Bochumer Nachwuchstalente präsentierten „Perikles - Wenn Tyrannen küssen“
Shakespeare-Drama in Waldorf
Waldorf. Längst sind die Inszenierungen von Theater Total in Waldorf ein Geheimtipp geworden. Wer einem der drei Auftritte des Bochumer Ensembles in der vergangenen Woche in der Vinxtbachhalle beiwohnen wollte, tat gut daran, Karten im Vorverkauf zu bestellen.
Theater Total, das ist ein jährlich wechselndes junges Ensemble aus Bochum. Im September des vergangenen Jahres fanden sich die 23 Akteure der Spielsaison 2017 zusammen. In einer intensiven Probenzeit und Findungsphase gehörten Schauspiel, Tanz, Tai-Chi und Akrobatikunterricht ebenso zum Alltag wie die Zubereitung eines täglichen Mittagessens und die Verwaltung des Budgets. Im Dezember fiel die Entscheidung für Shakespeares Drama „Perikles - König von Tyrus“, das die Schauspieler modern unter dem Titel „Perikles - Wenn Tyrannen küssen“ interpretieren. Drei Monate lang touren die Schauspieler nun mit ihrer Inszenierung durch ganz Deutschland. Zum 18. Mal bereits gastierten sie für zwei Abendvorstellungen und eine Schülervorstellung in der jeweils voll besetzten Vinxtbachhalle in Waldorf.
Mit William Shakespeares Spätwerk hat sich das Ensemble für ein handlungsintensives Stück entschieden, das aufgrund der Fülle an Schauplätzen nur selten inszeniert wird. Das Bühnenbild, eine schlichte und schier unendlich wandelbare Holzkonstruktion, nimmt den Zuschauer mit auf Perikles Reise durch das südliche Mittelmeer. Perikles, seinerseits König von Tyrus, flieht vor dem Mordkomplott des in inzestuöser Schande lebenden Königs von Antiochien. Auf seiner Reise gerät er in so manchen Sturm, findet seine Königin Thaisa, die er heiratet, und dann bei der Geburt der Tochter Marina im Sturm zu verlieren glaubt. Doch die für tot geglaubte Königin Thaisa ist nur scheintot und wird gerettet. Marina wiederum wird die schönste Tochter unterm Firmament und zieht so den Hass ihrer Ziehmutter auf sich.
Es sind Shakespeares große Themen: Leben und Tod, Freude und Trauer, Verzweiflung und Hoffnung und immer wieder Hass und Liebe. All das auf die Bühne gebracht in zweieinhalb Stunden hoch spannender Inszenierung. Jørn Stocker begeistert in der Rolle des Perikles. Seine schauspielerische Leistung untermauert er eindrucksvoll in den stillen Szenen, die von der Mimik leben. Von einem einzigen Scheinwerfer angeleuchtet, hockt er da am Bug seines Schiffes, ein vom Leben gezeichneter Fürst, der in dem Irrglauben lebt, erst seine Frau und dann seine Tochter verloren zu haben.
Da nähert sich grazil, im himmelblauen Kleid die totgeglaubte Tochter Marina, gespielt von Evalotta Pietsch. Das Publikum kennt das Schicksal beider Charaktere und wird Zeuge, wie sich das Drama löst und die gespaltene Familie wieder zueinanderfindet.
Leander Glaw als Sprecher führt das Publikum durch die teils komplexe Handlung des Dramas. In regelmäßigen Abständen bringt er die Zuschauer auf Stand, fasst zusammen und bereitet das kommende Geschehen vor. Neben den schauspielerischen Einzelleistungen der Protagonisten sind es vor allem die Gruppenszenen, die überzeugen. Ob lüsterne Tänze der Begierde oder grazile Jungfrauen rund um Perikles Tochter Marina, der Tanz- und Akrobatikunterricht macht sich bezahlt. All das musikalisch eingerahmt durch Sounds von Florian Paul und Lukas Schwermann. Toll auch die zum größten Teil handgefertigten Kostüme von Lena Martin. Theater Total war auch in diesem Jahr wieder ein Gesamtkunstwerk. Das wurde vom Waldorfer Publikum mit tosendem Applaus und im Stehen dargebrachten Ovationen belohnt.
Die Schauspieler des Bochumer Theater Total überzeugen durch professionelle Mimik.
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