Allgemeine Berichte | 26.02.2019

Lotsenpunkt Unkel

Sich Hilfe suchen – ein Zeichen von Schwäche?

Kooperation der kath. und evang. Kirchen und der Verbandsgemeinde Unkel mit dem Diakonischen Werk Neuwied und dem Caritasverband Rhein-Sieg e.V.

Unkel. Es herrscht in der heutigen Gesellschaft ein unglaublicher Druck zur Verschönerung, zur Behübschung der Wirklichkeit, diagnostiziert der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann etwas, das wir alle kennen: Probleme scheint es nicht zu geben – höchstens „Herausforderungen“.

Alles im Griff!

Angesagt sind Macher, Menschen, die „die Ärmel hochkrempeln“.

Solch gesellschaftlicher Druck macht es uns schwer, Probleme anzuerkennen und darüber zu reden. Seit über einem Jahr gibt es nun den Lotsenpunkt in der Verbandsgemeinde Unkel. Ein Ort, an dem Menschen ein offenes Ohr und Hilfe erwarten.

Hilfe suchen, Hilfe annehmen – ein Zeichen von Schwäche? Der Lotsenpunkt spricht mit einer Besucherin:

Lotsenpunkt: Frau P., wie haben Sie vom Lotsenpunkt erfahren? Wie kam es, dass Sie sich Hilfe gesucht haben?

Frau P.: Ich hatte schon selbst in einer der Zeitungen vom Lotsenpunkt gelesen, ausschlaggebend, dass ich wirklich zu Ihnen gekommen bin, war aber dann, dass meine Freundin davon wusste und gesagt hat „Ja, geh da mal hin.“

LP: Und als Sie hier im Rathaus vor unserer Türe standen, war es eine große Überwindung?

Frau P.: Nun, der Beschluss zu Ihnen zu gehen, war da ja gefasst. Aber komisch ist das schon, fremden Menschen von seinen Schwierigkeiten zu erzählen und nicht zu wissen, was am besten zu tun ist.

LP: Aber Sie haben trotzdem mit uns darüber gesprochen.

Frau P.: Irgendwann kommt man an einen Punkt, da weiß man nicht mehr weiter. Es dann erzählen ist es eine sehr große Entlastung.

LP: Sie kamen vier Wochen nach dem Tod Ihres Mannes zu uns.

Frau P.: Es kamen damals sehr viele Briefe. Alle Ämter wollten auf einmal was von mir. Früher hat sich mein Mann immer darum gekümmert oder gesagt: ‚das machen wir so, oder so.‘ Als er nicht mehr da war, das war für mich ein Sprung ins kalte Wasser. Die vielen unterschiedlichen Briefe und Fragen. Ich hatte große Angst, etwas falsch zu machen. Die Gespräche bei Ihnen gaben mir Sicherheit, dass ich nichts falsch mache. Als wir dann gemeinsam den ersten Brief fertig formuliert hatten – da ist eine Last von mir abgefallen – diese Erleichterung - das kann man gar nicht beschreiben.

LP: Dabei haben Sie dann so viel selber erledigt.

Frau P.: Naja, mir war schon klar: ‚machen musst du das selber…‘, aber diese Angst, etwas falsch zu machen… Ich habe oft abends wach im Bett gelegen und die ganzen Probleme vor mir gesehen und mich immer nur im Kreis gedreht.

Bei euch habe ich mich verstanden und aufgehoben gefühlt. Das hat dazu geführt, dass ich dann vieles auch selbst tun konnte.

LP: Was würden Sie Menschen sagen, die in Schwierigkeiten sind und sich vielleicht nicht trauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen?

Frau P.: Mach es! Geh hin! Der erste Schritt ist eine Überwindung, aber wenn du es nicht tust, trittst du auf der Stelle und drehst dich um dich selbst. Die Erleichterung, wenn du es erzählt hast ist riesengroß.

LP: Frau P., dann wir wünschen Ihnen, dass es für Sie weiter so bergauf geht. Und wenn es irgendwo hakt, dann schauen Sie einfach wieder bei uns vorbei!

Frau P.: Ganz bestimmt! – Gerne.

Pressemitteilung

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