Allgemeine Berichte | 16.08.2021, 10:03 Uhr

Wolfgang Niedecken und Mike Herting im Schloss Engers - Beeindruckendes Benefiz-Sonderkonzert bei der Villa Musica

Songs sind wie fremde Länder, wo man immer schon mal hinwollte

Professor Alexander Hülshoff (li.) ergänzte kurzfristig das Duo, sehr zur Freude der Zuhörer. Foto: CF

Professor Alexander Hülshoff (li.) ergänzte kurzfristig das Duo, sehr zur Freude der Zuhörer. Foto: CF

332

Neuwied-Engers. Mehr als 500 Zuschauer hatte das Benefizkonzert, das Wolfgang Niedecken, der Welt bekannt als Frontmann von „Bap“, zusammen mit Mike Herting am elektronischen Klavier speziell und extra zugunsten der Flutopferhilfe gab. Bewaffnet mit Gitarre und Mundharmonika betrat er die Bühne: „Als ich die Bilder der Katastrophe sah, sagte ich mir: Da muss man was tun.“ Und das tat er dann auch.

Kein Geringerer als der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz hatte zuvor die Besucher und die Künstler begrüßt mit den Worten: „Danke, dass Sie Flagge zeigen, dass Sie helfen wollen. Wolfgang Niedecken engagiert sich beispielhaft immer da, wo Hilfe gebraucht wird“, lobte er den Künstler. Dessen komplettes Team der Lesereise, das zurzeit durch Deutschland tourt, hatte sich bereit erklärt, unentgeltlich dieses zusätzliche Konzert zu bestreiten. Kultursommer Rheinland-Pfalz und Villa Musica hatten Bühne, Location und Technik „geliefert“, so dass der komplette Erlös plus namhafter Spenden (zusätzlich viermal 1.000 Euro) in die Flutopferhilfe Deutschland fließen würden, so Roger Lewentz. „Und für weitere Spenden stehen Spendenboxen bereit.“

Die Außenanlage des Engerser Schlosses bot die würdige Kulisse für Niedeckens „Lesereise“, eine Fahrt zu den Lebensstationen des Ausnahmemusikers Bob Dylan, die zu denen Wolfgang Niedeckens passten und sich zum Teil auch überschnitten. Kapitel für Kapitel wurde mit der passenden Musik versehen und zu einem unvergesslichen Abend zusammengefügt. Dabei kamen auch „kölsche“ Variationen der Dylan-Songs zum Tragen, etwa, wenn er von der Sintflut spricht: „Noah, bau e Floß, am Fridach fäng et an ze räne“. Das Programm sei nicht einfach, betonte der Künstler, gerade im Hinblick auf die Katastrophe an der Ahr. „Ich komme aus Köln, meine Eltern aus Unkel, das ist nicht so weit weg.“ Und: „Die Katastrophen werden zunehmen, wir brauchen dringend einen Paradigmenwechsel“, wird er kurz politisch.

Niedecken erzählt über seine USA-Reise zu markanten Stationen seines großen Vorbildes, über die er im vergangenen Jahr ein Buch geschrieben hat. Stationen dieser Reise wechseln sich ab mit Geschichten aus seinem eigenen Werdegang. Wie sie in jungen Jahren Freunde fanden, die sich, mittellos an Silvester 1979 in New York gegenseitig Hilfe und Gastfreundschaft boten. Wie Bob Dylan Schuld war, dass Wolfgang Niedecken Musiker wurde, obwohl er mit dessen Musik im ersten Moment „nix anfangen“ konnte, wie er die 93-jährige Frau Hermanns im Geburtstagsständchen besingt, das erst viel später Eingang in seine Produktion fand. Der Zuhörer muss manchmal ein wenig in der Zeit springen, wenn Niedecken über die pubertierenden jungen Kerle berichtet, die bei den begehrten Damen gleichen Alters abblitzen, weil sie „noch keinen Führerschein“ haben und in einem katholischen Internat in Rheinbach wohnen. Abitur, Zivildienst, Kunststudium, und schon ist man wieder auf der Reise und beim Dreh vor dem Lincoln Memorial, um den Satz „I have a dream“ sichtbar zu machen. Und schließlich bis zu dem Augenblick, da er in New Orleans mit der Fähre zur dortigen „schäl Sick“ wechseln musste und dafür den ersten Rentnerrabatt seines Lebens erhielt.

Mittendrin gab Professor Alexander Hülshoff, künstlerischer Direktor der Villa Musica Engers, mit seinem Cello sein Debüt im Trio mit Wolfgang Niedecken und Mike Herting. Das habe sich so bei den Proben ergeben, man wolle dies dem Publikum nicht vorenthalten. Gut getan, sehr beeindruckend.

Und so wundert es nicht, dass es am Ende standing ovations für die Künstler gab, als Wolfgang Niedecken nach fast drei Stunden das Ende der Vorstellung „einläutete“, nicht ohne die Story vom Taschendiebstahl an der Westküste zum besten gegeben zu haben. Oder die von der Begegnung mit Dylan in der Saarlandhalle in Saarbrücken. Zum Ende konnte niemand mehr die Füße ruhig halten vor guter Musik und Rhythmus, die Zeit war im Fluge vergangen.

Dass Niedecken ein Profi ist, merkt man auch, wenn zwischendurch die Rede auf den 1. FC Köln kommt: Zwischenruf: „Wir haben gewonnen“. Niedeckens Seitenhieb auf seinen Lieblingsverein: „Wer hat die Tore geschossen? Der Torwart?“ Aber ein glückliches Gesicht sprach dann Bände.

Wer jetzt Lust bekommen hat: Am 12. September findet ein weiteres Konzert in Altenkirchen statt. Hier gibt es noch Restkarten. https://www.kultur-felsenkeller.de/de/s156-programm-so-1202021---wolfgang-niedecken-liest-u-s.html

Bilderauktion zum Thema

Sebastian Krüger, Maler und langjähriger Freund Wolfgang Niedeckens hatte, als er vom Benefizkonzert erfuhr, spontan drei Bilder von Bob Dylan als Exclusivdrucke für eine einmalige Auktion zur Verfügung gestellt. Diese wurden am Nachmittag vor dem Konzert als Zugabe von beiden Künstlern signiert und werden nun zugunsten der Fluthilfe versteigert. Das Mindestgebot pro Bild beträgt 250 Euro. Die Gebote können per E-Mail an die BLICK aktuell-Redakteurin Marianne Hedwig unter m.hedwig@kruppverlag.de abgegeben werden. Einsendeschluss ist der 25. August. Das höchste Gebot erhält jeweils den Zuschlag.

Professor Alexander Hülshoff (li.) ergänzte kurzfristig das Duo, sehr zur Freude der Zuhörer. Foto: CF

Professor Alexander Hülshoff (li.) ergänzte kurzfristig das Duo, sehr zur Freude der Zuhörer. Foto: CF

Innenminisrter Roger Lewentz begrüßte Künstler und Gäste.Foto: HE

Innenminisrter Roger Lewentz begrüßte Künstler und Gäste. Foto: HE

Wolfgang Niedecken und Sebastian Krüger signieren die Bilder.Foto: Andrea Faustmann

Wolfgang Niedecken und Sebastian Krüger signieren die Bilder. Foto: Andrea Faustmann

Songs sind wie fremde Länder, wo man immer schon mal hinwollte

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Mit Unterstützung der BUGA-Freunde Koblenz haben die Stadtgärtner drei Beete in Lützel und Stolzenfels mit den Staudenmischungen der Bundesgartenschau 2026 bepflanzt.
22

Die bevorstehende Bundesgartenschau 2029 wirft bereits ihre Schatten voraus, und in Koblenz zeigt sich der eigens für das Obere Mittelrheintal entwickelte BUGA-Staudenmix in ersten Pflanzungen. Der Eigenbetrieb Grünflächen- und Bestattungswesen hat in den Stadtteilen Lützel und Stolzenfels drei Flächen neu gestaltet und dabei wertvolle Unterstützung vom Staudenteam der Freunde der Bundesgartenschau Koblenz e.

Weiterlesen

Brandneue XXL-Lebendfalle – liebevoll „lange Liesel“ genannt.
29

Nach 4 Wochen bangen Wartens und kilometerweiten Tagesdistanzen der Hündin konnte die clevere Dackelmischlingshündin Lotte nur 1 Woche nach dem Einschalten der Hundesuchhilfe Saving Paws Vulkaneifel, Südeifel und Umgebung von den Spezialisten gesichert werden. Der erste Einsatz für die neue, zusätzliche XXL-Lebendfalle endet mit einem emotionalen Happy End und einer ganz besonderen Überraschung. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Olivenbäume im Ahrtal.
37

Olivenbäume zwischen Weinbergen, auf landwirtschaftlichen Flächen und in privaten Gärten: Was zunächst ungewöhnlich klingt, ist im Ahrtal längst keine reine Zukunftsvision mehr. Und dies dank des Oliven-Experten Oliver Heimermann. Seit mehr als 15 Jahren experimentiert er mit dem Anbau der mediterranen Pflanzen. Nun soll aus den bisherigen Erfahrungen eine gemeinsame Initiative entstehen. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Proklamation Kinderprinzenpaar
Rednerböötche
Innovatives aus Andernach
Anzeige Aktionstage 03.11. - 10.11.26
Titelanzeige
Weitere Artikel
Symbolbild
2376

A61 ab November mit Einschränkungen

Ab dem 09.11.: Einspurige A61 - Fahrzeit einplanen

Sinzig. Die Niederlassung West der Autobahn GmbH des Bundes plant umfangreiche Gehölzpflegearbeiten auf der A61 zwischen dem Autobahndreieck Sinzig und der Anschlussstelle Niederzissen in Richtung Koblenz/Ludwigshafen.

Weiterlesen

Die Mittelahr präsentierte sich an den fünf Veranstaltungswochenenden von ihrer besten Seite
2335

Mittelahr. Mit zahlreichen Besucherinnen und Besuchern und bestem Herbstwetter ist der Weinherbst Mittelahr 2026 erfolgreich zu Ende gegangen. Vom 26. September bis zum 25. Oktober fand das beliebte Wein- und Wanderevent an fünf Wochenenden auf dem Rotweinwanderweg und in den Weinorten Dernau, Rech, Mayschoß und Altenahr statt. Das bewährte Zusammenspiel aus Wein- und Gastronomieständen entlang der Strecke sowie ergänzenden Angeboten in den Orten sorgte erneut für großen Zuspruch.

Von Nicolas Bäcker aus Dernau

Weiterlesen

Kitten Leo & Tigger
2071

Katzenschutzfreunde Rhein-Ahr-Eifel e.V.

Viele kleine Katzenkinder suchen ein Zuhause

Leo und Tigger (*ca. Mitte August 2026 – Wohnungshaltung mit gesichertem Balkon oder Freigang nach Kastration) sind zwei bezaubernde Kätzchen, die auf der Suche nach einem liebevollen Zuhause sind.

Von Katzenschutzfreunde Rhein-Ahr-Eifel e.V. aus Schalkenbach

Weiterlesen