intensiver Maßnahmen reißt der Einsatz nicht ab. Im Fokus steht weiterhin die Reinigung der Entwässerungsleitungen, um zu verhindern, dass Ölreste in den Thürer Bach und das umliegende Gebiet gelangen.

Weiterlesen

Die Rettungsmaßnahmen im Naturschutzgebiet wurden vergangene Woche mit einer eher ungewöhnlichen Aktion eines Polizeihubschraubers fortgesetzt.  Fotos: KH
264

Thür. Es war ein Ereignis mit schlimmen Folgen: Nach einem Unfall am 21. Februar auf der B262 war Heizöl in ein Regenrückhaltebecken und schließlich in das Naturschutzgebiet „Thürer Wiesen“ gelangt. Der Großteil des Öls wurde unmittelbar nach dem Unfall von der Feuerwehr und dem THW abgesaugt. Die mit Schilf bewachsenen Uferbereiche wurden mit einem Spezialboot abgemäht. Um auch die letzten Reste des Heizöls vollständig zu beseitigen, wurde vergangene Woche noch eine weitere Aktion durchgeführt.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Baustelle der neuen Kurparkrandbebauung im Bad Neuenahr im Juli.
398

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Im Kurpark Bad Neuenahr, dem grünen Herzen und Veranstaltungszentrum der Kurstadt, finden derzeit äußerst umfangreiche Baumaßnahmen statt. Zum einen werden der flutgeschädigte Park selbst sowie das Kurparkterrassengebäude mit der Kleinen Bühne wiederhergestellt, zum anderen entsteht die neue Kurparkrandbebauung, die bereits vor der Flut im Sommer 2021 in Planung war. Sie umfasst...

Von Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler

Weiterlesen

04.09.: Nickenich: Schwerer Verkehrsunfall: Motorradfahrer kollidiert mit Anhänger
1122

Nickenich. Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich auf der L 118 zwischen Andernach und Kruft. Der Fahrer eines Wohnmobils, das mit einem Anhänger unterwegs war, befuhr die Strecke von Nickenich in Richtung Mendig. In der Nähe eines Schotterparkplatzes entschied er sich, das Gespann über die Gegenfahrbahn zu wenden. Genau in diesem Moment kam ein Motorradfahrer entgegen und kollidierte mit dem Anhänger.

Weiterlesen