Stolperstein für einen Immendorfer Sportsfreund
Drei Jugendliche und ein Senior erinnern mit einem gelungenen Projekt an einen im Holocaust getöteten Mitbürger
Immendorf. Was macht man eigentlich als Jugendlicher in Immendorf? Eine ganze Menge. Am liebsten Fußball. Da sind sich Jarne, Julian und Mika einig. Zwischen Hausaufgaben und Training schieben die drei aber auch gerne ein bisschen Geschichtsforschung ein. Das Ergebnis ihrer Recherchen ist seit kurzem auf dem Sportplatz zu bewundern. Dort liegt ein blank polierter Stolperstein für einen ehemaligen Vorsitzenden ihres Sportvereins, dem heutigen TuS Immendorf: Friedrich Julius Michel.
Viele Gäste hatten sich auf dem kleinen Rasenplatz versammelt, um live dabei zu sein, als ein Mitarbeiter des Kommunalen Servicebetriebs den kleinen goldenen Quader in den Boden einsetzte, der an die Deportation jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger, an ihre furchtbaren Qualen und an das schreiende Unrecht erinnern soll. In ihrem gemeinsamen Vortrag erzählten die drei Jungen von dem Mann, dessen Name den Stein ziert und der zur Dorfgemeinschaft gehörte, wie heute so selbstverständlich jeder, der Immendorf sein Zuhause nennt.
Friedrich Julius Michel führte in den 1920er-Jahren die Geschicke des Vereins. Mit seiner Familie lebte er in dem Haus mit der heutigen Adresse Ringstraße 23 und betrieb zusammen mit einem ganzen Schwung jüdischer Mitbürger einen regen Handel im Ort. Die allermeisten Immendorfer Juden überlebten den Holocaust nicht. „Wir dürfen die Schreckensherrschaft der Nazis niemals vergessen“, appellierten die drei Jugendlichen.
Maßgeblich unterstützt wurden sie bei ihren Recherchen von Gerhard Voell, selbst ehemaliger Vorsitzender des Vereins und als Hüter der Vereinsgeschichte ein wahres wandelndes Lexikon. Der 81-Jährige ist auch Initiator des Projekts, das damit nicht nur Geschichte in die Gegenwart holt, sondern auch Generationen verbindet. Die große Gesellschaft von Jung und Alt auf dem Sportplatz legte davon eindrucksvoll Zeugnis ab. Auch Gerhard Voell hatte einiges zu erzählen, zum Beispiel, wie wichtig es ihm und den Jungs war, dass der Stolperstein nicht wie üblich vor dem Wohnhaus des deportierten Juden verlegt wurde, sondern an seinem Wirkungsort, dem Sportplatz. Genau hier soll der Stolperstein an das Leben von Friedrich Michels und die grausame Ermordung erinnern.
„Es ist zwar nur ein kleines Zeichen“, sagte Jarne. „Aber ich finde, auch kleine Zeichen sind wichtig.“ Eine Aussage, der nicht nur die Koblenzer Bürgermeisterin Ulrike Mohrs sofort und vehement widersprach: „Es ist ein kleiner Stein, aber ein großes Zeichen“, betonte sie. „Ihr habt hier etwas ganz Tolles geschaffen.“
Und beim nächsten Fußballspiel in Immendorf haben alle einen guten Grund, auf den Boden zu schauen - egal, ob das Spiel mit einer Niederlage oder einem Sieg endet.
BA
Drei Jugendliche und ein Senior haben gemeinsam recherchiert, Bücher gewälzt, ihre Nasen in alte Dokumente gesteckt und so das Leben und Wirken des einstigen Vereinsvorsitzenden Friedrich Michel beleuchtet. Mit einem blank polierten Stolperstein auf dem Sportplatz erinnern sie daran.
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